Regionalwissenschaften oder Area Studies in der Krise

(Ghost­wri­ter.nu) Die Regio­nal­wis­sen­schaf­ten bzw. Area Stu­dies sind ein Para­de­bei­spiel für ein intern­dis­zi­pli­nä­res Fach­ge­biet. Sie kämp­fen eben des­halb jedoch mit fach­li­chen Abgren­zun­gen, Rück­be­sin­nung auf die jewei­li­gen Fach­ge­bie­te und Theo­rie- sowie Methodenmängeln.

Regio­nal­wis­sen­schaf­ten oder Area Stu­dies wol­len Wis­sen über Räu­me zur Ver­fü­gung stel­len. Das Pro­blem hier­bei: Das Wie und die Per­spek­ti­ven sind nicht klar. Ein Exper­te für wel­che aus­län­di­sche Lyrik auch immer, ein Ger­ma­nist oder ein Wirt­schafts­his­to­ri­ker über den Tibet kön­nen ganz ähn­li­che wis­sen­schaft­li­che Fra­ge­stel­lun­gen bear­bei­ten, die so regio­nal sein kön­nen wie die Frag­stel­lun­gen eines Regio­nal­wis­sen­schaft­lers. Regio­nal­wis­sen­schaft­ler erhe­ben den­noch den Anspruch, alle soeben exem­pla­risch genann­ten Fach­per­spek­ti­ven und noch vie­le ande­re mehr ver­ei­nen und gleich­zei­tig der Gebiets­ex­per­te für alles sein zu kön­nen, was nicht natio­nal­staat­lich, inter­na­tio­nal oder inter­dis­zi­pli­när, son­dern eben regio­nal ist – wobei sich die Fra­ge nach der Defi­ni­ti­on von „regio­nal“ stellt. Die Auto­ren und Ghost­wri­ter von Ghostwriter.nu kön­nen in allen bis­her genann­ten Fach­be­rei­chen helfen.

Auf­ge­kom­men ist die Dis­zi­plin der Regio­nal­wis­sen­schaf­ten mit der Glo­ba­li­sie­rung oder auch Inter­na­tio­na­li­sie­rung auch der Wis­sen­schaf­ten. Im Kal­ten Krieg bil­de­te sich die­se Wis­sen­schaft oft aus geo­stra­te­gi­schen Inter­es­se her­aus. Nach der Wen­de wur­den die loka­len Wur­zeln des Wis­sens betont und für die Ursa­chen welt­po­li­ti­scher Umbrü­che im Regio­na­len zu sen­si­bi­li­sie­ren ver­sucht. Was aber bedeu­tet das?

Ins­be­son­de­re die Phi­lo­lo­gen pro­tes­tier­ten schon rela­tiv früh wegen des in den 1990er Jah­ren erfolg­ten Auf­schwungs der Regio­nal­wis­sen­schaf­ten. Sie bemän­gel­ten, dass phi­lo­lo­gi­sche Kennt­nis durch Sam­mel­be­häl­ter irgend­wel­chen lan­des­kund­li­chen Wis­sens ohne kla­re Kon­tu­ren ersetzt wer­den sol­le. Die­ser als „kul­tu­rel­le“ Per­spek­ti­ve bezeich­ne­te Sicht­wei­se sei ohne Metho­de und wis­sen­schaft­lich kla­re Rich­tung bzw. Per­spek­ti­ve. Und in der Tat haben die Regio­nal­stu­di­en Pro­ble­me sich an die Fach­wis­sen­schaf­ten anzu­bin­den (nur wel­che?), die sie selbst als sys­te­ma­ti­sche Wis­sen­schaf­ten bezeichnen.

Aus die­sen skiz­zier­ten Grün­den war das Bad Hom­bur­ger Kol­leg Human­wis­sen­schaf­ten, von wo aus vor über 15 Jah­ren die Regio­nal­wis­sen­schaf­ten maß­geb­lich vor­an­ge­trie­ben wor­den waren, kürz­lich zu einer kri­ti­schen Selbst­prü­fung zusam­men­ge­kom­men. Neben den schon genann­ten Fach­be­rei­chen sind die Musik­wis­sen­schaf­ten und die Sino­lo­gie hin­zu­ge­kom­men, eben­so die Rechts­wis­sen­schaf­ten, wei­ter­hin nicht jedoch die Ökonomen.

