Mit Orks durchs Bachelorstudium

Die Universität Düsseldorf setzt in Deutschland erstmals ein selbst entwickeltes Computerspiel als Lehr- und Lerninstrument für Bachelorstudenten ein.

Wissensrepräsentation“ heißt ein Modul des Bachelor-Studiengangs „Informationswissenschaft und Sprachtechnologie“ an der Universität Düsseldorf. Hoch interessant, aber trocken, sei die Wissensrepräsentation, meint der zuständige Lehrstuhlinhaber. Die Bachelorstudenten fanden dieses Studienunterfach wohl nur trocken. Denn zu viele fielen durch.

Deshalb ersann die zuständige Fakultät ein Computer-Lehr- und Lernspiel, um die Motivation der Studenten zu erhöhen. In dem Online-Spiel „Die Legende von Zyren“ reisen die Studenten erstmals in Deutschland seit dem Sommersemester 2013 durch das mittelalterliche Land Zyren, das von Orks, Goblins oder Einhörnern bevölkert ist. Die Studenten versuchen hier nicht anders als in anderen vergleichbaren Computer- oder Online-Spielen in immer höhere Level zu gelangen und sammeln Punkte. Hierzu müssen sie beispielsweise Rechenaufgaben lösen, Lückentexte komplettieren oder Multiple-Choice-Tests absolvieren und selbst komplexere Aufträge abarbeiten wie ein Essay schreiben, das dann von Tutoren korrigiert wird. Insgesamt können die Bachelorstudenten so innerhalb besagten Studiengang-Moduls einen Bonus bis zu einer ganzen Note erspielen.

Wie in vergleichbaren kommerziellen Spielen dieser Art gibt es Zusatzaufgaben für Fleißige und vor allem so genannte „Gilden“, d.h. Gruppen von Mitstreitern. Insbesondere diese Gilden führen zu einem Gruppenverhalten, d.h. zu gruppenverantwortlichem, verantwortungsbewussterem und strebsamerem Lernen, allein, um die eigene Gruppe nicht im Stich zu lassen und sich selbst nicht bloßzustellen.

16 Masterstudenten entwickelten mit einer Projektleiterin auf 600 Drehbuchseiten zehn Monate lang dieses Spiel. Eine Grafikerin entwarf eigens die Spiel-Figuren wie Menschen, Orks oder Elfen. Insgesamt ist dieses virtuelle Spiel textbasiert und damit weniger aufwändig gestaltet als vergleichbare kommerzielle Spiele. Das tut dem Lern- und Lehrerfolg indes offensichtlich keinen Abbruch, der sich prompt einstellte.

In den USA und Kanada, aber auch in Unternehmen, sind diese Methoden der Motivation (von Studenten oder Mitarbeitern) mittels dieser so genannten „Gamification“ schon weiter verbreitet. Die Universität Düsseldorf betritt mit dieser Maßnahme im Hochschulbereich Deutschlands zumindest jetzt Neuland.

Quelle:
Urbig, Natalie: Spielend durchs Studium. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 04./05.01.2014, S. C 4 (Beruf und Chance).