PEN gegen Russland

Heu­te um 14:00 Uhr wird die inter­na­tio­na­le Schrift­stel­ler­ver­ei­ni­gung P.E.N. zum mor­gi­gen Auf­takt der olym­pi­schen Win­ter­spie­le in Sot­schi in einer welt­wei­ten Inter­net­ak­ti­on einen offe­nen Brief an die rus­si­sche Regie­rung rich­ten, der sich gegen die Stran­gu­lie­rung des Rechts auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung in Russ­land wendet.

Poets essay­ists nove­lists“, abge­kürzt P.E.N., in Deutsch­land PEN, ist eine der bekann­tes­ten Auto­ren­ver­bän­de der Welt mit 144 Zen­tren in ein­hun­dert Län­dern. Das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung ist seit der Grün­dung 1921 eines der Haupt­an­lie­gen die­ser Organisation. 

Mor­gen begin­nen die olym­pi­schen Win­ter­spie­le in Sot­schi in Russ­land. Heu­te um 14:00 Uhr wird die P.E.N.-Dachorganisation in einer welt­wei­ten Inter­net­ak­ti­on in einem offe­nen Brief an die rus­si­sche Regie­rung eben die­ses Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung in die­sem Land des­halb bekla­gen. Auch die rus­si­schen Geset­zes­in­itia­ti­ven gegen Homo­se­xua­li­tät sind ein Haupt­the­ma die­ses offe­nen Brie­fes. Unter den Unter­zeich­nern sind die Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­ger Elfrie­de Jeli­nek, Orhan Pamuk und Wole Soy­in­ka, aber auch welt­be­kann­te Auto­ren wie Salam Rush­die, Ian McE­wan, Juli­an Bar­nes oder Mar­ga­ret Atwood sowie die deut­schen Auto­ren unter­schied­li­cher Coleur und Fach­be­rei­che Josef Has­lin­ger (auch als Prä­si­dent des deut­schen PEN-Zen­trums), Ingo Schul­ze, Ili­ja Tro­ja­now, Micha­el Krü­ger, Ulrich Beck, Chris­toph Hein, Uwe Timm, Gert Hei­den­reich und Klaus Staeck. Der Prä­si­dent des inter­na­tio­na­len P.E.N., John Rals­ton Saul, bringt das Anlie­gen die­ses offe­nen Brie­fes auf einen grif­fi­gen Satz: „Mit gerech­ten Geset­zen braucht man kei­ne Amnes­ti­en“ (zit. nach o. V. 2014), wie in Russ­land kürz­lich im Vor­feld der olym­pi­schen Win­ter­spie­le in grö­ße­rem Umfang geschehen.

Nach­ste­hend der offe­ne Brief in der deut­schen Übersetzung:

Die Geschich­te des moder­nen Russ­lands ist die eines dra­ma­ti­schen, fast schon seis­mi­schen Wan­dels. Lite­ra­ri­sche und jour­na­lis­ti­sche Stim­men aus Russ­land haben schon immer danach gestrebt, sich jen­seits des Lärms ihrer sich ent­wi­ckeln­den natio­na­len Geschich­te Gehör zu ver­schaf­fen – die­se zu kom­men­tie­ren und mit­zu­ge­stal­ten und so zur poli­ti­schen und intel­lek­tu­el­len Gestal­tung der Welt weit über die Gren­zen ihres Lan­des hin­aus bei­zu­tra­gen. Aber wäh­rend der letz­ten 18 Mona­te haben die rus­si­schen Gesetz­ge­ber eine Rei­he von Geset­zen ver­ab­schie­det, die das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung in Russ­land in einen Wür­ge­griff neh­men. Als Schrift­stel­ler kön­nen wir nicht taten­los zuse­hen, wäh­rend unse­re Jour­na­lis­ten- und

Schrift­stel­ler­kol­le­gen zum Still­schwei­gen gedrängt wer­den oder Ver­fol­gung und oft­mals dras­ti­sche Bestra­fung ris­kie­ren für die blo­ße Mit­tei­lung ihrer Gedan­ken. Drei die­ser Geset­ze brin­gen Schrift­stel­ler beson­ders in Gefahr: Die Geset­ze zur so genann­ten homo­se­xu­el­len ‘Pro­pa­gan­da’ und zur ‘Blas­phe­mie’, die die ‚Unter­stüt­zung‘ von Homo­se­xua­li­tät und ‚reli­giö­ser Belei­di­gung‘ ver­bie­ten, und die Re-Kri­mi­na­li­sie­rung von Ver­leum­dung. Eine gesun­de Demo­kra­tie muss die unab­hän­gi­gen Stim­men aller ihrer Bür­ger hören; die glo­ba­le Gemein­schaft braucht die Viel­falt rus­si­scher Mei­nun­gen und wird durch sie berei­chert. Des­halb drän­gen wir die rus­si­sche Regie­rung, die­se Geset­ze, die die freie Mei­nungs­äu­ße­rung unter­drü­cken, auf­zu­he­ben, Russ­lands Ver­pflich­tun­gen im Rah­men des inter­na­tio­na­len Pakts für bür­ger­li­che und poli­ti­sche Rech­te anzu­er­ken­nen und die Mei­nungs- und Glau­bens­frei­heit zu respek­tie­ren (das Recht, nicht zu glau­ben, ein­ge­schlos­sen). Dar­über hin­aus for­dern wir sie auf, ein gesell­schaft­li­ches Kli­ma zu schaf­fen, das es allen Bür­gern erlaubt, ihre Mei­nun­gen frei zu äußern.“ (zit. P.E.N. 2014).

Quel­len:
o. V. (2014): Offe­ner Brief des PEN an die rus­si­sche Regie­rung. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 06.02.2014, S. 29.
P.E.N. (2014): Pres­se­kam­pa­gne des Inter­na­tio­na­len PEN zum Auf­takt der Olym­pi­schen Spie­le: Auf­he­bung repres­si­ver Geset­ze gefor­dert. Pres­se­mit­tei­lung vom 05.02.2014, http://www.pen-deutschland.de/de/2014/02/05/pressekampagne-des-internationalen-pen-zum-auftakt-der-olympischen-spiele-aufhebung-repressiver-gesetze-gefordert/ (hier der offe­ne Brief auch in der eng­li­schen Ori­gi­nal-Ver­si­on; URL-Stand 06.02.2014).