Welt ohne Handy

Das private Internat Schloss Salem am Bodensee konfisziert ab sofort jeden Tag bei seinen Schülern alle internetfähigen Geräte mit Bildschirm. Das stößt den Schülern bitter auf. Sie fühlen sich von „der Welt“ abgeschnitten.

Die Situation an den Schulen Deutschlands ist bekannt: In jeder Pause haben die Schüler ihr Handy in der Hand oder am Ohr. Nicht selten geht es nach Unterrichtsbeginn unter dem Tisch weiter. Dieses Verhalten kostet die Schüler Zeit, Konzentration und Aufmerksamkeit. Die Schüler kommen letztlich von ihren Handys und anderen internetfähigen Geräten nicht mehr weg. Eine exzessive Nutzung dieser Geräte unterläuft für viele Lehrer ihr pädagogisches Konzept. Sollte es doch um Lernen durch reale Erfahrung gehen, nicht um eine virtuelle Wirklichkeit, die für viele Schüler indes tatsächlich Vordergrund steht.

Viele Eltern haben vor einem solchen exzessiven Gebrauch der Handys und anderer internetfähigen Geräte ihrer Kinder längst kapituliert. Zeit, um sich zum Beispiel mit einem Buch in Ruhe in eine Ecke zu setzen, hat bald niemand mehr.

Staatliche Schulen tun sich schwer, dieses Verhalten ihrer Schüler zu begrenzen. Dennoch sammeln auch staatliche Schulen zunehmend die Handys ihrer Schüler während des Unterrichts ein und händigen diese nach Beendigung des Unterrichts wieder aus

Jetzt hat das private Internat Schloss Salem am Bodensee einen dicken Strich unter dieser Angelegenheit gemacht. Sämtliche internetfähigen Geräte mit Bildschirmen werden jeden Tag um 21:30 Uhr eingezogen und nach dem gemeinsamen Mittagessen um 14:15 Uhr wieder ausgehändigt. Laptops und Tabletts werden den 13-bis 17-jährigen Schülern bereits zu Unterrichtsbeginn wieder ausgehändigt.

Nahezu einhellig unterstützen die Eltern dieses Vorgehen der Schule. Sie sind froh, dass die Schule nun diese Reglementierungen in die Hand nimmt, vor der sie, die Eltern, schon längst kapituliert haben. Die Mittelstufenschüler sind hier indes anderer Meinung. Sie empfinden das Vorgehen der Schule als dramatische Einschränkung ihres Rechts auf Selbstbestimmung. Sie fühlen sich jetzt plötzlich von der Welt abgeschnitten. Sie werfen der Schulleitung vor, zu den Ewiggestrigen zu gehören. Aus Protest sind sie in einen Streik getreten und haben zum Beispiel den „Tag der offenen Tür“ boykottiert, zu deren Realisierung das Internat besonders auf die Mithilfe seiner Schüler angewiesen ist.

Genutzt hat dieser Protest den Schülern bisher nichts. Und das ist auch gut so. „Nur“ von mittags um halb drei bis abends um halb zehn sein Handy zur Verfügung zu haben, das sind 7 Stunden, ist mehr als ausreichend, alles mitzubekommen, was in der virtuellen Welt geschieht, die eben nicht die reale Welt ist. Das gilt nicht nur für Schüler, sondern auch für Studenten und jeden anderen Menschen in unserer tatsächlich realen Welt.

Quelle dieser News:
Schmoll, Heike: Salems Schüler auf Entzug. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09.12.2014, S. 4.