Neues Hochschulgesetz auch in Baden-Württemberg

Dar­auf hat Hei­ke Schmoll in der FAZ von Sams­tag noch ein­mal hingewiesen.

Mit „aber­wit­zi­gen Novel­len von Lan­des­hoch­schul­ge­setz­ten“ sol­len der­zeit staat­li­che „Druch­griffs­rech­te gegen­über … Hoch­schu­len“ gesi­chert wer­den, die „fatal“ sei­en, schreibt Hei­ke Schmoll (2013) vor­ges­tern in der FAZ und weist dar­auf hin, dass neben Nord­rhein-West­fa­len vor allem Baden-Würt­tem­berg in die­ser Hin­sicht tätig sei. Dass es hier bis­her zu kei­nem offe­nen Kon­flikt zwi­schen den Hoch­schu­len und der Lan­des­re­gie­rung kam wie aktu­ell in NRW liegt offen­bar dar­an, dass die baden-würt­tem­ber­gi­sche Lan­des­mi­nis­te­rin für Wis­sen­schaft, For­schung und Kunst, The­re­sia Bau­er (Grü­ne) „immer­hin so klug (war), das vor­her mit den Hoch­schu­len so abzu­stim­men, dass die sich nun nicht alle vor den Kopf gesto­ßen füh­len.“ (Schmidt 2013)

Wesent­li­che Ker­ne des Ansto­ßes des neu­en Hoch­schul­ge­set­zes in Baden-Würt­tem­berg sind ers­tens die ‚Umwand­lung‘ des Hoch­schul­rek­tors zu einer Art ‚Rek­tor All­macht‘, indem ein Hoch­schul­rek­tor künf­tig zen­tra­le For­schungs­ein­hei­ten par­al­lel zu den ein­zel­nen Fak­tul­tä­ten schaf­fen kön­nen soll (Schmoll 2013) bzw. gar „die Grün­dung zen­tra­ler Ein­rich­tun­gen nicht nur in der For­schung, son­dern auch in der Leh­re“ (Kau­be 2013). Und zwei­tens, und hier wird es bedenk­lich, soll For­schern in Baden-Würt­tem­berg per Gesetz vor­ge­schrie­ben wer­den, ihr Urhe­ber­recht zumin­dest als nicht­kom­mer­zi­el­le Zweit­pu­bli­ka­ti­on an Hoch­schu­len grund­sätz­lich abzu­tre­ten, d.h. die For­schungs­er­geb­nis­se sol­len gra­tis wenigs­tens auf den jewei­li­gen Hoch­schul­ser­vern ein­ge­stellt wer­den kön­nen. Die­se als „Open Access“ bezeich­ne­te Publi­ka­ti­ons­art hat vor weni­gen Tagen erst auch flugs zu ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken geführt (Roes­ler-Grai­chen 2013).

Und die Kom­men­ta­re die­ser irri­tie­ren­den Hoch­schul­ge­setz-Ent­wick­lung sind ent­spre­chend. „Man ist poli­tisch so auf Steue­rung fixiert, dass die Fra­ge, was eigent­lich gesteu­ert wer­den soll und ob es sich steu­ern lässt, gar nicht mehr auf­kommt“ schreibt Kau­be (2013) eben­falls erst vor weni­gen Tagen. „Der neue Geist der Geist­lo­sig­keit“ (ebd.) hal­te gera­de Ein­zug in die Hoch­schul­land­schaft. „… (D)er Geist, den die­se Geset­zes­ent­wür­fe erken­nen las­sen, ist als sol­cher eine Belas­tung für das deut­sche Hoch­schul­sys­tem“ (ebd). Und nicht nur die „Zeit“ sprach schon zu Beginn die­sen Monats von einer „Rück­kehr zur Plan­wirt­schaft“ (Schmidt 2013) in der Hochschullandschaft.

Bis 28.11.2013 konn­ten Ein­ga­ben bezüg­lich des neu­en baden-würt­tem­ber­gi­schen Hoch­schul­ge­setz-Ent­wur­fes gemacht wer­den. Bis Mit­te 2014 will die zustän­di­ge Lan­des­mi­nis­te­rin die­ses Hoch­schul­ge­setz im baden-würt­tem­ber­gi­schen Land­tag ver­ab­schie­det sehen. Man darf wei­ter gespannt sein, wie der Wort­laut die­ser neu­en Hoch­schul­ge­set­ze in Baden-Würt­tem­berg und auch in Nord­rhein-West­fa­len dann tat­säch­lich ist.

Quel­len:
Schmoll, Hei­ke: Für die Frei­heit. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 28.12.2013, S. 1.
Kau­be, Jür­gen: Sie sagen Zukunft, sie mei­nen Steue­rung. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 12.12.2013, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/rot-gruene-hochschulgesetze-sie-sagen-zukunft-sie-meinen-steuerung-12703603.html (Stand 30.12.2013).
Roel­ser-Grai­chen, Micha­el: „Beein­träch­ti­gung einer eta­blier­ten Publi­ka­ti­ons­kul­tur“. Inter­view zu Open-Access-Gesetz­ent­wurf aus Baden-Würt­tem­berg mit dem Dresd­ner Rechts­wis­sen­schaft­ler Horst-Peter Göt­ting. In: Boersenblatt.net, http://www.boersenblatt.net/660204/ (Stand 30.12.2013).
Schmidt, Mari­on: Rück­kehr zur Plan­wirt­schaft. In: Zeit online vom 03.12.2013, http://www.zeit.de/2013/48/hochschulgesetz-nordrhein-westfalen (Stand 30.12.2013).
Ghost­wri­ter.nu: NRW-Hoch­schul­ge­setz immer stär­ker unter Beschuss . News vom 27.12.2013.
Ghostwriter.nu: „Hoch­schulent­mün­di­gungs­ge­setz“ in Nord­rhein-West­fa­len? News vom 20.12.2013.