Sachsens Hochschulen – Deutschlandstipendium – Serbiens akademische Titel

Sachsens Hochschulen drohen im kommenden Semester aus allen Nähten zu platzen. – Das Deutschlandstipendium ist gescheitert. – Serbien ist voller falscher akademischer Würdenträger.

Sachsens Hochschulen drohen im kommenden Semester aus allen Nähten zu platzen

Der Studentenboom hält unvermindert an. Bereits jetzt schon verzeichnet die Universität Leipzig mit 43.000 Studienbewerbern einen neuen Bewerberrekord. Bei zulassungsfreien Studiengängen endet die Bewerbungsfrist meist erst in fünf Wochen, am 15.09.2014. Anders sieht es an anderen sächsischen Hochschulen auch nicht aus.

Dagegen stehen viel zu wenige Studienplätze, vor allem in den Numerus-clausus-Fächern. An der TU Dresden stehen 27.000 Bewerber von NC-Fächern 3.362 Studienplätze gegenüber, das ist ein Verhältnis von etwa 1:8. An der TU Chemnitz sind es ebenfalls acht Bewerber pro Studienplatz. An der Hochschule Mittweida ist das Verhältnis 1:7. An der Hochschule Zitttau/Görlitz gibt es für die Fächer Kommunikationspsychologie 23 Mal mehr Bewerber als Studienplätze, in Tourismusmanagement 18 Mal mehr und in den Sozialwissenschaften 12 Mal mehr.

Zumindest an der Universität Leipzig wollen vor allem junge Menschen aus dem Westen studieren, so die Erkenntnis der dortigen Hochschulleitung aktuell.

Quelle:
o.V.: Sächsische Zeitung / SZ-online.de vom 11.08.2014, http://www.sz-online.de/sachsen/run-auf-hochschulen-mehr-bewerbungen-als-plaetze-fuer-wintersemester-2902133.html

Das Deutschlandstipendium ist gescheitert.

Das Deutschlandstipendium ist drei Jahre nach seiner Einführung eine teure Fehlstellung, die kaum realisierbar ist. Zu diesem Schluss kommen die Hochschulen. Nur 0,76 Prozent aller Studenten erhalten heute dieses Stipendium bei einem Sollanteil von 1,5 Prozent. 8 Prozent sollten es ursprünglich werden. Daran glaubt mittlerweile selbst die Bundesregierung nicht mehr und hat im aktuellen Koalitionsvertrag klammheimlich nur noch eine Soll-Marge von 2 Prozent ausgegeben.

Als Hauptgrund für das Scheitern des Deutschlandstipendiums wird das verpflichtende Einwerben von 50 Prozent der jeweiligen Stipendiensumme von privaten Unternehmen und Personen angesehen. Das gelingt trotz hohen Aufwands der Hochschulen nicht, die sich an dem Programm für das Deutschlandstipendium beteiligen und dann für dieses Einwerben dieser zweiten Hälfte der Stipendiensumme verantwortlich sind. Es gibt keine Spendenkultur in Deutschland.

Das konkrete Resultat ist deshalb erschütternd. Die Universität Konstanz beispielsweise, eine der 10 Exzellenzuniversitäten, hatte im Jahr 2013 tatsächlich 25 Stipendiaten (in Worten: fünfundzwanzig!). An der Freien Universität Berlin, einer der größten Hochschulen Deutschlands, gab es 64 Stpendiaten. Dagegen stehen beispielsweise die Frankfurter Goethe-Universität mit 867 Stipendien oder die Universität Duisburg-Essen mit 527 Stipendiaten. In der gesamten Hochschullandschaft konnte sich das Deutschlandstipendien-Programm bisher jedoch nicht etablieren und wird sich wohl auch nicht mehr etablieren.

Und: Ca. 120 Hochschulen haben sich an diesem Stipendienprogramm von Anfang an gar nicht erst beteiligt.

Der Bundesrechnungshof hatte bereits im Januar 2014 den hohen Verwaltungsaufwand des Deutschlandstipendiums gerügt und überprüft jetzt das gesamte Stipendienprogramm.

Quelle:
Schmidt, Marion: Was am Ende übrig bleibt. In: Die Zeit vom 08.08.2014,l http://www.zeit.de/2014/31/deutschlandstipendium-flop

Serbien ist voller falscher akademischer Würdenträger.

In Serbien gibt niemanden mehr, der seinen Hochschulabschluss oder seine Promotion selbst erworben hat. Das zumindest ist der aktuelle Anschein. Wer Geld hat oder politische Macht, kauft sich sein Diplom oder seine Promotion. Das Pikante dabei: Die Hochschulen und vor allem Politiker in Serbien scheinen enge Seilschaften zu pflegen. Gibst Du mir einen Doktor, fördere ich Deine Hochschule, scheint der „Deal“ zu sein. Und alle Beteiligten scheinen sich darauf einzulassen.

So erfülle die Dissertation von Serbiens Innenminister und ehemals Parlamentspräsident Nebojsa Stefanovic nicht einmal die minimalsten Doktorarbeitskriterien. Sein Doktorvater Mica Jovanovic, Eigentümer und Rektor der größten privaten Universität in Serbien „Megatrend“, hatte 1983 an der Universität London seine Doktorarbeit verteidigt, doch die Londoner Universität vergibt gar keinen „Dr.“-Titel (wie im angloamerikanischen Raum üblich, dort heißt der Doktor Ph.D.). Fililalen besagter Universität in Österreich und Japan hatte es nie gegeben. Der Bürgermeister der Hauptstadt Belgrad, Sinisa Mali, lieferte mit seiner Dissertation ein Ein-Drittel-Vollplagiat ab. Der aus der Opposition stammende Bürgermeister von Neu-Belgrad, Aleksandar Sapic, soll das auch so gemacht haben. Staatspräsident Tomislav Nikolic hat ein Diplom an einer Fakultät erworben, die derlei überhaupt nicht ausstellen darf, und studierte vier Jahre lang so heimlich, dass sich niemand an der betreffenden Hochschule ihn erinnern kann.

Doch niemand in Serbien traut sich offenbar, diesem Gebahren und vor allem der offenbar engen Verquickung von Hochschulen und insbesondere Politikern auf den Grund zu gehen. So harren beispielsweise in Kragujevac südlich von Belgrad 23 Professoren einer juristischen Fakultät seit über fünf Jahren eines Gerichtsprozesses, in dem sie sich vor dem Verkauf von Prüfungen und ganzen Diplomen verantworten müssen. Die Angst, dass das Ausmaß dieser Betrügereien mit akademischen Titeln so groß ist, dass das ganze politische System Serbiens gefährdet wird, ist offenbar zu groß.

Quelle:
o. V.: Falsche Doktoren bringen in Serbien Politik und Bildung ins Wanken. In: Wirtschaftsblatt (Österreich) vom 08.08.2014, http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/europa_cee/3851857/Falsche-Doktoren-bringen-in-Serbien-Politik-und-Bildung-ins-Wanken

Alle Internetquellen von Stand 11.08.2014