Fach­ver­tre­ter sahen in die­ser Kon­fe­renz kaum Fort­schrit­te bei der metho­di­schen Schär­fung ihres Fach­be­reichs. Die Area Stu­dies sei­en wei­ter­hin ein loses Bün­del ohne gemein­sa­me Theo­rie. Viel­mehr hän­ge sich der Fach­be­reich selbst an den Theo­ri­en der diver­sen Fach­wis­sen­schaf­ten auf oder betrei­be nur rei­ne Empi­rie. Der ehe­ma­li­ge theo­re­ti­sche Fix­punkt, der Raum als fes­ten (sta­ti­schen) Bezugs­punkt der Kul­tur, habe bis­her nicht abge­löst wer­den kön­nen von dem geplan­ten theo­re­ti­schen Fix­punkt der kul­tu­rel­len Ver­flech­tun­gen, sprich der erwei­ter­ten, nicht­re­gio­na­len (und dyna­mi­schen) Sicht. Und die Völ­ker­recht­le­rin Isa­bell Feicht­ner muss­te den inter­na­tio­na­len, inter­dis­zi­pli­nä­ren und trans­na­tio­na­len Anspruch der Regio­nal­wis­sen­schaf­ten dahin­ge­hend rela­ti­vie­ren, als dass aus ihrer Sicht man­che Gegen­stän­de nur mit euro­zen­tri­schem Blick behan­delt wer­den könn­ten wie zum Bei­spiel die Dog­ma­tik des Völ­ker­rechts, die euro­pä­isch ver­wur­zelt sei.

Jen­seits die­ser Fach­pro­ble­me kön­nen sich die Regio­nal­stu­di­en über­ra­schen­der­wei­se vor Dritt­mit­teln jedoch kaum ret­ten. Hin­sicht­lich der Aus­bil­dung wird wei­ter dar­an fest­ge­hal­ten, einen fach­lich gut aus­ge­bil­de­ten Wis­sen­schaft­ler mit regio­na­ler Kom­pe­tenz zu haben. Sinn, Ziel und Inhalt eines Stu­di­ums der Regio­nal­wis­sen­schaf­ten ist es wei­ter­hin, meh­re­re Stu­di­en­gän­ge mit Dop­pel­pro­fil zu absol­vie­ren. Die Fra­ge nach der Nische in Form von Pro­jek­ten und Zen­tren oder ein nähe­res Her­an­rü­cken an die jewei­li­gen Fach­dis­zi­pli­nen bleibt indes wei­ter­hin unbe­ant­wor­tet. Dies liegt auch dar­an, dass die ein­zel­nen Fach­be­rei­che, aus denen sich die Regio­nal­wis­sen­schaf­ten zusam­men­set­zen, in unter­schied­li­chem Maße zu einer inter­na­tio­na­len Öff­nung gewillt sind – abge­se­hen ein­mal davon, ob mit einer sol­chen Öff­nung die Fach­be­zeich­nung „Regio­nal­wis­sen­schaf­ten“ oder „Area Stu­dies“ noch gerecht­fer­tigt wäre. So kön­nen Rechts­wis­sen­schaft­ler zwar über inter­na­tio­na­le Pro­jek­te finan­ziert wer­den, wenn sie sich z.B. dem Trans­na­tio­na­len ver­schrie­ben haben, doch durch die star­ke dog­ma­ti­sche Aus­rich­tung und den Voll­stän­dig­keits­an­spruch des Staats­ex­amens blei­ben die rechts­wis­sen­schaft­li­chen Fach­ver­tre­ter unfle­xi­bel; sie kön­nen eben wegen ihrer inter­na­tio­na­len Aus­rich­tung kaum eine Hoch­schul­kar­rie­re ihres eige­nen Fach erfolg­reich machen; sie lan­den im eige­nen Land an der fach­li­chen Peri­phe­rie. Der ehe­ma­li­ge Uni­ver­si­täts­prä­si­dent in Frank­furt am Main, Rudolf Stein­berg, sieht dar­in ein ernst­haf­tes Pro­blem der Rechts­wis­sen­schaf­ten; die deut­schen Rechts­wis­sen­schaf­ten wür­den sich in inter­na­tio­na­ler Per­spek­ti­ve am Rand der inter­na­tio­na­len rechts­wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­si­on befin­den. Aus besag­ter Pro­ble­ma­tik für Rechts­wis­sen­schaft­ler beschäf­ti­gen sich in den Area Stu­dies des­halb eben nicht Rechts­wis­sen­schaft­ler mit juris­ti­schen The­men, son­dern vor allem Nicht­ju­ris­ten, die mit die­ser Fach-Tätig­keit inner­halb der Regio­nal­wis­sen­schaf­ten kei­ne juris­ti­sche Kar­rie­re im eige­nen Land“ ver­gei­gen“ können.

