Teilabwicklung der Uni Leipzig – Teures „Gap Year“ – Angeblich höheres Gymnasiastenengagement trotz G8-Abitur

An der Universität Leipzig sollen jetzt nicht nur die Theaterwissenschaften und die Archäologie abgewickelt werden. – Das Jahr zwischen Abitur und Hochschulstudium, mittlerweile als „Gap Year“ bezeichnet, kann richtig ins Geld gehen. – Vor allem Gymnasiasten engagieren sich angeblich außerschulisch mehr als früher trotz G8-Abitur.

An der Universität Leipzig sollen jetzt nicht nur die Theaterwissenschaften und die Archäologie abgewickelt werden.

Darüber, dss an der Universität Leipzig die Theaterwissenschaften und die Archäologie komplett abgewickelt werden sollen, hat Ghostwriter.nu bereits vor geraumer Zeit berichtet. Jetzt steht auch die Pharmazie an dieser Hochschule vor dem Aus.

Hintergrund dieser Entwicklung ist ein vor vier Jahren beschlossener Sparkurs der Landesregierung in Sachsen seine Hochschulen betreffend. Bis 2017 bzw. 2020 soll mehr als jede fünfte Hochschulstelle wegfallen. Dies gilt in genau diesem Verhältnis auch für die Universität Leipzig Dabei hat sich gerade die Universität Leipzig von der Studentenzahl her um über die Hälfte stärker entwickelt als Prognosen von vor vier Jahren aufzeigten. Leizpig ist ein unerwartet begehrter Hochschulort geworden. Auf ganz Sachsen bezogen sind es ein Fünftel mehr Studenten als prognostiziert.

Deshalb fordern die meisten Parteien jetzt eine Umkehr der Hochschulplanungen. Denn in vier Monaten ist Landtagswahl in Sachsen.

Übrigens: Bundeskanzlerin Merkel und die derzeitige Bildungsministerin Johanna Wanka studierten einst beide an der Universität Leipzig.

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Das Jahr zwischen Abitur und Hochschulstudium, mittlerweile als „Gap Year“ bezeichnet, kann richtig ins Geld gehen.

Ein Aus-Jahr nach dem Abitur ist schon seit Längerem „in“. Doch vor allem akademisch selbst gebildete Eltern wollen ihre auf Grund des G8-Abiturs meist erst 17-jährigen Sprößlinge zunehmend nicht mehr bloß zum „Work and Travel“ nach Neuseeland oder Australien schicken, sondern dieses Lückenjahr, das seit Neuestem auch in Deutschland als „Gap Year“ bezeichnt wird (gap = dt. Lücke), sinnvoller gefüllt sehen.

Und so sprießen derzeit erstaunliche, weil von der großen Mehrheit der Eltern wohl kaum zu finanzierende „Gap Year“-Angebote aus dem Boden. Ein Schnupperstudium an der Londonder Richmond University kostet 22.000,- EUR pro Jahr inklusive Flug und Unterkunft, aber ohne Essen, Kleidung und Freizeitkosten. Das Salem Kolleg in Deutschland am Bodensee, das mit der Universität Konstanz kooperiert, ist mit 24.000,- EUR pro Jahr indes noch teurer. Die privater Jakobs University in Bremen kostet 23.000,- EUR – inklusive Unterkunft in einem Doppelzimmer und Verpflegung; hier können einige Leistungen gleich an das kommende Bachelorstudium angerechnet werden. Die TU München bietet ein zweisemestriges „Studium Naturale“ zwar nur zum Preis der üblichen Studienbeiträge an. Hier können Studenten in zwei Semestern in säntliche naturwissenschaftlichen und technischen Fächer hineinschnuppern. Doch dieses Angebot ist irritierenderweise nur deshalb fast kostenlos, weil es von zwei großen Stiftungen gefördert wird.

Die Eltern und Großeltern heutiger Studenten nannten dieses „Gap Year“ „Studium Generale“. Man ging an die Hochschule und nahm sich nicht selten zwei Semester Zeit, um eben dies und das anzustudieren. Das gehörte noch vor nicht allzu langer Zeit fast zu guten Ton.

Tipp von Ghostwriter.nu an Studienanfänger:
Machen Sie es genauso wie Ihre Eltern und Großeltern, wenn Sie noch nicht hinreichend sicher sind, was Sie studieren möchten! Schreiben Sie sich in irgendein Fach ein und studieren Sie dann, was Sie wollen. Gehen Sie einfach zu den Veranstaltungen, die Sie interessieren. Und wenn Sie vom Bafög abhängig sind, dann können Sie nach maximal zwei Semester ein Mal das Studienfach wechseln, ohne Ihre Bafög-Ansprüche zu verlieren. Beachten Sie hierbei aber unbedingt: Ein Studiengangswechsel später als nach zwei Semestern oder ein zweiter Studiengangwechsel katapultiert Sie vollkommen aus jeglicher staatlicher Unterstützung! Halten Sie die zwei Semester „Studium Generale“ oder lediglich einen einmaligen Studiengangswechsel nicht ein, verlieren Sie Ihre Bafög-Ansprüche vollständig, erhalten keine Arbeitslosenunterstützung (nicht einmal Hartz IV !), weil Sie studieren und dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen und auch keine Ausbildungsbeihilfe, weil Sie eben studieren und keine duale Berufsausbildung machen. Das Einzige, was in Ihnen in einem solchen Fall zustehen würde, wären eventuell ein paar Euro Wohngeld. Erkundigen Sie sich vor einem solchen Schritt unbedingt ganz genau bei Ihrem Bafög-Amt über die jeweils aktuellen Regelungen bezüglich eines Studiengangwechels. Die Bafög-Regeln können sich jederzeit ändern!

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Vor allem Gymnasiasten engagieren sich angeblich außerschulisch mehr als früher trotz G8-Abitur

Eine Studie des Insituts für Wirtschaftsfoschung (DIW) zeigte kürzlich auf, dass vor allem 16- und 17-jährige Gymnasiasten trotz G8-Abitur angeblich mehr außerschulisches Engagement als frühere Generationen an den Tag legen wie Vereinssport machen, ein Ehrenamt ausüben oder ein Musikinstrument erlernen. Waren es vor 10 Jahren noch 48 Prozent aller 16- und 17-Jährigen , die derlei außerschulische Tätigkeiten ausübten, waren es 2012 angeblich schon 60 Prozent. Die DIW-Forscher werteten hierbei die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus, einer jährlichen repräsentativen Umfrage vo mehr als 12.000 deutschen Haushalten.

Auch ein immer wieder vorgetragenes Ergebnis dieser Untersuchung und damit mitttlerweile schon seit Längerem ein „alter Zopf“: Je gebildeter und/oder reicher die Eltern und deren Lebensumfeld sind, desto außerschulisch engagierter sind ihre Kinder. 80 Prozent aller Jugendlichen aus dem oberen Einkommensbereich, aber nur 48 Prozent aus dem unteren Einkommensbereich gehen „bildungsorientierten“ Freizeitangeboten nach. Interessant hierbei: Den relativ gesehen größten Einfluss auf außerschulische Aktivitäten von Jugendlichen übt der Bildungsstand der Mutter aus.

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