Krieg gegen Bargeld

Aus der Welt der Volks­wirt­schaft VWL

Die Stif­tung Markt­wirt­schaft hob kürz­lich in einer Stu­die her­vor, dass die kom­plet­te Abschaf­fung von Bar­geld Frei­heit, Pri­vat­sphä­re, Eigen­tums­schutz sowie Schutz gegen umfas­sen­de staat­li­che Über­wa­chung nicht uner­heb­lich beschnei­den würde.

Den­noch schrei­tet die Abschaf­fung von Bar­geld vor­an. Die euro­päi­sche Zen­tral­bank EZB hat ver­gan­ge­nen April die Abschaf­fung des 500-Euro-Scheins nach 2018 beschlos­sen. Der deut­sche Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäub­le will Bar­zah­lun­gen ober­halb von 5.000 € ver­bie­ten. In Euro­pa sind die skan­di­na­vi­schen Län­der Vor­rei­ter die­ser Ent­wick­lung. Die indi­sche Regie­rung hat vor kur­zem alle 500- und 1000-Rupi­en-Schei­ne für ungül­tig erklärt. Das sind mehr als 80 % aller Geld­schei­ne in Indi­en. Die Ver­wer­fun­gen waren danach nicht uner­heb­lich. Denn die Inder muss­ten alle die­se Schei­ne auf ihre Bank­kon­ten ein­zah­len, um sie dann in klei­ne­ren Schei­nen wie­der abhe­ben zu kön­nen. Das Pro­blem: Die Mehr­heit aller Inder hat über­haupt kein Bank­kon­to, in den länd­li­chen Regio­nen Indi­ens gibt es über­haupt kei­ne Ban­ken, und Smart­pho­nes für digi­ta­le Zah­lun­gen besit­zen Hun­der­te Mil­lio­nen Inder eben­falls nicht. Aus­tra­li­en hat trotz­dem danach sein Inter­es­se an die­sem indi­schen Vor­ge­hen kund­ge­tan. Auch Aus­tra­li­en will eine Demo­ne­ta­ri­sie­rung, wenigs­tens zunächst eben­falls in Form eines Ein­zugs der höchs­ten Banknoten.

Zumin­dest die indi­sche Regie­rung hat die Ent­wer­tung der bei­den höchs­ten Geld­schei­ne mit dem Kampf gegen Schwarz­ar­beit und Kor­rup­ti­on begrün­det. Tat­säch­lich aber ist ein Groß­teil allen Schwarz­gel­des in Immo­bi­li­en oder Gold inves­tiert oder liegt auf Aus­lands­kon­ten. Als zwei­ten Grund führ­te die indi­sche Regie­rung die För­de­rung bar­geld­lo­ser Zah­lun­gen an. Die Unter­neh­mens­be­ra­tungs­ge­sell­schaft Bos­ton Con­sul­ting Group und Soft­ware­kon­zer­ne, genau­er Fin­Tech-Unter­neh­men, wir­ken mit, nach dem Wil­len der indi­schen Regie­rung das gesam­te Wirt­schafts­sys­tem des Lan­des auf bar­geld­lo­se Zah­lun­gen umstellen.

Mitt­ler­wei­le wird unter VWL-ern ver­mu­tet, dass auf höchs­ter Ebe­ne eine Grup­pe von 30 Ban­ken, Zen­tral­ban­ken und Öko­no­men, schon als „Group of Thir­ty“ bezeich­net, die schritt­wei­se Abschaf­fung des Bar­gel­des vor­an­treibt. Dies zumin­dest äußert der Wirt­schafts­jour­na­list und Buch­au­tor Nor­bert Häring. Genaue Bewei­se gibt es bis­her nicht. Anhalts­punk­te für die­se Ver­mu­tung unter VWL-ern sind indes, dass eini­ge Mit­glie­der die­ser 30er-Grup­pe wie zum Bei­spiel Ken­neth Rog­off als frü­he­rer IWF-Chef­volks­wirt oder Lar­ry Sum­mers als ehe­ma­li­ger ame­ri­ka­ni­scher Finanz­mi­nis­ter die Abschaf­fung des Bar­gel­des ent­schie­den gutheißen.

Rog­off führt eben­falls das Argu­ment an, gro­ße Men­gen an Bar­geld wür­de vor allen Din­gen das orga­ni­sier­te Ver­bre­chen benö­ti­gen. Die­ses Argu­ment wur­de auch von der EZB ange­führt, um den 500-Euro-Schein abzu­schaf­fen. Rog­off unter­streicht aber auch in der Tat posi­tiv, dass es für den Ein­zel­nen ohne grö­ße­re Geld­schei­ne kei­ne Aus­weich­mög­lich­keit mehr von Nega­tiv­zin­sen gebe, indem die Bar­ver­mö­gen ein­fach abge­ho­ben wür­den. Gäbe es kein Bar­geld mehr, wür­de aus geld­po­li­ti­sche Sicht in der Tat die Unter­gren­ze zur Sen­kung des Leit­zin­ses auch noch entfallen.

Der für Bar­geld zustän­di­ge EZB-Direk­tor Yves Mersch gab nach der Ent­schei­dung der EZB, den 500-Euro-Schein abzu­schaf­fen, öffent­lich zu Pro­to­koll, dass es ein Anti-Bar­geld-Kar­tell gebe: die­je­ni­gen Zen­tral­ban­ker und Öko­no­men, die im Nega­tiv­zins tat­säch­lich eine Sti­mu­lie­rung der Volks­wirt­schaf­ten sehen; die Finanz-Tech-Alli­anz, der Mil­li­ar­den­pro­fi­te winkt, wenn es nur noch mit und über ihre Soft­ware-Pro­duk­te bar­geld­lo­se Zah­lun­gen geben wür­de; sowie die Recht-und-Ordnung-Vertreter.

Die Bun­des­bank in Deutsch­land will den Bür­gern Bar­geld noch erhal­ten. Den Druck dage­gen spü­ren jedoch auch die Bun­des­ban­ker schon seit län­ge­rem. Ein welt­wei­ter „Krieg gegen das Bar­geld“ sei im Gan­ge, äußer­te der für Bar­geld zustän­di­ge Zen­tral­be­reichs­lei­ter Ste­fan Hardt.

Quel­le: nach Pli­ckert, Phi­lip: Ein glo­ba­ler „Krieg gegen das Bar­geld“. FAZ 09.01.2017, S. 16.