US-amerikanische Universitäten finanzieren sich blendend

Deutsche Universitäten und Hochschulen hängen am Tropf des Staates und müssen jedes Jahr um die Zuteilung von staatlichen Geldern für sich und ihre Studenten kämpfen. US-amerikanische Universitäten hingegen finanzieren sich vorwiegend privat und schwimmen im Geld.

Universitäten in den vereinigten Staaten von Amerika finanzieren sich und ihre Studenten bekanntlich vorwiegend privat. Im Gegensatz hierzu hängen deutsche Universitäten und Hochschulen existenziell von staatlichen Geldern ab.

US-amerikanische Hochschulen übertragen ihre Finanzierung oft an hochschuleigene Stiftungsfonds als Finanzierungsabteilung der jeweiligen Hochschule. Stiftungsfonds in den USA fließen viele Spenden zu, von zum Teil hohen Studiengebühren einmal abgesehen. So gibt es auch für die beiden bekanntesten US-Universitäten Harvard und Yale Stiftungsfonds. Der Stiftungsfonds von Harvard verwaltet sage und schreibe 36,4 Milliarden US-Dollar, der Stiftungsfonds von Yale immerhin noch 23,9 Milliarden Dollar. Von derlei Finanzierungsgrößen kann eine deutsche Universität nur träumen. Auch für deutsche Universitäten gibt es wohl Stiftungsfonds, eine Spendenkultur gerade im Bereich Bildung und Kultur ist in Deutschland jedoch marginal ausgeprägt. Das Volumen von Stiftungsfonds deutsche Universitäten ist deshalb ungleich kleiner als das US-amerikanischer Universitäten.

Jetzt hat sich gezeigt, dass der Stiftungsfonds der Universität Yale mit der beste ist in den USA. Die durchschnittliche Rendite des Stiftungsfonds von Yale der letzten zehn Jahre beträgt 11 %. Der Stiftungsfonds von Harvard, traditionell der größte Konkurrent der Universität Yale, wirft nur eine Rendite von 8,9 % ab. Im letzten Jahr erzielte der Stiftungsfonds der Universität Yale sogar eine Rendite von 20,2 %, der Stiftungsfonds der Universität Harvard indes nur 15,4 %. Stiftungsfonds amerikanischer Universitäten erzielten nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft Cambridge Associates eine durchschnittliche Rendite von 16,2 %.

Grund für das überdurchschnittlich gute Abschneiden des Stiftungsfonds der Universität Yale ist offensichtlich eine überdurchschnittlich risikofreudige Anlagestrategie. So legt der Stiftungsfonds von Yale sein Geld in viele verstreute Anlagen an, neben Aktien oder Anleihen vor allem auch in Hedgefonds (Geldtöpfe zur Absicherung von Geschäften), Private Equity Fonds (deutsch: außerbörsliches Eigenkapital, d.h. Beteiligung an nicht börsennotierten Unternehmen), Rohstoffen, Ländereien oder Immobilien. 68 % des Yale-Vermögens steckt allein in Hedgefonds, Private Equity und Immobilien. Nur 24 % der Yale-Stiftungsgelder gehen indes in „traditionelle“ Investments wie Aktien oder Anleihen.

Aus Hedgefonds oder Private Equity kommt man nicht so schnell heraus wie aus Anleihen oder Aktien, die man letztlich sofort wieder verkaufen könnte. Deshalb wird das Investieren in Hedgefonds oder Private Equity als risikoreicher eingestuft.

Währenddessen investiert der Harvard-Studien konservativer. Hier gehen nur 46 % der Stiftungsgelder in Hedgefonds Private Equity Fonds und Immobilien. 43 % der Stiftungsgelder werden in hingegen traditioneller Weise, d.h. in Aktien oder Anleihen angelegt.

In Sachen Rohstoffen sind sich die Yale-und die Harvard-Stiftungsfonds ähnlich. Hier investiert Harvard mit 8 % der Stiftungsvermögens und Yale mit 11 %.

Die Ergebnisse von Stiftungsfonds US-amerikanischer Universitäten, hier insbesondere die Ergebnisse der Harvard- und Yale-Stiftungsfonds, werden in der Finanzbranche insbesondere in den USA stark beachtet. Viele US-Vermögensverwalter orientieren sich an deren Anlagemodellen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Renditen eher konservativer oder risikofreudigerer Stiftungsfonds entwickeln werden. Nach dem Fast-Ende der Finanzkrise haben risikofreudigere Anlagestrategien zumindest derzeit keine schlechte Zukunft, um Universitäten, Hochschulen, Studenten und deren Studium (besser) zu finanzieren.

Quelle:
o. V. : Yale deklassiert Harvard. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26.09.2014, S. 30.