Elektronische Bücher spionieren Leser aus

Der mit Abstand größte US-amerikanische Lieferant von Lehrbüchern entwickelt seit etwa einem Jahr ein ausgeklügeltes IT-System, dass das Leserverhalten von Lesern elektronischer Bücher genau aufzeichnet. Amazons “Whispercast“ geht in eine ähnliche Richtung. Kritische Stimmen im deutschsprachigen Raum gibt es hierzu bisher nicht.

1.

CourseSmart Analytics heißt das IT-System, mit dem das Leseverhalten elektronischer Bücher bei Studenten vollständig aufgezeichnet und analysiert werden kann. Mit diesem sogenannten Trackingsystem (dt.Verfolgungs-System) kann aufgezeichnet werden, wie lange sich ein Student auf einer jeweiligen Buchseite aufhält, welche Seiten überblättert werden, oder es können aufgrund dieses Leseverhaltens Rückschlüsse gezogen werden auf Passagen, die Studenten offensichtlich Mühe bereiten. Diese Überwachungsdaten dienen dann der Ermittlung von so genannten „Engagement Scores“ (dt. Auswertung der [inneren] Einstellung), die Dozenten dann verwenden können. CourseSmart heißt das Unternehmen, das dieses Trackingsystem im Jahr 2012 auf den Markt gebracht hat. Gleich drei US-amerikanische Universitäten erklärten sich damals zu Testzwecken für dieses Trackingsystem bereit. Dieses Jahr sind es bereits neun US-amerikanische Hochschulen.

Das Unternehmen CourseSmart vertreibt 90 Prozent aller Lehrbücher in Nordamerika, ist von den Verlagsgiganten Pearson und McGraw-Hill Education 2007 gegründet worden und verfolgt mittlerweile globale Ambitionen. So wurde erst kürzlich bekannt, dass dieses Unternehmen auch in den Nahen Osten und nach Afrika zu expandieren gedenkt.

2.

Ein ähnliches „Projekt“ stieß Amazon erst Mitte Oktober 2012 an, das war vor drei Monaten: die Internetplattform „Whispercast“. Über diese bisher nur englischsprachig gehaltene Plattform können Schulen praktisch sämtliche Funktionalitäten des Kindle ihrer Schüler zentral an- oder abschalten. Ganz neu ist „Whispercast“ indes nicht: Die Klagen über willkürliche Eingriffe von bereits gekauften elektronischen Inhalten bei Kindle-Benutzern durch Amazon direkt häufen sich kontinuierlich; Amazon konnte von Beginn des „Kindle“ an zentral und „aus der Ferne“ in die Inhalte elektronischer Bücher von Privatnutzern eingreifen bis hin zur Löschung ganzer elektronischer Bücher und damit sowohl in das Privatrecht als auch in die Privatsphäre eines jeden Kindle-Nutzers.

3.

Diese Entwicklungen, die zum Ziel haben, Leser elektronischer Bücher auszuspionieren, sind unheimlich. Medienkritiken oder eine Beschäftigung mit diesen Entwicklungen auf anderen gesellschaftlichen Ebenen sucht man im gesamten deutschsprachigen Raum bisher vergebens. Mit diesen „Engagement Scores“, die durch das IT-System CourseSmart Analytics erhoben werden können, können Online-Akten über jeden Studenten erstellt werden – die später dann jeder Arbeitgeber auch lesen könnte. In Verbindung mit Facebook oder Google könnten derart erhobene Lesegewohnheitsdaten neue personalisierte Werbemöglichkeiten eröffnen. Eine intellektuelle Durchleuchtung von Lesern elektronischer Bücher auch in nichtdemokratischen Staaten könnte grundsätzlich weitgehend realisiert werden.

Nur die Augenbewegungen bei Lesen elektronischer Bücher können (wohl?) noch nicht überwacht werden.

Das Lesemedium „elektronisches Buch“ insgesamt steht damit, bevor es noch einen wirklichen Durchbruch erfahren hat, bereits jetzt schon vor der Pervertierung: Wer so etwas weiß wie hier dargestellt, wird künftig die Finger von elektronischen Büchern lassen. Wer als Schüler oder Student zu derlei Lernmedien gezwungen wird, wie sie CourseSmart gerade entwickelt, wird sie austricksen. Faule oder desinteressierte Schüler oder Studenten lassen bestimmte Seiten von elektronischen Lehrbüchern eben ein bisschen länger online geöffnet, um ein besseres „Engagement Score“ zu erhalten, während kundige Schüler und Studenten praktisch automatisch einen niedrigeren „Engagement Score“ bekommen werden, wenn sie elektronische Lehrbücher oder Teile davon einfach nur durchblättern und dann wieder schließen, weil sie sowieso schon das Meiste wissen. Amazons „Whispercast“ wird dazu führen, dass sich wissbegierige und agile Schüler von dieser Lernform wenigstens innerlich abwenden und ihren Wissensdurst an anderer Stelle stillen.

Diese Entwicklung in direkt Orwell’schem Ausmaße ist nicht nachvollziehbar und eine fundamentale Gefahr für jegliche Wissensvermittlung online.

Das Unternehmen Ghostwriter.nu ist mit seinen zahlreichen, sehr gut qualifizierten akademischen Autoren und Ghostwritern seit Langem schon äußerst erfolgreich und engagiert an vorderster „Wissensfront“ tätig und bietet hoch qualifizierte Unterstützung für Diplomarbeiten, Dissertationen bzw. Doktorarbeiten / Promotionen, Bachelor Thesis bzw. Bachelorarbeiten, Master Thesis bzw. Masterarbeiten, Magisterarbeiten und Hausarbeiten bzw. Seminararbeiten in zahllosen Fachbereichen.

Harald Bahner

Quellen dieser News:

CoursSmart: coursesmart.com, die Anzahl der CourseSmart Analyticx unterstützenden US-amerikanischen Hochschulen unter coursesmart.com/media.

CourseSmart Analytics: coursesmart.com/go/institutions/analytics.

Amazon’s “Whispercast”: whispercast.amazon.com.

Morozov, Evgeny: „Die Ausspionierten“. Aus dem Englischen von Matthias Fienbork.. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15.01.2013, S. 29, hier ohne Angabe des Verfassers, im Internet unter faz.net/aktuell/feuilleton/silicon-demokratie/kolumne-silicon-demokratie-die-ausspionierten-12024866.html (Stand 21.01.2013).