Männerfreie Zone. Frauenstudiengänge in Deutschland

Insbesondere für die technischen Fächern versuchen Hochschulen Frauen zu begeistern. Dies geschieht teilweise mit Studiengängen nur für Frauen.

An der Hochschule Wilhelmshaven gibt es einen Frauenstudiengang Wirtschaftsingenierwesen, in Stralsund einen Bachelor-Frauenstudiengang ebenfalls in Wirtschaftsingenieurwesen und in Bremen, Berlin und Furtwangen Frauenstudiengänge in Informatik. Alternativen zu Frauenstudiengängen sind spezielle Förderangebote von Hochschulen und Unternehmen wie z.B. in Hamburg, wo das Programm „Pro Technicale“ Abiturientinnen ein Orientierungsjahr in Luft- und Raumfahrttec hnik und Erneuerbare Energien anbietet.

Vorbild für derlei Maßnahmen sind die US-amerikanischen „Women’s Colleges“, Hochschulen nur für Frauen, in denen beispielsweise die frühere Außenministerin Hillary Clinton oder die erste Astronautin der USA, Pamela Melroy, ausgebildet wurden.

Der Hintergrund von Frauenstudiengängen oder in den USA gar reinen Frauen-Hochschulen ist die Erkenntnis, dass bis heute bei der Berufswahl Geschlechterklischees eine große Rolle spielen. Frauen haben oft nach wie vor das Gefühl, nicht in die technische Berufswelt zu passen, auch wenn sie sich als emanzipiert und technikinteressiert bezeichnen. Nur die selbstbewusstesten und fachlich besonders guten Frauen wagen einen technischen Studiengang. So kommt es dazu, dass nur jeder fünfte Studienanfänger in Ingenieurwissenschaften und Informatikstudiengängen eine Frau ist.

Die Ausgestaltungen der Studiengänge in Deutschland ist indes unterschiedlich. In den Hochschulen in Stralsund, Bremen und Berlin bleiben die Studentinnen entsprechend dem US-amerikanischen Vorbild der „Women’s

Colleges“ das gesamte Studium über unter sich. In Wilhelmshaven kommen nach dem dritten Semester Frauen und Männer wieder zusammen. Die Wilhelmshavener wollen damit die Auffassung verhindern technische Frauenstudiengänge seien inhaltlich anders und leichter aufgebaut als „normale“ technische Studiengänge. Und auch die Vorbereitung auf die reale Berufswelt spielt hierbei eine große Rolle, die eben nach wie vor von Männern dominiert wird. Auf dem Abschlusszeugnis ist nicht erkennbar, dass die Frauen die ersten drei Semester in reinen Frauenkursen verbracht haben. Frauen sollen selbst entscheiden, ob sie diesen Aspekt zum Thema machen wollen.

Quelle:
Sommer, Sarah: Frauen und Technik. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18./19.01.2014, S. C 8 (Beruf und Chance – Campus).