Studenten wollen keinen Streß im Job

Die rela­ti­ve Mehr­heit aller Stu­den­ten will beim Staat beschäf­tigt sein, nicht in der Pri­vat­wirt­schaft. Frau­en wol­len dies noch stär­ker als Männer.

30 Pro­zent aller Stu­den­ten in Deutsch­land wol­len ihr Berufs­le­ben bei Vater Staat, sprich beim öffent­li­chen Dienst ver­brin­gen, nicht in der Pri­vat­wirt­schaft. Bei Män­nern sind es „nur“ 23 Pro­zent, bei Frau­en hin­ge­gen 36%. Erst auf dem zwei­ten Platz folgt die Wis­sen­schaft mit ins­ge­samt 19% (bei­de Geschlech­ter zusam­men), gefolgt von Kul­tur mit 17% – und dann erst kom­men Bran­chen aus der frei­en Wirt­schaft, und zwar kon­kret inner­halb der frei­en Wirt­schaft an ers­ter Stel­le die Unter­neh­mens­be­ra­tung und Wirt­schafts­prü­fung mit 15%. Die Auto­in­dus­trie liegt nur bei 14% und die IT-Bran­che gar nur bei 12%. Weit abge­schla­gen ist die Finanz­wirt­schaft mit 6% trotz teil­wei­se sehr guter Einstiegsgehälter. 

Die­ses Stim­mungs­bild erfrag­te die Unter­neh­mens­be­ra­tung EY, ehe­mals Ernst & Young, bei 4.300 Stu­den­ten ver­schie­dens­ter Fach­rich­tun­gen. Die betref­fen­de Stu­die ist noch unveröffentlicht.

Ein Drit­tel aller Stu­den­ten lehnt die Pri­vat­wirt­schaft als ihr künf­ti­ges Berufs­feld grund­sätz­lich ab. Nur 21% kön­nen sich einen Berufs­ein­stieg sowohl beim Staat als auch in der Pri­vat­wirt­schaft vor­stel­len. Und nur 47% aller Stu­den­ten wol­len auf jeden Fall nur in die Privatwirtschaft.

Die­ses Ergeb­nis wird dahin­ge­hend inter­pre­tiert, dass ein Job in der Pri­vat­wirt­schaft als zeit­auf­wän­dig, unsi­cher und als mit den pri­va­ten Bedürf­nis­sen nur als schwer ver­ein­bar asso­zi­iert wird. Dies schreckt ins­be­son­de­re den weib­li­chen Nach­wuchs ab. Als wich­tigs­te Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en für den Beruf nen­nen Stu­den­ten heu­te die Arbeits­platz­si­cher­heit (61%), ein 

gutes Gehalt (59%) und die Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fami­lie (57%). Kar­rie­re­chan­cen, selb­stän­di­ges Arbei­ten oder Inno­va­ti­ons­kraft des Unter­neh­mens sind nicht so wich­tig. Inter­es­sant auch bei die­ser Stu­die, wenn auch erwart­bar: Immer mehr aus­län­di­sche Stu­den­ten wol­len in Deutsch­land zwar stu­die­ren, immer mehr wol­len aber nach dem Abschluss Deutsch­land auch schnell wie­der ver­las­sen (60%), und zwar nach Mög­lich­keit in Rich­tung USA. Inter­pre­tiert wird die­se Ent­wick­lung mit der ablau­fen­den Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung, die aus­län­di­sche Stu­die­ren­de beson­ders unter Druck set­ze und ihnen auch kei­ne posi­ti­ve Erfah­rung ver­mitt­le, die ein Blei­ben in Deutsch­land fördere.

Quel­le:
Löhr, Julia: Deutsch­lands Stu­den­ten zieht es zu Vater Staat. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung von heu­te, den 02.07.2014, S. 26.