Länder wollen Hochschulgelder zweckentfremden

Ab 2015 will der Bund die gesam­ten Bafög-Kos­ten über­neh­men, an denen die Bun­des­län­der bis­her noch zur Hälf­te betei­ligt sind. Die Bun­des­län­der wol­len die­se frei­wer­den­den Gel­der aber gar nicht im Hoch­schul­be­reich belassen.

2015 will der Bund alle BAföG-Kos­ten der Stu­den­ten und Schü­ler über­neh­men. Bis­her müs­sen noch die Bun­des­län­der die Hälf­te der BAföG-Auf­wen­dun­gen bezah­len. Ab 2015, wenn der Bund alle BAföG- Kos­ten über­nimmt, sol­len die Län­der 1,17 Mil­li­ar­den € ein­spa­ren kön­nen. Die Hoff­nung der Hoch­schul­lei­tun­gen war zunächst, die­ses Geld für die Stär­kung der bis­her schwä­cheln­den Grund­fi­nan­zie­rung ins­be­son­de­re der Uni­ver­si­tä­ten zu ver­wen­den. Denn die Uni­ver­si­tä­ten sind auf die soge­nann­te Grund­aus­stat­tung aus Gel­dern der jewei­li­gen Lan­des­re­gie­rung ange­wie­sen. So erlaubt zum Bei­spiel die deut­sche For­schungs­ge­sell­schaft nicht teu­re Gerä­te wie zum Bei­spiel Mess­la­ser oder Com­pu­ter aus För­der­mit­teln zu beschaffen.

Die­se Hoff­nung der Hoch­schul­lei­tun­gen, die­se frei­wer­den­den Lan­des­gel­der wür­den ihnen bzw. ihrer direk­ten Arbeit zugu­te kom­men, wird zuneh­mend getrübt. Denn die ein­zel­nen Bun­des­län­der beab­sich­ti­gen die ein­ge­spar­ten Gel­der höchst unter­schied­lich zu ver­wen­den, nicht sel­ten zweck­fremd. Die BAföG-Gel­der wer­den teil­wei­se unter dem Ober­be­griff Bil­dung in ande­re Bil­dungs­zwei­ge gesteckt. So möch­te Nie­der­sach­sen die ehe­ma­li­gen Lan­des-BAföG-Mit­tel voll­stän­dig für die Kita-För­de­rung nut­zen; dafür hat­te der Bund das BAföG eben nicht voll über­nom­men. Baden-Würt­tem­berg und Sach­sen-Anhalt beab­sich­ti­gen wenigs­tens die Hälf­te der frei­wer­den­den Gel­der in die Hoch­schu­len flie­ßen zu las­sen. Und Hes­sen will die gesam­ten frei­wer­den­den Gel­der in sei­ne Hoch­schu­le ste­cken. Ande­re Bun­des­län­der haben sich hier noch nicht geäußert.

Der Prä­si­dent der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Ber­lin, Chris­ti­an Thom­sen, woll­te des­halb wis­sen, wie das Land Ber­lin gedenkt die frei wer­den­den Mit­tel von geschätz­ten 60–80 Mil­lio­nen Euro zu ver­wen­den. Er frag­te beim Regie­ren­den Bür­ger­meis­ter von Ber­lin an und erhielt zur Ant­wort, „dass man erst ein­mal sehen wol­le, wie der Ber­li­ner (Dop­pel-) Haus­halt gedeckt sei. Wenn am Ende etwas übrig­blie­be, wol­le man sehen, was damit gesche­hen könn­te.“ (zit. Thom­sen 2014). Hoff­nung sieht anders aus. Der Ber­li­ner Finanz­se­na­tor ließ zusätz­lich viel­mehr gar durch­bli­cken, dass für „zusätz­li­che Aus­ga­ben“ kein Geld da sei und mein­te unter die­sen zusätz­li­chen Aus­ga­ben offen­sicht­lich das 

Geld, dass das Land Ber­lin mit­tels der BAföG-Über­nah­me durch den Bund ein­spa­ren wird und die Ber­li­ner Hoch­schu­len haben wol­len. Ter­mi­ne bei den zustän­di­gen Ber­li­ner Sena­to­ren bekam der Prä­si­dent der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Ber­lin nicht.

Dabei will Ber­lin Wis­sen­schaft Haupt­stadt Deutsch­lands sein. Die Unter­fi­nan­zie­rung der Ber­li­ner Uni­ver­si­tä­ten ist augen­fäl­lig. Die stei­gen­den Per­so­nal-und Res­sour­cen­kos­ten tun ihr übri­ges. Und eine Ber­li­ner Beson­der­heit ist: Die Pen­sio­nen für ver­be­am­te­te ehe­ma­li­ge Hoch­schul­leh­rer und auch die Kos­ten für die Bau­er­hal­tung wer­den direkt aus dem Topf der Ber­li­ner Hoch­schul­gel­der finanziert.

Gera­de die Hoch­schul­bau­ten, oft aus den 1960er und 1970er Jah­ren, har­ren vie­ler­orts ihre Sanie­rung. Sanie­rung bedeu­tet in die­sem Fall drin­gen­de bau­li­che Maß­nah­men, die zu Zwangs­schlie­ßun­gen und der Ein­stel­lung des Lehr-und For­schungs­be­triebs füh­ren wür­den, wür­den die­se Maß­nah­men unter­blei­ben. Über 1 Mil­li­ar­de € wer­den für die­se Maß­nah­men der­zeit ins­ge­samt ver­an­schlagt. Ande­ren Bun­des­län­dern geht es ähn­lich. Hes­sen und Nord­rhein-West­fa­len indes haben hier grö­ße­re Bau­pro­gram­me auf­ge­legt, die zumin­dest in Ber­lin der­zeit noch fehlen.

Schön und gut sieht anders aus.

Quel­le:
Thom­sen, Chris­ti­an: Die Sena­to­rin lässt schön grü­ßen, möch­te aber kei­nes­falls gestört wer­den. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 23.09.2014, S. N 4 (Foschung und Lehre)