Plagiat-Software und andere Mondkühe

Die mitt­ler­wei­le zahl­rei­chen Ange­bo­te soft­ware­ge­stütz­ter „Pla­gi­ats­kon­trol­le“ von diver­sen wis­sen­schaft­li­chen Ghost­wri­ter­agen­tu­ren, angeb­lich „seri­ös“ und teil­wei­se gar mit einem betriebs­ei­ge­nen Pro­gramm durch­ge­führt, sind hoch irre­füh­rend. Es gibt kei­ne wirk­sa­me Plagiatskontroll-Software!

Seit gerau­mer Zeit gibt es unter http://www.ghostwriter.nu/ghostwriting/akademische-ghostwriter-branche-aktuell/vor-2014/ ein Kapi­tel „Pla­gia­te und Pla­gi­ats­kon­trol­le“, das auf das The­ma Pla­gi­at, Pla­gi­ats­kon­trol­le und Pla­gi­ats­soft­ware umfas­send und der­zeit abschlie­ßend ein­geht. Die­se Sach­ver­hal­te wer­den offen­bar nicht mehr oder nicht aus­rei­chend zur Kennt­nis genom­men. Des­halb sei­en sie hier noch ein­mal aus­zugs­wei­se als News wiederholt.

Pla­gi­ats­soft­ware ist eine Schi­mä­re und war es immer schon. Frau Prof. Dr. Debo­ra Weber-Wulff von der HTW Ber­lin (frü­her FHTW Ber­lin) warb jah­re­lang trotz bes­se­ren Wis­sens für der­lei erhält­li­che Pla­gi­ats­soft­ware in der Öffent­lich­keit. Im Früh­jahr 2010 end­lich ver­öf­fent­lich­te sie ihre dies­be­züg­li­chen, ihr damals bereits schon seit 2004 bekann­ten, Kennt­nis­se nach dem Wis­sen von Ghost­wri­ter.nu zum ers­ten Mal und stell­te fest: „Damals wie heu­te sind die Ergeb­nis­se ernüch­ternd.“ Von 26 getes­te­ten Pla­gi­ats-Pro­gram­men waren zwölf „nutz­los“, neun „kaum brauch­bar“ und fünf „teil­wei­se nütz­lich“. „Teil­wei­se nütz­lich“, die bes­te Test­ka­te­go­rie, bedeu­te­te in die­sen Tests aus 2010 die Schul­no­te 3,3. Mit einer sol­chen Note möch­ten sicher­lich die Wenigs­ten ihre Aus­bil­dung been­den, wel­che auch immer. Die­se Ergeb­nis­se aus 2004 bis 2010 stim­men mit den umfang­rei­chen Pla­gi­ats­soft­ware-Tests von Ghostwriter.nu von vor bereits vie­len Jah­ren voll­kom­men überein.

Pla­gi­ats­soft­ware ist nur so gut wie die Per­so­nen, die die­se Pro­gram­me pfle­gen. Denn Pla­gi­ats­soft­ware ist Ver­gleichs­soft­ware: Sie ver­gleicht hin­ter­leg­te Tex­te mit neu­en Tex­ten. Nur: Woher soll ein ein­zel­ner der Pla­gi­ats­soft­ware-Her­stel­ler und selbst eine ein­zel­ne Hoch­schu­le, die die jewei­li­ge Pla­gi­ats­soft­ware selbst betreibt, eine sol­che Text­ba­sis bekom­men? Hin­zu kommt in Deutsch­land zumin­dest ein recht­li­ches Pro­blem: Alle Pla­gi­ats­soft­ware-Her­stel­ler ver­die­nen mit der Urhe­ber­schaft Drit­ter Geld; nur eine schrift­li­che Bestä­ti­gung eines jeden Urhe­bers, dass Drit­te die­se Pla­gi­ats­prü­fung durch­füh­ren und mit sei­ner Urhe­ber­schaft Geld ver­die­nen dür­fen, kann die­ses Rechts­pro­blem lösen; nur: Kein Urhe­ber kann zu einer sol­chen Bestä­ti­gung gezwun­gen wer­den. Es gibt nach Wis­sen von Ghostwriter.nu aktu­ell – Stand Dezem­ber 2012 – im gesam­ten deutsch­spra­chi­gen Raum eine ein­zi­ge Hoch­schu­le, die mit einem US-ame­ri­ka­ni­schen Pla­gi­ats­soft­ware-Unter­neh­men kon­se­quen­te Pla­gi­ats­kon­trol­len durch­führt. Der sach­li­che Erfolg ist Ghostwriter.nu nicht bekannt, muss aber vor dem Hin­ter­grund des bis­her für Deutsch­land und den deutsch­spra­chi­gen Raum Gesag­ten stark ange­zwei­felt wer­den. Im Gegen­satz hier­zu steht zum Bei­spiel Groß­bri­tan­ni­en: 97 Pro­zent aller Hoch­schu­len arbei­ten dort mit dem­sel­ben Pla­gi­ats­soft­ware-Unter­neh­men zusam­men! Der Erfolg dürf­te auf Grund die­ser Zen­tra­li­sie­rung und Ver­net­zung theo­re­tisch 100 Pro­zent sein. Prak­tisch ist indes auch in die­sem Fall der Erfolg anzu­zwei­feln: Der eng­lisch­spra­chi­ge Raum ist mit 1,5 Mil­li­ar­den Spre­chern bis heu­te der größ­te Sprach­raum der Welt. Und dann gibt es noch die 11 ande­ren Welt­spra­chen, dar­un­ter auch das Deut­sche, deren Über­set­zun­gen kei­ne der der­zeit vor­lie­gen­den Pla­gi­ats­soft­ware auch nur im Ansatz ver­sucht, egal von wel­cher Spra­che in wel­che Spra­che. Oder die 270 Amts­spra­chen weltweit.