Die Musik­wis­sen­schaft war­tet im trans­na­tio­na­len Kon­text auf als Musik­eth­no­lo­gie und ist im Fach­rah­men der Regio­nal­wis­sen­schaf­ten mar­gi­nal. Die Kunst­ge­schich­te ver­sucht sich trans­na­tio­nal und inter­na­tio­nal auf­zu­stel­len, ist im Rah­men der Regio­nal­wis­sen­schaf­ten aber insti­tu­tio­nell noch schwach besetzt. Die stärks­te Ent­wick­lung ver­zeich­net die Sino­lo­gie, was ange­sichts des kul­tu­rel­len und wirt­schaft­li­chen Auf­stiegs Chi­nas der letz­ten 15 Jah­re nicht son­der­lich wun­dert. Die Sino­lo­gie begreift sich jedoch bis heu­te mehr als Phi­lo­lo­gie denn als Regionalwissenschaft.

Ins­ge­samt ist unter den Fach­ver­tre­tern der Regio­nal­wis­sen­schaf­ten oder Area Stu­dies auch nicht klar, inwie­weit die Sozi­al­wis­sen­schaf­ten sich dem Kul­tu­ra­lis­mus, d.h. der Beto­nung des Kul­tu­rel­len gegen­über ande­ren gesell­schaft­li­chen Fak­to­ren, geöff­net haben. In der Sozio­lo­gie domi­niert hin­sicht­lich des Kul­tu­ra­lis­mus eine poli­tik­na­he Aus­rich­tung, die von den Regio­nal­wis­sen­schaft­lern auch nicht abge­lehnt wird, d.h. der Abhän­gig­keits­kreis­lauf ‚Kul­tur macht Poli­tik macht Gesell­schaft macht Kul­tur‘ wird mehr­heit­lich nicht in Abre­de gestellt. Anders sieht es aus mit dem kul­tu­rel­len Fun­da­men­ta­lis­mus. Die­ser über­be­tont das Kul­tu­rel­le gegen­über allem ande­ren Gesell­schaft­li­chen (die „Ein­bahn­stra­ße“ ‚Kul­tur macht Gesell­schaft‘), und wird im Fach­be­reich der Area Stu­dies weit­ge­hend abge­lehnt. Denn nach Auf­fas­sung der Mehr­heit der Fach­ver­tre­ter geht eine sozia­le Dif­fe­ren­zie­rung der kul­tu­rel­len Dif­fe­ren­zie­rung vor­aus, d.h. eine Über­be­to­nung des Kul­tu­rel­len als maß­geb­lich gesell­schafts­bil­den­den Fak­to­ren ver­kehrt oder ver­zerrt die Wirklichkeit.

Trotz des dif­fu­sen Bil­des, dass die Regio­nal­wis­sen­schaf­ten abge­ben, schie­ßen Regio­nal­in­sti­tu­te im Aus­land wie Pil­ze aus dem Boden, wenn auch, wie bis­her schon beschrie­ben, in sehr unter­schied­li­chen Aus­rich­tun­gen. Die Sozi­al­wis­sen­schaf­ten schei­nen bei sich selbst blei­ben zu wol­len, d.h. ihr Fach­an­teil inner­halb der Regio­nal­wis­sen­schaf­ten nimmt eher ab oder sta­gniert, wäh­rend und die Geschichts­wis­sen­schaf­ten inner­halb der Regio­nal­wis­sen­schaf­ten zuneh­mend grö­ßer werden.

Die jewei­li­gen Fach-Auto­ren und Ghost­wri­ter von Ghostwriter.nu unter­stüt­zen in allen genann­ten Fach­be­rei­chen kom­pe­tent und hoch qualifiziert.