Zur Strafbarkeit akademischen Ghostwritings

Diese News behandeln strafrechtliche Aspekte akademischen Ghostwritings. Bisher rechtskräftige zivilrechtliche Auffassungen deutscher Gerichte über wissenschaftliches Ghostwriting für den Hochschulbereich können Sie den News Gerichtsurteile über akademische Ghostwriter – 1 vom 04.04.2012 entnehmen.

Ein Rechtsgutachten eines Fachanwalts für Strafrecht für einen wissenschaftlichen Ghostwriter im Hochschulbereich von bereits Mai 2010 , das Ghostwriter.nu vorliegt, kommt zu dem Ergebnis,

dass allenfalls eine Beihilfe zur mittelbaren Falschbeurkundung gemäß § 217 Abs. 1 StGB und wenn in diesem Zusammenhang eine falsche Versicherung an Eides Statt abgegeben wurde, auch eine Beihilfe zu § 156 StGB in Betracht kommt. Voraussetzung wäre jedoch, dass Sie [der betreffende akademische Ghostwriter, der dieses Rechtsgutachten in Auftrag gegeben hat, d.V.] die positive Kenntnis davon haben, dass Ihr Auftraggeber Ihre Arbeit im Rahmen eines Examens oder zur Erlangung eines Doktortitels als eigene Arbeit ausgibt.

Sofern Sie davon ausgehen, dass Ihr Auftraggeber die von Ihnen gelieferte Arbeit nicht zu unlauteren Zwecken verwendet, machen Sie sich durch Ihre Tätigkeit nicht strafbar. Dies gilt auch, wenn Sie im Einzelfall vermuten, es könnte zu einem Missbrauch kommen, da die Erstellung einer solchen Arbeit zu Ihrer berufstypischen Tätigkeit gehört. Ich [der Fachanwalt für Strafrecht als Gutachter, d.V.] gehe nicht davon aus, dass man in jedem Fall zwingend annehmen kann, dass der Auftraggeber Ihre Arbeit zu unlauteren Zwecken verwendet.

Hinweis 1:
§ 156 StGB: „Wer vor einer zur Abnahme einer Versicherung an Eides Statt zuständigen Behörde eine solche Versicherung falsch abgibt oder unter Berufung auf eine solche Versicherung falsch aussagt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ (Quelle: http://dejure.org/gesetze/StGB/156.html).

Hinweis 2:
Positive Kenntnis = „(d)as rechtlich relevante Wissen … (D)er Geschäftspartner [kennt] die Tatsachen des Umfangs einer Handlung… […] und [besitzt] das rechtlich relevante Wissen hierzu […].“ (Quelle: Buck, Petra: Wissen und juristische Person. Wissenszurechnung und Herausbildung zivilrechtlicher Organisationspflichten. Verlag Mohr Siebeck & Co K 2001, S. 47)

Wie fast ein Jahr später im Februar 2012 das Oberlandesgericht Düsseldorf kommt dieser Fachanwalt für Strafrecht als Gutachter bereits hier zu dem Schluss:

„Wenn ich es richtig sehe, ist Ihre Tätigkeit im Prinzip keine echte Ghostwritertätigkeit, weil diese im engeren Sinne bedeutet, dass für einen anderen eine Arbeit bzw. ein Roman geschrieben wird und Gegenstand der Vereinbarung gerade den Zweck umfasst, den Text als eigene Arbeit auszugeben.“

Ergebnis:

Akademisches Ghostwriting im Hochschulbereich für Bachelorarbeiten bzw. Bachelor Thesis, Masterarbeiten bzw. Master Thesis, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Staatsexamensarbeiten, Dissertationen bzw. Doktorarbeiten bzw. Promotionen sowie für Hausarbeiten, Seminararbeiten und Projektarbeiten ist für einen wissenschaftlichen Ghostwriter nicht strafbar, so lange er hier als wissenschaftlicher Autor agiert und keine eindeutige Kenntnis darüber erlangt, dass der betreffende Text von Kundenseite eins zu eins als eigene Prüfungsleistung bei einer Hochschule eingereicht werden soll und eingereicht worden ist.

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