Kinder in Bildung und Gesellschaft aktuell

Elterlicher Entscheidungswille verschärft soziale Spaltung von Bildungskarrieren? • Schlechter Ruf für Familien mit überdurchschnittlich vielen Kindern

Zwei Bildungsforscher des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) haben kürzlich durch einen Vergleich schulrechtlicher Regelungen in verschiedenen Bundesländern aufgezeigt, dass es die soziale Ungleichheit der Bildungskarrieren von Kindern verschärft, wenn deren Eltern bestimmen dürfen, welche weiterführende Schule ihr Grundschulkind besuchen soll. Kinder aus sozial höher gestellten Elternhäusern haben seit langem schon eine bis zu fünfmal höhere Chance, das Gymnasium zu besuchen als Arbeiterkinder. Die sogenannte Freigabe des Elternwillens erhöht diese Selektivität indes weiter.

Die beiden Forscher, die selbst kleine Kinder haben, äußern hierzu: „Spontan würden zwar auch wir mit Ja antworten, wenn wir gefragt würden, ob wir frei über die Schulwahl bestimmen wollen. … Als Wissenschaftler kommen wir allerdings zu dem Schluss, dass uns diese Frage gar nicht gestellt werden sollte. … Ein sinnvolles Gegenmittel gegen die soziale Ungleichheit der Schulkarrieren ist die Aufgliederung nach Schulformen zu einem späteren Zeitpunkt.“ (zit. Wissenschaftsforschung Berlin für Sozialforschung 2013). Auch Prüfungen oder die Einschätzung durch Lehrer seien kritisch zu sehen.

Längeres gemeinsames Lernen kann Bildungskarrieren von Kindern also gleicher machen, so das Fazit dieser beiden Forscher.

Quellen dieser News:
Wissenschaftsforschung Berlin für Sozialforschung (WZB) (Hg.): WZB-Forscher warnen vor Mitspracherecht der Eltern bei der Schulwahl. Pressemitteilung vom 09.12.2013, http://www.wzb.eu/de/pressemitteilung/wzb-forscher-warnen-vor-mitspracherecht-der-eltern-bei-der-schulwahl (Stand 23.12.2013).
Helbig, Marcel; Gresch, Cornelia: Soziale Spaltung am Ende der Grundschule. Wo Eltern das letzte Wort haben, kommen noch weniger Arbeiterkinder aufs Gymnasium. WZBrief Bildung 26, Dezember 2013. Hrsg. v. Wissenschaftsforschung Berlin für Sozialforschung (WZB), http://bibliothek.wzb.eu/wzbrief-bildung/WZBriefBildung262013_helbig_gresch.pdf (Stand 23.12.2013).

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15 Prozent aller Frauen des Jahrgangs 1963-1967 haben drei Kinder oder mehr. 30 Jahre ältere Frauen hatten doppelt so oft drei Kinder oder mehr, so zumindest der Mikrozensus 2012 laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) letzten Donnerstag.

Eine Ursache dieser Entwicklung könnte laut BiB die Tatsache sein, dass Familien mit überdurchschnittlich vielen Kindern in der deutschen Gesellschaft schlecht angesehen sind. Eine repräsentative Umfrage des BiB ergab nämlich, dass knapp drei von vier jungen und noch jüngeren Erwachsenen eben dies glauben (exakt 72% der 20-39-Jährigen). Fast genauso viele kinderlose Erwachsene teilen diese Meinung (69%) und in etwa ebenso viele Eltern mit einem Kind oder zwei Kindern (76%). Signifikant abweichend ist indes der Anteil der selbst betroffenen kinderreichen Eltern: Hier glauben vier von fünf, ein schlechtes Image in der Gesellschaft zu haben (81%).

Quelle:
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) (Hg.): „Ihr Kinderlein, kommet …“ – aber kinderreiche Familien haben Negativ-Image. Pressemitteilung Nr. 14/2013 vom 19.12.2013, http://www.bib-demografie.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Download/Grafik_des_Monats/2013_12_ansehen_kinderreicher_familien.pdf?__blob=publicationFile&v=2 (Stand 23.12.2013) [Alternativ-URL: http://www.bib-demografie.de/SharedDocs/Meldungen/DE/Aktuelles_Box/2013_12_19_gdm_12_ansehen_kinderreicher.html]