Mehr Geld für mehr Bildung

Mehr Geld für ein unzureichendes Bildungssystem ist der Dauerbrenner nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA.

2,2 Milliarden € will die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg den Universitäten, dualen Hochschulen und Fachhochschulen bis zum Jahr 2020 zusätzlich geben. Mit dem am letzten Freitag unterzeichneten neuen Hochschulpakt könnten Hochschulen bis zum Jahr 2020 etwa 3.800 neue Stellen vergeben, wenn dieses Geld vollständig für Lehr-und Forschungspersonal verwendet würde. Wie der Deutsche Wissenschaftsrat angeregt hat, wird die Grundfinanzierung aller Hochschulen um 3 % erhöht. Allerdings werden hierzu tatsächlich 1,1 Milliarden € umgeleitet, die bereits Gelder anderer Förderprogramme sind. Wie mit einer solchen bloßen Umschichtung von Geldern Mehrwert generiert und mehr Bildung geschaffen werden soll, bleibt damit zunächst das Geheimnis der deutschen Bildungspolitiker. Vor allem die dualen Hochschulen in Baden-Württemberg sind aber die Gewinner dieser Grund-und Zusatzfinanzierung: Seit dem letzten Hochschulsolidarpakt hat sich ihre Studentenzahl verdoppelt und das Personal wurde hier bisher nicht aufgestockt.

Mehr Geld für die Bildung und Hochschulbildung ist ein Dauerrenner oder auch Dauerbrenner in Deutschland. Denn die Quote der Studienanfänger beträgt derzeit 57,5 %, das Ziel ihrer Erhöhung lag jedoch nur bei 40 %. Resultat sind derzeit überfüllte Hochschulen. Die Weiterbildungsquote hat ebenfalls ihr Ziel erreicht: Das Ziel war 50 %, realisert wurde 49 %. Währenddessen schlug die Halbierung der Quote junger Erwachsener im Alter von 20-29 ohne Ausbildung auf 8,5 % besonders fehl; sie wurde nicht im Ansatz erreicht. Auch die Halbierung der Quote aller Schulabgänger ohne Abschluss von 8% auf 4 % bis 2015 wurde nicht erreicht. Insgesamt ist etwa jeder siebte junge Erwachsene in Deutschland ohne Berufsausbildung oder exakt 13,8 % im Jahr 2013. Eigentlich ist das für unsere komplexe und hoch spezialisierte Welt erschütternd. Die eben genannten Ziele haben sich Bund und Länder vor sieben Jahren selbst gesteckt. Die eben dargestellte Kritik an diesen selbst gesteckten Zielen kommt von Bildungsforscher Klaus Klemm im Auftrag des deutschen Gewerkschaftsbundes.

Ein unzureichendes Bildungsniveau sehen auch viele US Politiker in ihrem Land. Die unzureichende Berufsqualifizierung gilt als Achilles-Ferse der US-amerikanischen Wirtschaft. Viele US Politiker wollen deshalb nach eigenen Angaben vom deutschen dualen Bildungssystem lernen. Zu diesem Zweck strebt der US-amerikanische Präsident Obama an, dass ein zweijähriges College für alle jungen Amerikaner zur Norm gemacht wird. Obama meint damit die Community

Colleges, die jedem Highschool-Absolventen offen stehen und von denen es ca. 1100 in den USA gibt. 3.800 US-Dollar pro Jahr kostet der Besuch an diesen Colleges im Moment; die gesamte Finanzierung dieser Colleges wird weitgehend aus öffentlichen Mitteln bestritten. An diesen Colleges kann man Kreditpunkte sammeln, die Universitäten später für einen Hochschulabschluss anerkennen; oder man kann sich für einen Beruf qualifizieren lassen. Diese Communities Colleges sind also eher vergleichbar mit deutschen Berufsschulen. Jetzt will der US-amerikanische Präsident Obama diese Community Colleges für die Bevölkerung kostenlos machen. Die Bundesregierung will drei Viertel dieser 3.800,- EUR jährlich übernehmen, sofern der jeweilige Bundesstaat die verbleibenden 25 % bezahlt. Auch ältere Erwachsene sollen in den Genuss eines solchen kostenlosen Studiums kommen. Insgesamt soll damit auch hier der Arbeitslosigkeit gering qualifizierter junger Amerikaner entgegengewirkt werden. Zu den Gesamtmehrkosten wollte die US-amerikanische Bundesregierung bisher auch auf Anfrage nichts sagen. Fachleute schätzen diese Mehrkosten für einen Zeitraum von zehn Jahren auf mehrere Dutzend Milliarden Dollar.