Überraschend wenige Studenten ohne Abitur

Nur 2,5 Prozent aller Erstsemester im Jahr 2012 hatten weder Abitur noch Fachhochschulreife. Das ist angesichts der gewünschten Durchlässigkeit des Bildungs- und Weiterbildungssystems überraschend.

Ein Studium ohne Abitur oder selbst Fachhochschulreife ist in Deutschland shcon seit einigen Jahren möglich. Dennoch studierten 2012 nur 2,5 aller Erstsemester ohne diese Hochschulzugangsberechtigungen. Das ist gegenüber 2010 auch noch ein großer Fortschritt.

Die regionalen Unterschiede sind hierbei groß. Studieren in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin jeweils etwa 3,5 Prozent aller Erstsemester ohne Abitur oder Fachhochschulreife, sind es in in Baden-Württemberg, Bremen, dem Saarland und Sachsen unter 1 Prozent.

Ein einsamer Ausreißer und damit auch Hinweis auf die Gründe dieser überraschenden Situation ist die Fernuniversität in Hagen. Hier studieren mehr als die Hälfte aller Studenten ohne Abitur oder Fachhochschulreife.

Als Hauptgrund für diese Situation sieht der Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) Frank Ziegele zu wenig flexible Studienangebote. Insbesondere Studiengänge mit einem hohen Anteil an Präsenzzeiten werden als erster Hinderungsgrund für eine umfassendere Inanspruchnahme angesehen. Studierende ohne Abitur oder Fachhochschulreife haben praktisch immer bereits eine Berufsausbildung mit einigen Praxisjahren hinter sich, sind älter als Studiernde mit Abitur oder Fachhochschulreife und oft familiär gebunden. „Klassische“ Studiengänge fallen damit für viele dieser Berufstätigen praktisch aus.

Beruflich qualifizierte Studenten gehen auch viel lieber an Fachhochschulen als an Universitäten. Offensichtlich werden die mehr praxisorientierten Fachhochschulen von diesen Studenten als für sie weiterbildungsgeeigneter wahrgenommen.

Und auch die Fächerbelegung beruflich qualifizierter Studenten ist interessant. 45 Prozent studieren Rechts-, Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften und nur 25 Prozent technische Fächer. Unter allen Studenten wählten laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2012/2013 hingegen 40 Prozent die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften, Technik).

Quelle und Weiterführendes:
Duong, Cindy / Püttmann, Vitus: Studieren ohne Abitur. Stillstand oder Fortentwicklung? Eine Analyse der aktuellen Rahmenbedingungen und Daten. Arbeitspapier 177, März 2014. Hrsg. v. Centrum für Hochschulentwicklung CHE.