Neues Strafgesetz gegen akademische Ghostwriter und deren Kunden?

Bereits am 25.05.2012 berichteten die Ghostwriter.nu-News in Zusammenfassung der derzeit geltenden gesamtrechtlichen Situation akademischen Ghostwritings, dass der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes Prof. Dr. Bernhard Kempen in einem Interview mit dem WDR-5-Radio die Einführung eines Straftatbestandes gegen wissenschaftliche Ghostwriter und deren Kunden thematisierte.
Vorgestern, d.h. zweieinhalb Monate später, wurde Herr Prof. Dr. Kempen konkreter. In einer Pressemitteilung des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) vom 06.08.2012 unter der Überschrift „Kempen: ‚Wissenschaftsbetrug ist kriminell'“ forderte Herr Prof. Dr. Kempen den Gesetzgeber dazu auf, einen Straftatbestand Wissenschaftsbetrug zu schaffen. „Ghostwriter bringen die akademischen Grade und die Hochschulen, die sie verleihen, in Verruf. … Das geht zu Lasten der großen Mehrzahl der Akademiker, die ihre akademischen Grade rechtmäßig durch Leistung erworben haben“, äußerte Herr Prof. Kempen in dieser Pressemitteilung.
Es würde geschätzt, so diese Pressemitteilung des DHV weiter, dass ca. zwei Prozent aller Dissertationen aus fremden Federn stammen. „Laut einer dpa-Meldung gehen Experten davon aus, dass sogar etwa jede dritte Doktorarbeit in den Fachbereichen Jura und Wirtschaftswissenschaften von Ghostwritern stammen soll“ (Zitat besagte Pressemitteilung).
Abgesehen davon, dass mich brennend interessierern würde, wer in dieser angeblichen dpa-Meldung, die schlichtweg nicht aufzufinden ist, einen derart absurd hohen „Ghostwriter“-Anteil an wirtschaftswissenschaftlichen und juristischen Dissertationen in die Welt setzt, wird Herr Prof. Dr. Kempen nun ganz konkret. Er formuliert die folgenden Gesetzestext-Vorschläge gegen wissenschaftliche Ghostwriter und deren Kunden:
„(1) Wer eine Qualifikationsarbeit, die der Erlangung eines akademischen Grades oder eines akademischen Titels dient, für einen Dritten verfasst, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Wer eine Qualifikationsarbeit im Sinne von Abs. 1, die von einem Dritten ganz oder teilweise verfasst wurde, als eigene ausgibt, ohne deren Urheber zu sein, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
Ghostwriter.nu möchte sich Herrn Prof. Dr. Kempens Ansinnen ausdrücklich anschließen! Die „Entwertung akademischer Grade“, so diese Pressemittelung des DHV weiter, ist in der Tat nicht nur nicht hinzunehmen, sondern entwertet auch die akademischen Qualifikationen aller Autoren von Ghostwriter.nu einschließlich meiner eigenen akademischen Qualifikationen. Das alle Mitarbeiter meines Unternehmens und auch ich dies selbstverständlich nicht wollen, liegt auf der Hand.
Eine kleine, persönliche und ich wünsche mir zu denkende Anekdote hierzu: Vor etwa zwei Jahren stand eine Freundin eines Tages mit ihrem vierjährigen Kind vor einem neuen Kinderarzt. Das Kind hatte ganz offensichtlich Röteln, was, auch wenn nicht mehr so viele Erwachsene mit Kindern zu tun haben, bis heute noch die meisten durchschnittlichen Menschen an den eindeutigen „rötelnden“ Krankheitssymptomen unmittelbar und reichlich eindeutig erkennen können. Und der Kinderarzt steht vor dem Kind und fragt sich ernsthaft und laut: „Ja, was machen wir hier denn jetzt?“ Die Mutter schaute den Kinderarzt entsetzt an, und dann schoss ihr spontan durch den Kopf: „Wieviel akademischer Ghostwriter steckt in diesem Arzt?“ -, nahm ihr Kind und ging! Wer von uns will einen Arzt vor sich haben, der keine Ahnung hat, wenn er krank ist, vielleicht schwerkrank im Krankenhaus liegt? Wer will fehlerhafte Steuererklärungen abgeben? Falsch rechtsberaten werden? Mitarbeiter haben in welchem Fachbereich auch immer, wochenlang eingearbeitet, und dann ist nur noch heiße Luft? Morgen seine

Brötchen kaufen, und da ist irgendwas drin, was einen vielleicht vergiftet? Sein eigenes Kind „ans Messer liefern“. Ich will das jedenfalls nicht.
