Plagiat als Prisma eines Kulturkampfes? (5)

Die Plagiatsaffäre um die Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan entwickelt sich zu einem Kampf um die Deutungshoheit von „Wissenschaft“ per se. Was geschieht hier tatsächlich? Vielleicht helfen ein paar investigative Fragen weiter.
– Teil 5 von 5 –

6.
Mit 14:0 bei einer Enthaltung entschied sich der zuständige Rat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf für die Einleitung eines Verfahrens zum Entzug der Doktorwürde Frau Dr. Schavans. Diese Eindeutigkeit ist zunächst erschreckend. Die Frage ist nur in welche Richtung. Dieses Ergebnis weckt auch Erinnerungen an die regelmäßigen Abstimmungsergebnisse der Politbüros der kommunistischen Parteien der ehemaligen Sowjetunion und aller ehemaligen Ostblockstaaten.

Frage – auch vor dem Hintergrund des „kleinen“ SPD-Staatssekretärs für Medienfragen in Nordrhein-Westfalen – siehe Teil 4 von 5 : Wie viele CDU-ler und FDP-ler saßen in o.g. zuständigen Rat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf?

7.
Zusammen gefasst geht es ganz offensichtlich nicht mehr um Frau Dr. Schavan als Politikerin, als CDU-Politikerin, als Person oder um ihre Dissertation. Es geht auch ganz offensichtlich nicht mehr um Politik und Menschen allgemein, den Schaden am Ende, den alle davongetragen haben werden, wie Jürgen Kaube in der FAZ vom 24.01.2013 meinte, „menschlichen und instituionellen“ (faz.net/aktuell/feuilleton/der-fall-schavan-frau-jedermanns-plagiat-12036233.html, Stand 25.01.2013). Es geht um Meta-Politisches, um Geistesgeschichtliches, um Philosophisches: Es geht um die Deutungshoheit darüber, was „die“ Wissenschaft sei. Diese Deutungshoheit gab es immer: Die Theologie wurde als weltbestimmend, zumindest in der westlichen Welt, von der Philosophie abgelöst, die Philosophie von den Naturwissenschaften, die Naturwissenschaften von den Technikern (und Technokraten), die Techniker von den Wirtschafts- und Finanzwissenschaftlern. Und wer sind jetzt Diejenigen, die Sachverhaltswiedergaben in eigenen Worten in ein Denken tötendes Korsett von Quellenangaben zwängen wollen und mit dem (neuen) Konstrukt des „Selbstplagiats“ letztlich jede Form auf einander bauender eigener Gedanken verunmöglichen – dies alles in der Tat im angeblichen Namen „der Wissenschaft“?

Und: Hat’s Spaß gemacht, diesen Gesamttext mit diesen vielen Quellen hier zu lesen? Es handelt sich bei diesem Text übrigens um ein fast dreitausendfaches Plagiat. Dieser Gesamttext besteht nämlich aus ca. 2.750 Wörtern. Die sind alle viele Male schon einmal von vielen Anderen gesagt oder geschrieben worden. Diese ca. 2.750 Wörter sind nicht einzeln mit Quellen belegt worden.

– Ende des Gesamtbeitrags in 5 Teilen –

Teil 1 von 5
Teil 2 von 5
Teil 3 von 5
Teil 4 von 5

zum Gesamtbeitrag (Teile 1 bis 5)

Harald Bahner
Master of Business Consulting (FIBAA-akkreditiert)
Magister Artium Germanistik, Geschichte, Philosophie
Wissenschaftlicher Ghostwriter seit über 20 Jahren
Akademische Fachbereichs-„Steckenpferde“: Soziologie, Psychologie

Anmerkung:
Ob die Dissertation der Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan zu viel Plagiat enthält, entscheiden Diejenigen, die sich mit dem Text detailliert auseinander setzen. Dies hat der Autor dieses hier vorliegenden Beitrags nur teilweise getan. Die Aussagen dieses hier vorliegenden Beitrages können damit nicht als Positionierung für oder gegen den Plagiatsvorwurf der Dissertation von Frau Dr. Schavan angesehen werden – und sollen dies ausdrücklich auch nicht. Es geht um Anderes – siehe den Gesamtzusammenhang im Gesamttext Teile 1 bis 5.