G8-Abitur – Hochschulgesetz in Baden-Württemberg – „Brain Drain“?

Das G8-Abitur steht deutschlandweit vor dem Aus. – Geändertes Hochschulgesetz Baden-Württembergs soll die Hochschulen dazu verpflichten, eine Zwangs-Zweitveröffentlichung in Eigenregie durchzusetzen. – Überzeichnung eines wissenschaftlichen Wissensabflusses in Deutschland?

Das G8-Abitur steht deutschlandweit vor dem Aus.

70 Prozent aller Eltern in Deutschland wollen ihr Kind auf dem Gymnasium sehen. Davon lehnen wieder 70 Prozent zumindest der Hamburger Eltern das G8-Abitur stirkt ab. Derzeit laufende Volksinitiativen gegen das G8-Abitur in Hamburg und Bayern setzen letztlich alle Bundesländer bei diesem Thema zusätzlich unter Druck.

Anscheinend sind zumindest die alten westdeutschen Bundesländer deshalb mittlerweile offenbar „weichgekocht“. Alle westlichen Bundesländer werden in Kürze den Gymnasien mindestens erlauben, nach freiem Gutdünken G8- oder G9-Abitursgänge zur freien Wahl anzubieten. Bundesländer haben die Bildungshoheit, nicht die Bundesregierung. So weit sind die neuen ostdeutschen Bundesländer noch nicht. Aber „der Zug“ in Richtung wieder altes G9-Abitur fährt offenbar schneller, als alle Beteiligten gedacht haben.

Und wer wusste übrigens: Ein deutscher Bachelorabschluss von G8-Abiturienten wird im gesamten anglosächsischen Raum nicht anerkannt, ein deutscher Bachelorabschluss von G9-Abiturienten hingegen schon!

Quelle:
Schmoll, Heike: Unausweichliche Rückkehr. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.02.2014, S. 1.

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Geändertes Hochschulgesetz Baden-Württembergs soll die Hochschulen dazu verpflichten, eine Zwangs-Zweitveröffentlichung in Eigenregie durchzusetzen.

Vor knapp fünf Monaten wurde das Urheberrechtsgesetz dahingehend geändert, dass vom Staat wenigstens zur Häflte bezahlte Wissenschaftler ihre Publikationen, die von gewerbsmäßig agierenden Verlagen veröffentlicht wurden, 12 Monate nach einer solchen Verlags-Veröffentlichung zusätzlich selbst veröffentlichen können (nicht müssen; „unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht“ bzw. Stichwort „Open Access“, § 38, Abs. 4 UrhG).

Nun setzt das Wissenschaftsministerium Baden-Württembergs noch „eins oben drauf“. Eine neue Änderung des Hochschulgesetzes dieses Landes, das im April 2014 verabschiedet werden soll und das bisher offenbar im Einvernehmen mit den baden-württembergischen Hochschulen erarbeitet

wurde, sah bis vor Kurzem vor, dass akademische Autoren im Rahmen o.g. Kann-Zweitveröffentlichungsrecht gemäß § 34, Abs. 4 UrhG diese Zweitveröffentlichung realisieren müssen (nicht können). Nach Protesten zuckte das baden-württembergische Wissenschaftsministerium zurück – und schiebt jetzt aktuell den „schwarzen Peter“ den Hochschulen selbst zu. Diese sollen jetzt selbst Regeln aufstellen, wie diese Zwangsveröffentlichung durchgesetzt werden soll.

Quellen:
Reuss, Roland: Man muss sie zwingen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.02.2014, S. 32.
Ghostwriter.nu: Neues Hochschulgesetz auch in Baden-Württemberg. Ghostwriter.nu-News vom 30.12.2013.

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Überzeichnung eines wissenschaftlichen Wissensabflusses in Deutschland?

Heute, Mittwoch, den 26.02.2014, übergibt die in der Öffentlichkeit weithin unbekannte „Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)“ Bundeskanzlerin Angelika Merkel ihren neuesten Forschungsbericht. Darin, so meint die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ heute, würde ein angeblicher Wissensabfluss von Wissenschaftlern aus Deutschland heillos überzeichnet (o. V. 2014). Realität sei vielmehr ein weltweiter „Brain Circulation“ als akademischer Normalzustand. Ghostwriter.nu schließt sich dieser Wertung an.

Quellen:
o. V. (2014): Zweite Wahl. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26.02.2014, S. N 1 (Natur und Wissenschaft).
Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI): Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands 2014, http://www.e-fi.de/fileadmin/Gutachten_2014/EFI_Gutachten_2014.pdf (Stand 26.02.2014); Kurzfassung dieses Gutachtens unter http://www.e-fi.de/fileadmin/Gutachten_2014/EFI_Gutachten_2014_Kurzfassung.pdf (Stand 26.02.2014).