Staatlich finanzierte Forschung nur noch an Universitäten?

Das Gezer­re um staat­li­che Gel­der für die For­schung ist groß. Außer­uni­ver­si­tä­re For­schungs­ein­rich­tun­gen und die deut­schen Hoch­schu­len, ver­tre­ten durch den Deut­schen Hoch­schul­ver­band (DHV), ver­su­chen sich gegen­sei­tig das Was­ser abzugraben.

Durch­schnitt­lich 60 Stu­den­ten pro Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor, 2,7 Mio. Stu­den­ten im Jahr 2013/2014, die Not­wen­dig­keit von 6.500 zusätz­li­chen Pro­fes­so­ren … – mit die­sen Argu­men­ten ver­sucht der Prä­si­dent des Hoch­schul­ver­ban­des, Bern­hard Kem­pen, der­zeit sei­nen Vor­stoß zu begrün­den, dass staat­lich finan­zier­te For­schung vor allem an den Uni­ver­si­tä­ten statt­fin­den möge. Des­wei­te­ren soll­ten die Uni­ver­si­tä­ten in Zukunft allei­ni­ge Trä­ger des Pro­mo­ti­ons­rechts sein.

Dage­gen ste­hen die außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­in­sti­tu­te in Deutsch­land wie z. B. die Leib­niz-Gesell­schaft, die Helm­holtz-Gesell­schaft oder die Max-Planck-Gesell­schaft. Letz­te­re will jetzt selbst das Promotionsrecht.

Der Deut­sche Hoch­schul­ver­band möch­te gene­rell eine Vor­rang­stel­lung der Uni­ver­si­tä­ten in Sachen For­schung und der dazu­ge­hö­ri­gen staat­li­chen Gel­der errei­chen. Die Sche­re zwi­schen außer­uni­ver­si­tä­rer und uni­ver­si­tä­rer For­schung gehe wei­ter aus­ein­an­der zuun­guns­ten der Uni­ver­si­tä­ten, so der DHV wei­ter. Die Uni­ver­si­tä­ten sei­en jahr­zehn­te­lang unter­fi­nan­ziert worden.

Die­ses Gezer­re um staat­li­che Gel­der basiert tat­säch­lich auf einer Ungleich­be­hand­lung der Uni­ver­si­tä­ten, die in Art. 91b GG hin­ter­legt ist. Danach kann der Bund nur dann Vor­ha­ben der Wis­sen­schaft und For­schung an Hoch­schu­len för­dern, wenn alle Bun­des­län­der zustim­men. Und wann sind sich alle Bun­des­län­der schon ein­mal einig?

Die deut­schen Hoch­schu­len sind in der Tat chro­nisch unter­fi­nan­ziert, dies aller­dings schon seit Jahr­zehn­ten. Die­ser Geld­man­gel wirkt sich aller­dings zen­tral bei der Leh­re aus, nicht bei der For­schung. Weil viel zu wenig Geld in die Leh­re fließt, gibt es die Noten­in­fla­ti­on, die aktu­ell dis­ku­tiert wird. Alle Hoch­schul­leh­rer müs­sen end­lich so ange­stellt wer­den kön­nen, dass sie als Hoch­schul­leh­rer auch eine beruf­li­che Zukunft haben und ordent­lich bezahlt wer­den. Dann kön­nen sich die­se Hoch­schul­leh­rer end­lich auch ange­mes­sen um die

Leh­re küm­mern, nicht nur um sich selbst, d.h. um ihre Kar­rie­re. Inso­fern geht der jet­zi­ge Streit vor allem um For­schungs­gel­der in die fal­sche Rich­tung. Hoch­schu­len sol­len pri­mär für die aka­de­mi­sche Aus­bil­dung da sein, nicht für die For­schung. Hier­für gibt es eben auch die außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen. Die­se Auf­ga­ben­tren­nung soll­te deut­lich ver­tieft wer­den – durch geziel­te Steue­rung staat­li­cher Gel­der, die gege­be­nen­falls auch mit­tel­ge­bun­den sein sollten.

Inso­fern hat der Ver­fas­ser die­ses hier vor­lie­gen­den Bei­trag und aka­de­mi­scher Ghost­wri­ter seit über 20 Jah­ren kei­ner­lei Ver­ständ­nis für das Ansin­nen der Hoch­schu­len nach mehr For­schungs-Gel­dern.

Harald Bahner

Quel­len die­ser News:

Schmoll, Hei­ke: Hung­ri­ge Uni­ver­si­tä­ten. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 18.03.2013, S. 4

Grund­ge­setz: Art. 91b GG, gesetze-im-internet.de/gg/art_91b.html (Stand 22.03.2013)

Bahner, Harald: Noten­in­fla­ti­on setzt Stu­di­en­ab­sol­ven­ten und Arbeit­ge­ber unter Druck. In: Ghostwriter.nu News vom 20.03.2013, ghostwriter.nu/news/noteninflation-setzt-studienabsolventen-und-arbeitgeber-unter-druck/ (Stand 22.03.2013)