Hamburger Universitäten sind Gelddruckmaschinen

Das zumindest behauptet eine neue Studie – in Auftrag gegeben von den Universitäten Hamburgs.

Ein Euro Input erbringt 2,10 € Output. Das zumindest soll bei den Hamburger Universitäten so sein.

Diese, sechs an der Zahl, beauftragten das Beratungsunternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin mit der Frage, wie viel Plus, konkret wie viel Gewinn, das Land Hamburg durch ihre Existenz erwirtschaftet. Ergebnis: Jeder für die Hamburger Universitäten ausgegebene Euro des Landes Hamburg bringt mehr als das Doppelte zurück. Einen ähnlichen materiellen Gewinn ließen sich 2013 schon die Berliner Hochschulen in einer vergleichbaren Studie von demselben Berliner Wirtschaftsinstitut bescheinigen.

Die Studie ist für die Hamburger Universitäten wichtig. Denn sie wollen mit der Hamburger Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt einen neuen Etat aushandeln. Das will das Land jedoch frühestens in zwei Jahren, und auch nur dann, wenn die Universitätskosten kräftig steigen. Nun haben die Hamburger Universitäten ein schlagkräftiges Argument in der Hand, wie wertvoll sie doch tatsächlich für das Land Hamburg sind. Die Wissenschaftssenatorin redet sich jetzt natürlich heraus, indem sie den Wert eine Universität primär nicht nach ökonomischen Kriterien bemisst sehen will, sondern nach ideellen. Die Aussage der Studie, welche Relevanz Hochschulen für die Gesellschaft doch hätten, findet die Wissenschaftssenatorin dennoch gut.

In dieser Studie wurden auf der einen Seite die Ausgaben der Studenten und Universitäten zusammenaddiert. Insbesondere Studenten kommen in die Stadt, geben dort Geld aus und beflügeln so den Konsum im Land Hamburg. Weiterhin wurden die wirtschaftlichen Effekte der Ausgaben der Universitäten und der mit ihnen verbundenen Unternehmen als Geldsegen für das Land Hamburg eingerechnet. Der dritte Geldstrom nach Hamburg sind nach dieser Studie dann die Hochschul-Drittmittel. Weiterhin stehen auf der Geldzuflussseite für den Staat die Steuereinnahmen aus dem universitätsinternen Betrieb und die Stimulanzien auf den Arbeitsmarkt durch das gesamte Universitätsmilieu.

Davon abgezogen wurde auf der anderen Seite alles, was nicht in die regionale Wirtschaft fließt.

So kommt ein Wertschöpfungsbetrag von 1,3 Milliarden € pro Jahr für das Land Hamburg dabei heraus.

Ein bisschen schmalspurig scheint diese Studie zu sein. Denn Imagefaktoren oder der Attraktivitätsgewinn für Unternehmen durch die Nähe vieler Akademiker wurde in dieser Studie nicht mit eingerechnet; allerdings muss man dazu auch sagen, dass derlei immaterielle Werte immer schlecht bewertet werden können. Vor allem aber wurde in dieser Studie von Anfang an darauf verzichtet, die eigentliche Wertschöpfung von Universitäten und Hochschulen, nämlich den gesellschaftlichen Bildung-und Wissenszuwachs, in irgendeiner Weise monetär zu erfassen. Auch hier gibt es naturgemäß Probleme, teilweise erhebliche, derlei immaterielle Werte zu monetarisieren. Dennoch, ein Versuch, dieses Wesen von Hochschulen und Universitäten in eine solche Studie in Geld mit einzubeziehen wäre vielleicht doch angezeigt gewesen.

Auf der anderen Seite hat diese Studie auch die Allgemeinkosten für Universitäten und Studenten nicht berücksichtigt, die nicht vom Hochschuletat abgedeckt sind. Und vor allem hat diese Studie keine Vergleichsrechnung gemacht, wie Hamburg aussehen würde und wie die wirtschaftliche Situation in Hamburg wäre, wenn es hier überhaupt keine Universitäten geben würde.

Insgesamt kann man diese Studien also alles andere als als umfassend bezeichnen. Dennoch streichen die Hochschulen und Universitäten selbst ihre wirtschaftliche Effizienz jetzt natürlich heraus. Diese Nutzenrechnung machen sich selbst die Hamburger Universitätspräsidenten jetzt zu eigen. So unterstreicht der Präsident der Hafen-City-Universität Hamburg, Walter Pelka, dass der Staat für einen Euro, den ergibt, das Doppelte von den Universitäten und Hochschulen zurückbekommt. Und auch Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg und berüchtigt geworden durch sein Vorschlag, akademischen Ghostwritern für Hochschularbeiten und auch deren Kunden einen extra Paragrafen im Strafgesetzbuch zu widmen, unterstreicht, dass der Staat umso mehr Gewinn mache, je mehr Geld er in die Hamburger Hochschulen und Universitäten stecke.

Quellen dieser News:
Thiel, Thomas. Wir geben doppelt zurück. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21.01.2015, S. N 4 (Forschung und Lehre).

Weiterführende Links:
Ghostwriter.nu: Tödliche Hochschul-Drittmitteleinwerbung. Ghostwriter.nu-News vom 17.01.2015.
Ghostwriter.nu: Der Markt in der Hochschule versagt . Ghostwriter.nu-News vom 19.11.2014.
Ghostwriter.nu: Neues Strafgesetz gegen akademische Ghostwriter und deren Kunden? Ghostwriter.nu-News vom 08.08.2012.