Eignungstests vor Noten

Jobs-Eignungstests gewinnen immer mehr Bedeutung gegenüber Abschlusszeugnissen. Dies gilt auch für Hochschulabsolventen

50.000 Bewerbungen für Ausbildungsplätze erhält die Deutsche Bahn pro Jahr – bei 4.000 Ausbildungsplätzen. Seit dem Sommer diesen Jahres setzt die Deutsche Bahn deshalb einen Online-Test ein, der allein entscheidet, ob ein Bewerber in die engere Auswahl für einen ausbildungsplatz oder ein duales Studium kommt.

Auch andere Unternehmen gehen zu derlei Bewerber-Tests über. Im Wesentlichen geht es dabei um logisches Denken, Merkfähigkeit, Verarbeitskompetenz, aber eben auch um die Persönlichkeit, Praktika, Auslandserfahrungen u.a.

Viele Unternehmen sind der Noten müde. Das macht auch vor Hochschulabsolventen nicht Halt. Denn die Noten werden hier einerseits immer besser, andererseits aber auch immer intransparenter. Die Bologna-Hochschulstudiengänge Bachelor und Master waren dafür gedacht, mehr Vergleichbarkeit und Kompatibilität zu schaffen. Tatsächlich müssen Personaler – und dies war abzusehen – jetzt die Qualität der Hochschule und deren entsprechenden Hochschulqualifikationen selbst bewerten, weil es zu viele zu unüberschaubare Bachelor- und Master-Studiengänge und Hochschulqualifikationen, sprich: eben nicht Vergleichbares, gibt. Die weitere Globalisierung, neue Technologien und – allerdings wie schon seit 100 Jahren – weiter voran schreitende heterogene Strukturen bringen weitere Anforderungen an künftige Mitarbeiter. Der Leiter der zum Bertelsmann-Konzern gehörigen Personalmarketing-Agentur „Embrace„, Gero Hess, bringt es in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom vergangenen Wochenende auf den Punkt: „Querdenker, Teamfähigkeit und Kreativität sind gefragt. Aber das erreicht man nicht durch ein Schablonen-Studium an einer Elite-Universität.“ (zit. Hesse nach Uhtenwoldt 2013).

Durchgehend ist das neue Vorgehen in Sachen (Online)Eignungstests zur Rekrutierung von Hochschulabsolventen als neue Mitarbeiter indes (noch) nicht. Für die BASF beispielsweise bleiben die Hochschulzeugnisse weiterhin maßgeblich, wenn auch gepaart ebenfalls mit Eignungstests. In der Welt des Personalwesens wird dies u.a. Prinzip „Zeugnis plus“ bezeichnet.

Quelle dieser News: Uhtenwoldt, Deike: Noten in Nöten, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30.11./01.12.2013, S. C 8 (Beruf und Chance – Campus).