Trotz­dem, oder viel­leicht auch, weil die All­ge­mein­heit von den oben ste­hen­den Pro­ble­men bezüg­lich Pla­gi­ats­soft­ware nichts Aus­rei­chen­des weiß, gibt es seit Gut­ten­berg im deutsch­spra­chi­gen Raum aka­de­mi­sche Ghost­wri­ter-Agen­tu­ren, die sogar mit einer angeb­lich eige­nen Pla­gi­ats­soft­ware Pla­gi­ats­kon­trol­len anbieten.

Den­noch ist Pla­gi­ats­kon­trol­le sehr wohl mög­lich, aber auf­wän­dig, weil tat­säch­lich nicht auto­ma­ti­sier­bar. Ein­zi­ge tat­säch­lich wirk­sa­me Pla­gi­ats­soft­ware im deutsch­spra­chi­gen Raum ist seit gerau­mer Zeit schon „Goog­le“ – das dann aber auch gleich rich­tig! Goog­le fin­det alles – und auch Erheb­li­ches, das für Inter­net­nut­zer online gar nicht ver­füg­bar ist! Denn Goog­le hat seit Jah­ren schon Ver­ein­ba­run­gen getrof­fen mit allen wesent­li­chen (Fachbuch)Verlagen und Inter­net-Platt­for­men, von denen man Hoch­schul­ar­bei­ten aus dem Inter­net käuf­lich erwer­ben kann, deren elek­tro­ni­schen Bestän­de durch­fors­ten zu dür­fen. Die meis­ten Ver­la­ge kön­nen es sich auch seit Jah­ren schon über­haupt nicht mehr leis­ten, ihre Pro­duk­te nicht auch in elek­tro­ni­scher Form zu ver­trei­ben. Resul­tat ist damit zusam­men mit „Goog­le Books“, dass „Goog­le“ prak­tisch jedes Pla­gi­at fin­det, aus­drück­lich auch zahl­rei­che sol­che Pla­gia­te, deren Ori­gi­na­le für Inter­net­nut­zer im Inter­net gar nicht ver­füg­bar sind und von denen Inter­net­nut­zer dann glau­ben, sie wären im Inter­net nicht ver­öf­fent­licht. Das sind sie in die­sen Fäl­len auch nicht. Die Text- bzw. Pla­gi­ats-Text­pas­sa­gen sind es aber doch, wenn man sie bei der Such­ma­schi­ne „Goog­le“ ein­gibt. Es kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die wesent­li­che Lite­ra­tur der letz­ten 10 Jah­re elek­tro­nisch ver­füg­bar ist und von „Goog­le“ auch gefun­den wird – egal, um wel­chen Fach­be­reich und wel­ches The­ma es sich handelt.

Aller­dings hat seit dem Fall Gut­ten­berg eine Pla­gi­ats-Hys­te­rie ein­ge­setzt, die mitt­ler­wei­le nicht mehr ver­tret­bar erscheint. Es gibt eine unend­li­che Fül­le von Sach­ver­hal­ten in jedem Fach­be­reich, die bereits unend­li­che Male dar­ge­stellt wor­den ist und auch heu­te nicht anders dar­ge­stellt wer­den kann. Bei­spie­le: „Goethe’s Faust“ in den Lite­ra­tur­wis­sen­schaf­ten, „Balan­ced Score­card“ in der Betriebs­wirt­schafts­leh­re oder „Imma­nu­el Kants Kate­go­ri­scher Impe­ra­tiv“ in der Phi­lo­so­phie. Ins­be­son­de­re Juni­or-Pro­fes­so­ren aus Kar­rie­re­grün­den und Natur­wis­sen­schaft­ler aus Igno­ranz trei­ben die­se Pla­gi­ats-Hys­te­rie auf Kos­ten vie­ler Stu­den­ten heu­te an. Natur­wis­sen­schaft­ler oder Mathe­ma­ti­ker haben es hier ja auch leich­ter: Deren Aus­bil­dungs­in­hal­te basie­ren über­wie­gend nicht auf Beschrei­bung, Aus­le­gung und Inter­pre­ta­ti­on, son­dern auf Ler­nen, Tests machen und „an den Din­gen“ forschen.

Pla­gi­at ist Betrug und wird im deutsch­spra­chi­gen Raum straf­recht­lich rela­tiv scharf geahn­det. Die Auto­ren von Ghostwriter.nu wol­len indes unter Ande­rem auch mit aka­de­mi­schem Ghost­wri­ting ihre Arbeit tun und damit ihr Geld ver­die­nen und nicht straf­recht­lich belangt wer­den. Inso­fern ist Pla­gi­at zumin­dest bei Ghostwriter.nu abso­lut tabu! Abge­se­hen davon gilt für alle: Abso­lut las­sen, das mit dem Pla­gi­at! Nie­mand hat hier ange­sichts des oben Beschrie­be­nen heu­te noch eine Chance!

Harald Bahner

Quel­len die­ser News:
Weber-Wulff, Debo­rah / Köh­ler, Kat­rin: Pla­gi­ats­er­ken­nungs­test 2010. http://plagiat.htw-berlin.de/wp-content/uploads/PlagiatserkennungTest2010-final.pdf (am 03.12.2012)
For­schungs­grup­pe Pla­gi­at der HTW Ber­lin“, http://plagiat.htw-berlin.de/software/ (eben­falls am 03.12.2012).