Meine Mitarbeiter und ich werden deshalb im Hochschulbereich ausdrücklich als wissenschaftliche Autoren tätig, nicht als akademische Ghostwriter. Seit Jahr und Tag betone ich in unterschiedlichen Formulierungen – und von obersten deutschen Gerichten leidlich „beglaubigt“ -, dass ich und wir „nur“ unterstützend und Hilfe gebend tätig sind. Derzeit heißt es auf meiner Unterwebseite „Vorgehensweise und Rechtliches“ unter „Rechtliches“: „Haus-, Seminar- bzw. Projektarbeiten, Hochschulabschlussarbeiten und Dissertationen erstellen wir selbstverständlich nur als Entwurf zu Ihrer Anregung und Orientierung. In diesen Textarten sind wir als Autoren tätig. Wir gehen regelmäßig davon aus, dass Sie hier den rechtlichen Rahmen unserer Inanspruchnahme kennen und den von uns zu erstellenden Textentwurf in rechtlich zulässiger Weise verwenden. Wir billigen ausdrücklich nicht Absichten, den von uns zu erstellenden Text eins zu eins ganz oder in Teilen als eigene Prüfungsleistung bei einer Hochschule einzureichen und werden bei Kenntnisnahme derlei Absichten ausdrücklich nicht tätig bzw. brechen den jeweiligen Auftrag in diesen Fällen konsequent ab.“
Und genau so meinen und realisieren wir das auch. Aus den eben aufgeführten Gründen!
Und Ghostwriter.nu möchte sich Herrn Prof. Dr. Kempens Ansinnen gleichzeitig ausdrücklich nicht anschließen, was zumindest oben genannten „Abs. 1“ betrifft. Es bleibt vollinhaltlich bei meiner Kritik vom 25.05.2012 an diesem nunmehr konkretisiertem Vorstoß von Herrn Prof. Dr. Kempen: Jede Form des Anbietens und Realisierens von Hilfestellungen bei Hochschularbeiten gerät mit diesem Vorschlag eines neuen Straftatbestands unter Generalverdacht. Die positivistische Rechtsauslegung, die uns alle bindet, wird mit derlei Auffassungen und Ansinnen ausgehebelt. Ein solches womögliches Schießen über’s Ziel hinaus ist keine bloße Befürchtung, sondern bereits heute eine Tatsache: Wer, wie derselbe Deutsche Hochschulverband zusammen mit dem Allgemeinen Fakultätentag (AFT), „Selbstplagiat“ auch als Plagiat bezeichnet wie genau einen Monat vorher, am 06.07.2012, geschehen und damit in völlig absurder Weise letztlich die halbe Geistesgeschichte der Menschheit unter Plagiat stellt, muss von allen wissenschaftlich Interessierten mit besonderer Vorsicht beobachtet werden.
Harald Bahner
Quellen dieser News:
Ghostwriter.nu-News „Zur aktuellen gesamtrechtlichen Situation akademischen Ghostwritings“ vom 25.05.2012
„Kempen: ‚Wissenschaftsbetrug ist kriminell'“. Pressemitteilung des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) vom 06.08.2012, URL: http://www.hochschulverband.de/cms1/pressemitteilung+M56c11ee1774.html
Rechtliches bei Ghostwriter.nu
Ghostwriter.nu-News „‚Selbstplagiat‘ ist auch Plagiat?“ vom 10.07.2012