Selbstplagiat“ ist auch Plagiat?

Der All­ge­mei­ne Fakul­tä­ten­tag (AFT), die Fakul­tä­ten­ta­ge und der Deut­sche Hoch­schul­ver­band (DHV) haben vor vier Tagen für alle Wis­sen­schafts­dis­zi­pli­nen gel­ten­de Grund­sät­ze guter wis­sen­schaft­li­cher Pra­xis für das Ver­fas­sen wis­sen­schaft­li­cher Qua­li­fi­ka­ti­ons­ar­bei­ten – Bache­lor­ar­beit, Mas­ter­ar­beit, Dis­ser­ta­ti­on und Habi­li­ta­ti­ons­schrift – vor­ge­legt. So weit, so rich­tig. Dar­in ent­hal­ten ist aller­dings ein Pas­sus über das so genann­te „Selbst­pla­gi­at“, das an Absur­di­tät nicht zu über­bie­ten ist und die Pla­gi­ats-Hys­te­rie unse­rer heu­ti­gen Tage in beson­de­rem Maße ver­deut­licht. Auch das „Selbst­pla­gi­at“, so die­se Grund­sät­ze, d.h. die Über­nah­me eige­ner Arbei­ten und Tex­te, lau­fe den Regeln guter wis­sen­schaft­li­cher Pra­xis zuwi­der, wenn die­se Über­nah­me in einer Qua­li­fi­ka­ti­ons­ar­beit nicht belegt werde.
(Quel­le: http://www.hochschulverband.de/cms1/pressemitteilung+M57957527988.html).

Alle Kory­phä­en der asso­zia­ti­ven Wis­sen­schaf­ten – hier ins­be­son­de­re Phi­lo­so­phie oder Sozio­lo­gie – sind also Pla­gia­teu­re??? Imma­nu­el Kant, des­sen Gesamt­werk bald ein gan­zes Bücher­re­gal ein­nimmt, und der tau­sen­de von Male auf sei­ne eige­nen Gedan­ken zurück griff, dar­auf auf­bau­te, sie wie­der­hol­te, ohne die erst­ma­li­ge Erwäh­nung eines eige­nen bestimm­ten Gedan­kens in einer Fuß­no­te mit Quel­l­an­ga­be und Sei­ten­zahl zu „bele­gen“? Der Sozio­lo­ge Max Weber? Karl Marx? …

Die­se Ent­wick­lung angeb­lich wis­sen­schaft­li­cher „Grund­sät­ze“ und „Stan­dards“ geht über alle Maßen hin­aus und kann nur noch als gro­tesk bezeich­net wer­den. Die­se – im Übri­gen an die­ser Stel­le völ­lig unwis­sen­schaft­li­chen – Eife­rer, die der­lei geäu­ßert haben, gra­ben den asso­zia­ti­ven Wis­sen­schaf­ten so das Grab.

Der­lei Ent­wick­lun­gen kön­nen von allen Men­schen, die sich in den (asso­zia­ti­ven) Wis­sen­schaf­ten zu Hau­se füh­len, in kei­ner Wei­se hin­ge­nom­men werden.