Neue Plagiate

Dass selbsternannte „Plag“en Dissertationen Dritter als angebliche Plagiate anschwärzen, wird offenbar zunehmend ein Schuss ins Knie.

Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller ist einer der „Neuesten“, der mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, seine Dissertation enthielte Plagiate. Der selbsternannte „Plagiatsjäger“ Martin Heidingsfelder hatte dies Anfang April 2014 öffentlich behauptet. Jetzt stellte die Universität, an der Herr Müller promovierte, die Universität Regensburg fest, die Doktorarbeit von Herrn Müller enthielte keine Hinweise auf ein Plagiat und einem Verdacht wissenschaftlichen Fehlverhaltens fehlte die Grundlage.

Der „Plagiatsjäger“ Heidingsfelder, seines Zeichens 48-jähriger Diplomkaufmann, hat sich (bisher noch) die Wortmarke „vroniplag“ gesichert, um seine gewollte Allein-Gründung von „vroniplag“ zu „beweisen“, die Guttenbergs Disseration als Plagiat aufdeckte. „Vroniplag Wiki“ versucht bis heute diesen „Gründungsmythos“ zu entkräften. Bei Wikipedia wird Herr Heidingsfelder deshalb (?) weiterhin nur als „Mitgründer“ von „vroniplag“ bezeichnet und kann das offenbar nicht ändern, weil sein Wikipedia-Autorenkonto angeblich schon seit Längerem gesperrt ist. Als Resultat seiner Plagiatsaufdeckungen im Zusammenhang mit der Dissertation der ehemaligen Bundesbildungsministerin Annette Schavan auf dem Bloghoster WordPress.com unter „schavanplag“ wollten Anfang 2013 selbst der Betreiber des Blogs schavanplag als auch die Betreiber des VroniPlag Wikis nichts mehr von Martin Heidingsfelder wissen. Hiedingsfelders nächstes „Projekt“ war daraufhin „PolitPlag Wiki“, auf dem die Dissertationen aller Bundestagsabgeordneten und denen, die das werden wollten, vor der Bundestagswahl 2013 für 500,- EUR pro Arbeitstag auf Plagiate geprüft werden konnten. Die Nachfrage ging gegen Null und es wurden keine Plagiate gefunden. Im Oktober 2013 musste Heidingsfelder nach einer langwierigen Prüfung durch die betreffende Universität bereits seine Behauptung „als unwahr“ widerrufen, die Dissertation des Psychiaters Klaus Leipziger (der das Gutachten im Fall Gustl Mollath erstellte) sei ein Plagiat.

Dieses Tun macht offenbar Schule. „Vollständig aus Wikipedia-Beiträgen zusammenkopiert“ worden sei das BuchGroße Seeschlachten – Wendepunkte der Weltgeschichte von Salamis bis Skaggerak“ der beiden Historiker Arne Karsten und Olaf B. Rader im renommierten Verlag C. H. Beck, ließ ein bisher Unbekannter namens A. J. (Namen absichtlich gekürzt, Ghostwriter.nu) vor wenigen Tagen auf seiner Facebook-Seite verlauten. Belege legte er keine vor.

Weiterhin hätten die Autoren dieses Buches an verschiedenen Orten geforscht, wie die Danksagungen des Buches zeigen würden, weshalb die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nach Überzeugung A. J.’s an der Nase herumgeführt worden sei, die dieses Buch finanziert hätten. Doch: die Autoren hatten überhaupt keine DFG-Förderung für ihr Buch enthalten. Gesamtresultat dieser „Aktion“ des A. J.: Die gesamte Medienlandschaft Deutschlands hatte in den letzten Tagen was zu berichten. Der Verlag C. H. Beck überprüft gerade den gesamten Buchtext. Die Autoren erwägen rechtliche Schritte gegen A. J.. Der DFG prüft selbst noch einmal, ob Forschungsgelder an die beiden Autoren geflossen sind. Und der „Aufdecker“ dieses „Plagiats“ A. J. schrieb vergangenen Freitag nachmittag auf seiner Facebook-Seite, er nehme alles „mit Bedauern“ zurück, aber „im Interesse einer transparenten Diskussion und Dokumentation lasse ich den Beitrag jedoch unverändert stehen„.

Quellen dieser News:
Vroniplag.de, Impressum
Vroniplag Wiki: Der Gründermythos von Martin Heidingsfelder. 10. März 2013, http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Benutzer_Blog:Marcusb/Der_Gr%C3%BCndermythos_von_Martin_Heidingsfelder
Wikipedia: „Vroniplag“
Muth, Max: Im Hauptberuf Plagiats-Jäger, in: Der Tagesspiegel (Berlin) vom 10.03.2013, http://www.tagesspiegel.de/medien/martin-heidingsfelder-im-hauptberuf-plagiats-jaeger/7903276.html
Die Facebook-Adresse des A. J. wird nicht veröffentlicht.

Stand aller URLs dieser hier vorliegenden News: 28.04.2014