Studentenboom und Promotionsdegradierung

Es gibt so viele Studenten wie noch nie. – Die forschungsorientierte Promotion soll fallen.

Es gibt aktuell so viele Studierende wie noch nie. Knapp 2,7 Millionen junge Menschen studieren derzeit an deutschen Hochschulen. Das sind knapp 82.000 Studenten mehr als vergangenes Wintersemester oder ein Plus von 3,1 %. Seit sieben Jahren steigt die Gesamtstundenanzahl damit. Im Jahr 2008/2009 waren nur knapp 2 Millionen Studenten an den deutschen Hochschulen eingeschrieben. Besonders stark war der Andrang in Niedersachsen mit einem Plus von 8,5 %, gefolgt von Hessen mit einem Plus von 4,5 % und Berlin mit einem Plus von 3,2 %, jeweils verglichen mit dem Jahr zuvor. In den ostdeutschen Bundesländern ist die Zahl der Studenten hingegen etwas gesunken.

Den größten Anstieg verzeichneten die Fachhochschulen mit einem Plus von 5,6 %. An den Universitäten wurde lediglich eine Steigerung von 1,9 % festgestellt.

Allerdings gab es bei den Studienanfängern im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Rückgang von knapp 2 %. Während die Studienanfängerzahlen im Saarland, in Niedersachsen und in Sachsen als auch in Berlin anstiegen, fielen sie im Vergleich zum Vorjahr in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern überdurchschnittlich stark. Insgesamt kamen deutschlandweit 10.000 Erstsemester weniger an die Hochschule wie ein Jahr zuvor.

Diese Steigerung der Studentenzahl ist ganz offensichtlich der Tatsache geschuldet, dass viele Menschen den Eindruck haben, nur durch eine höhere Bildung sei der immer dynamischer und komplexer werdenden Welt am besten zu begegnen. Hierbei scheinen sich die Mehrzahl der Studenten offensichtlich trotzdem tendenziell zu mehr Praxis-und Anwendungsbezug zu entscheiden, indem sie Fachhochschulen Universitäten vorziehen.

Einen solchen Praxis-und Anwendungsbezug hält offensichtlich auch die EU-Kommission für erstrebenswert. Schon im Jahr 2003 hatten die europäischen Bildungsminister beschlossen, die Promotion lediglich als den letzten von drei Teilen des Bologna-Pozesses anzusehen. Seither ist geplant, innerhalb der EU Lernziele für Doktoranden zu beschreiben und letztlich vorzuschreiben. Leistungspunkte sollen vergeben werden, und mit einem sogenannten „Diploma Supplement“ sollen die erworbenen

Teilkompetenzen von Promovierten beschrieben werden. Auch arbeitsmarktorientierte Zusatzqualifikationen sollen obligatorisch für eine Promotion werden. Die Promotion soll also im Rahmen des Bologna-Prozesses der dritte Zyklus nach dem Bachelor- und Masterstudium werden.

Dagegen hat sich nun ausdrücklich eine internationale Rektorenkonferenz aus den fünf europäischen Ländern Deutschland, Frankreich, Polen, Großbritannien und der Schweiz ausgesprochen. Sie plädiert vielmehr dafür, den bisherigen Standard der forschungsorientierten Promotion zu erhalten.

Man darf gespannt sein, wie es hier weitergeht.