Plagiatssoftware taugt nichts

Das ist wieder einmal das wiederholte Fazit der Informatik-Professorin Debora Weber-Wulff.

Plagiatssoftware taugt nicht für die Wissenschaft. Das ist das wiederholte Fazit der Informatik-Professorin Debora Weber-Wulff von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft in einem kürzlich gehaltenen Vortrag. Software aus dem anglo-amerikanischen Raum käme schon oft mit Umlauten nicht zurecht. Korrekte wörtliche Zitate würden als Plagiate eingestuft, weil die Anführungszeichen im anglo-amerikanischen Raum anders aussehen als im deutschen Wissenschaftsbetrieb. Auch Umformulierungen von Originaltextstellen würden von der aktuellen Plagiatssoftware kaum entdeckt. Übersetzungen von einer in die andere Sprache könnten von dieser Plagiatssoftware nach wie vor überhaupt nicht beurteilt werden. Dasselbe gelte für sogenannte „Strukturplagiate“, d. h. dem „Abkupfern“ des Aufbaus und der Argumentationsabfolge der eigenen Arbeit gemäß einer bestehenden Quelle.

Demgegenüber springe die aktuelle Plagiatssoftware auf der Suche nach bloßen Kopien selbst bei gängigen Wortfolgen an. So lautet das erste Plagiat in Guttenbergs Dissertation „Die rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth“. Danach findet jede Plagiatssoftware nur noch 5 Prozent Plagiat der gesamten Dissertation Guttenbergs, während es in Wirklichkeit 95 Prozent gewesen seien.

Ein anderes Beispiel, das Frau Prof. Weber-Wulff aufführt, ist eine Dissertationsschrift der Humboldt-Universität, in der eine Passage korrekt zitiert wurde, allerdings aus der Zeitschrift „Super-Illu“; die Dissertation bestand trotzdem. Frau Prof. Weber-Wulff plädiert deshalb dafür, die Sinne und den Verstand des Prüfers als „Plagiatssoftware“ zu nutzen, nicht computergestützte Plagiatssoftware.

Desweiteren schlägt Frau Prof. Weber-Wulff vor, ein Jahr universitäre Grundausbildung einem jeden Studium vorzuschalten. Letztlich ist das nichts anderes als das „Studium generale“, das unsere Eltern und Großeltern noch als normalen Studienbeginn erlebten. Grund für diesen Vorschlag ist, dass auch Frau Prof. Weber-Wulff

der Auffassung ist, dass Abiturienten heutzutage die tatsächliche Hochschulreife nicht mehr erlangten, um in Hochschulen tatsächlich starten zu können.

Ein Hochschullehrer aus dem Publikum dieses Vortrags klagte, 60 Prozent allein der Hausarbeiten der Erstsemester enthalte Plagiate.

Der Verfasser dieses hier vorliegenden Beitrags hatte schon vor Jahren die Untauglichkeit jeglicher Plagiatssoftware dargestellt, ebenso wie er das sinkende Bildungsniveau sowohl an Gymnasien als auch an Hochschulen im Rahmen des Bachelor-Studiengangs fortlaufend thematisiert, das mittlerweile auch akademischen Ghostwritern das Leben schwerer macht.

Harald Bahner

Quellen dieser News u.a.:

Ghostwriter.nu: Aktuelles zur akademischen Ghostwriter-Branche vor 2014 , Abschnitt „Plagiate und Plagiatskontrolle“

Ghostwriter.nu: „Plagiat-Software und andere Mondkühe“, News vom 03.12.2012