Regelstudienzeit ist nicht die Regel

Mehr als die Hälf­te aller Stu­den­ten hält die Regel­stu­di­en­zeit nicht ein. Die Spit­ze bil­den Sport- und Philosophiestudenten.

Nur 39 Pro­zent aller Stu­den­ten erwer­ben ihren Hoch­schul­ab­schulss inner­halb der Regel­stu­di­en­zeit. Das hat das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt vor eini­gen Tagen mit­ge­teilt (Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt 2014). Wei­te­re 35 Pro­zent schaf­fen ihren Hoch­schul­ab­schluss nach zwei zusätz­li­chen Semestern.

Die Fächer­un­ter­schie­de sind dabei erheb­lich. Knapp zwei von drei Human­me­di­zi­nern (genau 60,5 Pro­zent) schaf­fen ihr Stu­di­um in der Regel­stu­di­en­zeit, gefolgt von knapp jedem zwei­ten Erzie­hungs­wis­sen­schaft­lern und Psy­cho­lo­gen (48 Pro­zent). Dem gegen­über bil­den die Ger­ma­nis­ten mit 27 Pro­zent (etwa jeder Vier­te), vor allem aber über­ra­schen­der Wei­se die Sport­wis­sen­schaft­ler mit 23,9 Pro­zent (auch etwa jeder Vier­te) die Schlusslichter.

In der Regel­stu­di­en­zeit plus zwei zusätz­li­che Semes­ter schaf­fen knapp 99 Pro­zent aller Ver­wal­tungs­wis­sen­schaft­ler ihr Stu­di­um, aber nur zwei von drei Ger­ma­nis­ten (genau 68,5 Pro­zent), und das Schluss­licht bil­den hier die Juris­ten mit fast den­sel­ben Ergeb­nis­sen wie die Ger­ma­nis­ten (67,3 Prozent).

Die­se Ergeb­nis­se sind inso­fern inter­es­sant, als dass kaum ein ande­rer Schluss als die­ser mög­lich ist: Fast zwei von drei Stu­den­ten (ca. 61 Pro­zent, sie­he ein­gangs) neh­men sich min­des­tens genau die zwei Semes­ter zusätz­lich, die durch den Bolo­gna-Pro­zess (Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­ge) eigent­lich ein­ge­spart wer­den soll­ten. Aus in der Regel sechs Semes­tern Bache­lor­stu­di­um wird fak­tisch die Regel acht Semes­ter Bache­lor­stu­di­um. Das ent­spricht exakt der übli­chen Stu­di­en­dau­er der frü­he­ren Diplom­stu­di­en­gän­ge und Magisterstudiengänge.

Dabei hat das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt einen Gut­teil aller Stu­den­ten gar nicht erfasst, näm­lich alle die­je­ni­gen, die nach ihrem Bache­lor­stu­di­um unab­hän­gig von des­sen Dau­er naht­los in ein Mas­ter­stu­di­um über­ge­hen – wohl, weil sie das Gefühl haben, nach der Regel­stu­di­en­zeit von sechs Semes­tern nicht genug stu­diert zu haben.

Es zeich­net sich damit ab, dass kein Vor­gang, auch kein büro­kra­ti­scher, eine Tat­sa­che beein­flus­sen oder gar aus der Welt schaf­fen kann: Wis­sen braucht Zeit. Wie­viel Zeit, das war, ist und bleibt so indi­vi­du­ell wie Wis­sen viel­fäl­tig ist.

Quel­len:
o. V. (2014): Die Regel der Stu­di­en­zeit. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung von heu­te, den 12.02.2014, S. N 5 (For­schung und Lehre).
Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt (2014): Knapp 40 % der Hoch­schul­ab­schlüs­se 2012 in der Regel­stu­di­en­zeit. Pres­se­mit­tei­lung Nr. 037 vom 03.02.2014, https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/02/PD14_037_213.html (Stand 12.02.2014)