Osteuropa-Forschung marginalisiert

(Ghostwriter.nu) Ukrainistik oder Rumänistik sind kleine Fächer oder auch Orchideenfächer genannt. In Deutschland ist Expertise über diese Länder kaum mehr vorhanden, wie für andere osteuropäische Länder auch.

Vor bald 15 Jahren, 2001, wurde das Bundesinstitut für Ostwissenschaftliche und Internationale Studien in Köln aufgelöst und seine Bibliothek eingetütet. Bis dahin hatten sich unter diesen Bundesinstitut noch Historiker, Philologen, Soziologen, Politikwissenschaftler und Volkswirtschaftler versammelt, um Osteuropa interdisziplinär zu erforschen und insbesondere für die Politik wissenschaftliche Expertise vorzuhalen. Auch in anderen Teilen Deutschlands wurden Lehrstühle mit Osteuropa-Schwerpunkt seither fast systematisch nicht wieder besetzt.

Resultat ist heute, das osteuropäische Geschichte zwar noch an mehr als 50 Universitäten studiert werden kann. Die ergänzenden Fachdisziplinen, die sich früher interdisziplinär mit Osteuropa beschäftigt hatten, sind jedoch so gut wie verschwunden. Damit kann die politische Entwicklung selbst der unmittelbaren östlichen Nachbarländer Deutschlands kaum mehr qualifiziert gedeutet werden.

Neuerdings versucht man dieses Defizit auszugleichen. Auslöser war die Russland-Krise. So haben das Auswärtige Amt zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde ein neues Institut gegründet, das Osteuropa wieder interdisziplinär betrachten soll. Doch von heute auf morgen ist die über 15 Jahre lang verloren gegangene Expertise nicht wieder hereinzuholen.

Dabei kann zum Beispiel die Universität Heidelberg im Fachbereich Ostmittel-und Osteuropa-Studien über interessierte Studenten nicht klagen. Hier werden Geschichte und Slawistik miteinander verbunden, vor allem kann die jeweilige Fremdsprache erworben werden. Insbesondere Themen über die Ukrainer erfreuen sich besonderer Beliebtheit. Als dortiger Teil-Fachbereich ist die sogenannte Ukrainistik damit aufgewertet worden, allerdings nur von den Interessierten selbst, nicht offiziell von Hochschulseite.

Dagegen steht die Universität Greifswald. Dort gibt es bisher noch in Deutschland einmalig einen Ukrainistik-Lehrstuhl sowie die Sommerschule der Universität namens „Greifswalder Ukrainicum“, das neben einer entsprechenden Einrichtung in der US-amerikanischen Harvard-Universität noch Weltruhm genießt. Weiterhin hält das slawische Institut der Universität Greifswald jeweils noch einen Lehrstuhl in Russistik und Polinistik vor. Die Beziehungen dieser drei genannten Professuren zu den Universitäten der jeweiligen Länder und damit direktes Wissen aus erster Hand sollen sehr gut sein. Doch die Universität Greifswald will auch den Lehrstuhl in Baltistik streichen. Der Widerstand und Protest gegen diese Schließungen von Professoren wird stärker. Begründet werden diese Streichungen von Seiten der Universität Greifswald mit Sparzwang und geringer Studentenzahl.

Was der Ukrainistik, Russistik, Polinistik und Baltistik gerade blüht, ist für die Rumänistik schon Fakt. Dieser Fachbereich existiert an deutschen Universitäten nicht mehr. Der entsprechende Lehrstuhl an der Heidelberger Universität wurde abgeschafft. Der entsprechende Spezialist der Universität Frankfurt am Main ging nach Österreich. Und der einzige Professor für Rumänistik in Leipzig fand nach seiner Emeritierung keinen Nachfolger. Ein Master-Lehrangebot an deutschen Universitäten zum Beispiel zu rumänischer Literatur existiert deshalb nicht. Auch politische und kulturelle Bezüge Rumäniens sowie dessen Geschichte werden praktisch nicht mehr wissenschaftlich thematisiert oder diskutiert. Der einzige noch existierende Lehrstuhl für Rumänistik ist ein sprachwissenschaftlich geprägter an der Universität Jena.

Verständlich ist diese Entwicklung nicht. Abgesehen davon, dass die Ghostwriter, Autoren und Berater von Ghostwriter.nu, die in den genannten Fachbereichen spezialisiert sind, auch keine Arbeit mehr haben bzw. haben werden, leben in Rumänien 24 Millionen Menschen. In Polen sind es 38 Millionen, in der Ukraine 43 Millionen, im Baltikum zusammen 6,5 Millionen, in Russland 143 Millionen und in Weißrussland knapp 10 Millionen Menschen. Das macht zusammen rund 254 Millionen Menschen. Das ist eine Viertelmilliarde – unmittelbare Nachbarn Deutschlands oder zumindest der Europäischen Union. Eine solche Dummheit kann sich ein Land wie Deutschland nicht leisten.