Unbesetzte Numerus-clausus-Studienplätze

In den letzten Ghostwriter.nu-News wurden die Schwierigkeiten der privaten Hochschulen und Business-Schools dargestellt. Heute sind die staatlichen Hochschulen dran – am Beispiel des Landes Berlin. Sie bekommen ihre Numerus-clausus-Studienplätze nicht voll und müssen auch ansonsten etwas jonglierend wirtschaften.

Mehr als sieben Studienbewerber kamen an den staatlichen Berliner Universitäten und Fachhochschulen im Wintersemester 2013/2014 auf einen Numerus-clausus-Studienplatz. Trotzdem konnten von den in diesem Zeitraum 114.000 Bewerbern jeder 20. sein gewünschtes Numerus-clausus-Studium nicht antreten. 5 % der Numerus-clausus-Studienplätze wurden im Wintersemester 2013/2014 also allein in Berlin trotz des enormen Ansturms nicht besetzt. Anderswo dürfte das ähnlich sein. Woran liegt’s?

Zunächst liegt es ganz offensichtlich an den zahlreichen Mehrfachbewerbungen. Viele Studenten bewerben sich an mehreren Hochschulen im gesamten Bundesgebiet gleichzeitig, um ihre gewünschtes Studium mit Numerus clausus trotz womöglich schlechterer Abiturnoten an irgend einer Hochschule doch zu bekommen. Die Berliner Wissenschaftsverwaltung geht daher davon aus, dass schon eine Auslastung von 95 % der Hochschulen letztlich eine Vollbelegung darstellt.

Hinzu kommt natürlich auch, dass das bundesweite Bewerbungsportal Hochschulstart.de seit Jahr und Tag die Bewerbungen vor allem um Numerus-clausus-Studienplätze bis auf die letzte Person genau organisieren und kanalisieren soll, bisher aber gar nicht funktioniert, und dies soll noch bis zum Jahr 2017/2018 so sein. Das erinnert etwas an den Berliner Flughafen BER, der nach Jahren jetzt angeblich auch 2017 in Betrieb gehen soll.

Interessant sind aufgrund der offensichtlichen Unmöglichkeit der Hochschulen, ihre angebotenen Numerus-clausus-Studienplätze tatsächlich bis auf die letzte Person zu besetzen, dann die Alternativhandlungen dieser Hochschulen. Den Hochschulen bekommen für jeden besetzten Studienplatz bares Geld, und jeder leere Studienplatz ist damit bares verlorenes Geld für diese Hochschulen. Darüber hinaus müssen Hochschulen Halteverpflichtungen erfüllen, d.h. eine Studienanfängermindestzahl pro Jahr erfüllen, sonst gibt es Abzüge bei den Zuschüssen, aus Sicht der Hochschulen also Strafzahlungen. Jeder nicht besetzte Numerus-clausus-Studienplatz ist also nicht nur verlorenes Geld, sondern potenziell sogar ein Zuschussgeschäft für die Hochschulen.

Bei dieser Halteverpflichtung werden indes Fachwechsler und Hochschulwechsler nicht als neue Studenten gezählt. Das ist bei Fachwechlern noch einleuchtend, bei Hochschulwechslern, also Studenten, die von anderen Hochschulen kommen, indes eher unverständlich. Deshalb muss die Freie Universität Berlin nach eigenen Angaben 1,5 Studierende immatrikulierten, um für einen Studenten das erwartete Geld vom Staat bekommen zu können.

Um die Gesamtrechnung auf Grund der Unmöglichkeit, wertvolle Numerus-clausus-Studienplätze bis auf die letzte Person zu besetzen, und auf Grund dieses Umstandes mit der Halteverpflichtung so wenig schlecht wie möglich zu machen, haben die drei großen Berliner

Universitäten ein Jahr später, zum Wintersemester 2014/2015 die Numerus-clausus-freien Fächer deshalb fast verdoppelt von 37 im Jahr 2013/2014auf 51 Fächer in dem gerade laufenden Wintersemester. Die Technische Universität Berlin bietet ein Viertel ihre Bachelorstudiengänge mittlerweile Numerus-clausus-frei an. An der Freien Universität Berlin können immer mehr Orchideenfächer Numerus-clausus-frei studiert werden.

Heraus aus dieser Gesamtsituation ragt die Freie Universität mit 401 nicht besetzten Numerus-clausus-Studienplätzen im grundständigen Bachelor-Studium und der eigenen Aussage, sie habe in letzter Zeit Geld verloren; wieviel, sagt die Freie Universität indes nicht. Zum Vergleich: die Universität den nächsthöchsten leeren Numerus-clausus-Studienplätzen ist die Technische Universität Berlin mit 95 unbesetzten Studienplätzen gefolgt von der Humboldt-Universität mit 80 unbesetzten Numerus-clausus-Studienplätzen. Doch auch an der relativ kleinen Beuth-Hochschule gab es 71 unbesetzte Numerus-clausus-Studienplätze und selbst an der ebenfalls nicht allzu großen Hochschule für Wirtschaft und Recht, einer Fachhochschule, immerhin noch 50 unbesetzte Numerus-clausus-Studienplätze.

Die Freie Universität Berlin ragt auch in Sachen Sprach- und Kulturwissenschaften in dieser Hinsich heraus: 292 der 401 unbesetzten Numerus-clausus-Studienplätze oder praktisch 75 % betreffen Studienplätze der Sprach-und Kulturwissenschaften. An der Technischen Universität Berlin sind 49 Numerus-clausus-Studienplätze in den Ingenieurwissenschaften unbesetzt geblieben und 40 Studienplätze in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften.

Ja, das Betreiben einer Hochschule ist nicht leicht.

Weiterführende Links zum Thema Hochschul-Management
Ghostwriter.nu: Insolvente Business Schools? Ghostwriter.nu-News vom 07.01.2015.