Insolvente Business Schools?

Die finanzielle Schieflage der Gisma Business School in Hannover und der Humboldt Viadrina School of Governance in Berlin haben letztes Jahr gezeigt, dass Business Schools bzw. private Wirtschaftshochschulen nicht besser und nicht schlechter wirtschaften als andere Unternehmen. Der Konkurrenzdruck vor allem um lukrative Masterstudiengänge wird stärker.

Business Schools sind teuer. Und trotzdem geht es vielen nicht gut. Der Grund ist, dass sich die Anbieterzahl in den letzten Jahren praktisch verdoppelt hat. Der Konkurrenzkampf ist also intensiver geworden. Und die Kunden von Business Schools sind Menschen zwischen dem ersten Studienabschluss und dem Rentenalter, wollen meist ein hochwertiges Masterstudium absolvieren, und sind insbesondere aufgrund der hohen Kosten eines solchen relativ kurzen Studiums teilweise sehr kritisch und abwägend bei der Auswahl ihrer Business School.

Weiterhin werden Business Schools zumindest in Deutschland vom Staat kaum unterstützt. Nur 10 % der Finanzierung steuert der Staat bei. Die deutschen Business Schools hätten gern, dass sich der staatliche Finanzierungsanteile auf ein Viertel erhöht.

Demgegenüber sieht die Lage von Business Schools insbesondere in den USA ganz anders aus. Hier stehen hinter Schulen mit nicht selten jahrhundertelanger Tradition wohlhabende ehemalige Studenten, Professoren, Stiftungen, Unternehmen, und nicht selten haben Privathochschulen in den USA Kapitalbeteiligungsgesellschaften hinter sich, die Hochschulanteile halten und schließlich auf eine gute Rendite hoffen. Geld gibt es für Business Schools zumindest in den USA also reichlich.

Die dazu vergleichsweise sehr schlechte Situation deutscher Business Schools wurde am Beispiel der Gisma Business School in Hannover und der Humboldt Viadrina School of Governance in Berlin ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Beiden drohte noch kürzlich die Insolvenz.

Demgegenüber stehen zum Beispiel die Mannheim Business School (MBS), die European School of Management and Technologie (ESM T) in Berlin oder die private Fachhochschule für Ökonomie und Management (FOM) mit Haupthauptsitz in Essen. Das Geheimrezept aller dieser erfolgreichen Business Schools oder privaten Hochschulen: Vorsichtig und umsichtig agieren, investieren und finanzieren, wie das eben ein vorsichtiger Kaufmann tun sollte. Und ein anderes

weitergehendes Geheimrezept dieser erfolgreichen Business Schools und privaten Hochschulen: Hinter ihnen stehen oft Stiftungen, die gemeinnützig agieren und deren Mitglieder wie in den USA auch wohlhabende Einzelpersonen sind und nicht selten auch diejenigen Professoren, die dann in der jeweiligen Hochschule lehren.

Mit am besten hat es hierbei wohl die Mannheim Business School. Denn diese Hochschule ist aus dem Fachbereich BWL der Universität Mannheim hervorgegangen, musste kein extra Personal einstellen, zumindest anfangs nicht, musste keine neuen oder anderen Professoren rekrutieren, und selbst um die Baulichkeiten musste sich diese Hochschule in ihrer Gründungsphase nicht kümmern. Letzteres gilt bis heute. Es werden die Gebäude der Universität Mannheim genutzt. Das führt unter anderem nebenbei auch zu einer höheren Akzeptanz und Aufwertung der Mannheim Business School aufgrund eben ihrer Nähe zu einer staatlichen Universität. Das ist ein klarer Konkurrenzvorteil. Die Mannheim Business School ist auch regelmäßig mit die beste Wirtschaftshochschule Deutschlands wenn nicht die beste überhaupt, gemäß internationaler Hochschul- und oder Business-School-Rankings. Ein Masterstudiengang von einem Jahr kostet hier aktuell satte 36.000,- EUR.

Quelle dieser News:
Pabst, Josephine: Business Schools im Überlebenskampf. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 03./04.01.2015, S. C 3 (Campus).