Zur aktuellen gesamtrechtlichen Situation akademischen Ghostwritings

Wie bereits in den News Nr. 7 „Zur Strafbarkeit akademischen Ghostwritings “ dargestellt wurde, ist akademisches Ghostwriting im Hochschulbereich für Bachelorarbeiten bzw. Bachelor Thesis, Masterarbeiten bzw. Master Thesis, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Staatsexamensarbeiten, Dissertationen bzw. Doktorarbeiten bzw. Promotionen sowie für Hausarbeiten, Seminararbeiten und Projektarbeiten für einen wissenschaftlichen Ghostwriter nach einem Ghostwriter.nu vorliegendem Strafrechtsgutachten nicht strafbar, so lange der Ghostwriter hier als wissenschaftlicher Autor agiert und keine eindeutige Kenntnis darüber erlangt, dass der betreffende Text von Kundenseite eins zu eins als eigene Prüfungsleistung bei einer Hochschule eingereicht werden soll und eingereicht worden ist. Dieser aktuelle strafrechtliche Befund stimmt mit der Kernaussage des themenrelevant letztveröffentlichten zivilrechtlichen Hauptsache-Urteils des Oberlandesgerichts Köln überein, das „Entwürfe und Beispiele für wissenschaftliche Arbeiten …, die … Kunden nicht als eigene Arbeit ausgeben dürfen …“ als „legales Angebot“ ansieht (News Nr. 5 „Gerichtsurteile über akademische Ghostwriter – 1 „).

Dem gegenüber steht das Oberlandesgericht Düsseldorf, das in ebenfalls zivilrechtlicher Hinsicht die Auffassung vertritt, dass die Tätigkeit eines wissenschaftlichen Ghostwriters „sittenwidrig ist und von der Rechtsordnung nicht gebilligt wird … eine derartige Tätigkeit … stellt überhaupt kein … ‚Ghostwriting‘ dar.“ (ebenfalls News Nr. 5 „Gerichtsurteile über akademische Ghostwriter – 1 „).

Heute führte der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes Prof. Dr. Bernhard Kempen in einem Interview mit dem WDR-5-Radio aus hochschulpolitischer Perspektive aus:

Wir würden gerne … Ghostwritern das Handwerk legen. Deswegen denken wir ganz intensiv darüber nach, ob es sinnvoll sein könnte, einen eigenen Straftatbestand zu kreieren, der das Schreiben fremder Qualifikationsarbeiten unter Strafe stellt. Das gibt’s bisher nicht. Da ist eine regelrechte Lücke … eine Strafbarkeitslücke … und wir würden die gerne ausfüllen … weil wir schon glauben, dass da ein gewisses Abschreckungspotenzial damit verbunden sein könnte. Diejenigen, die das in Auftrag geben, die also einen Ghostwriter bestellen, für sie eine Doktorarbeit zu schreiben …, den Auftraggebern würden wir ebenfalls gerne mit dem Staatsanwalt auf den Pelz rücken. Also beide, der Auftraggeber und der Auftragnehmer, der Ghostwriter, der für einen Fremden eine Doktorarbeit oder auch andere Qualifikationsarbeit schreibt, meiner

Ansicht nach gehören diese Fälle tatsächlich vor die Staatsanwaltschaft und damit vor die Strafgerichtsbarkeit.“
(Präsident des Deutschen Hochschulverbandes Prof. Dr. Bernhard Kempen, in: „Leonardo – Wissenschaft und mehr. Schwerpunkt: Der falsche Doktor. Titeljagd für Anfänger“, WDR 5, 24.05.2012, 16:05-17:00 Uhr, 18:45 bis 25:45 Minuten, eigene Transkription, nachzuhören unter http://www.wdr5.de/nachhoeren/leonardo.html).

Anmerkung von Harald Bahner:
Es gäbe eine Fülle von Aspekten gegen dieses Ansinnen von Prof. Dr. Kempen zu erwidern. Ich möchte es vorläufig bei drei Aspekten belassen:
1.
Diese avisierte Strafbarkeit sowohl für wissenschaftliche Autoren, wenn sie davon wissen, als auch für Kunden, die von akademischen Autoren erstellte Beispiel-Hochschularbeiten gleich welcher Art als eigene Prüfungsleistung bei einer Hochschule einreichen, gibt es in anderer Form schon (siehe bereits unter den eingangs dieser Webunterseite zitierten News Nr. 7 „Zur Strafbarkeit akademischen Ghostwritings „).
2.
Die vom Präsidenten des Deutschen Hochschulverbandes tatsächlich avisierte Strafbarkeit stellt alle wissenschaftlichen Autoren im angesprochenen Bereich und deren Kunden unter rechtlich unzulässigen Generalverdacht.
3.
Eine legitime Hilfestellung bei der Erstellung wissenschaftlicher Hochschularbeiten aller Art, die zumindest die Kunden meines Unternehmens Ghostwriter.nu suchen und die wissenschaftlichen Autoren meines Unternehmens Ghostwriter.nu realisieren, wird mit derlei Antizipationen, die jedem Generalverdacht inne wohnen, kriminalisiert. Die positivistische Rechtsauslegung, die uns seit dem Nationalsozialismus alle bindet, wird mit derlei Auffassungen und Ansinnen ausgehebelt.