Deutschland ohne Gymnasien

Schul­po­li­tik in zwei Bun­des­län­dern letz­te Woche und damit Hoch­schul­po­li­tik: 1. Die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung Nie­der­sach­sens will per neu­em Schul­ge­setz ab 2015/16 die Gym­na­si­en in die­sem Bun­des­land fak­tisch abschaf­fen. 2. Und das rot-grü­ne Nordhr­ein-West­fa­len wird doch nicht zum G9-Abitur zurückkehren. 

Neue Bildungspolitik in Niedersachsen

Die Schul­trä­ger in Nie­der­sach­sen wer­den ab August/September 2015 von der Pflicht befreit, neben der Gesamt­schu­le auch ande­re For­men des geglie­der­ten Schul­we­sens vor­zu­hal­ten. Das kün­dig­te die nie­der­säch­si­sche Kul­tus­mi­nis­te­rin Frau­ke Hei­li­gen­stadt (SPD) letz­te Woche der Öffent­lich­keit an. Die soge­nann­te Inte­grier­te Gesamt­schu­le (IGS) soll in der Flä­che nicht mehr die ergän­zen­de, son­dern die erset­zen­de Schul­form wer­den. Gym­na­si­en sol­len nur noch dort von den Schü­lern erreicht wer­den kön­nen, wo die Zumut­bar­keits­gren­ze ist. Die wird per aktu­el­ler Recht­spre­chung der­zeit auf 60 Minu­ten pro Tag und ein­fa­cher Stre­cke taxiert. So wären in Nie­der­sach­sen, wenn die­se Aus­ra­die­rung der Gym­na­si­en von der Land­schaft durch die­se Hin­ter­tür rea­li­siert wür­de, nur noch 30 Gym­na­si­en not­wen­dig – wenn es denn noch Eltern gäbe, die ihren Kin­dern einen der­ar­ti­gen Schul­weg zumu­ten wür­den. Hin­zu kommt, dass die in Nie­der­sach­sen ohne­hin nicht bin­den­de Schul­lauf­bahn­emp­feh­lun­gen nach der vier­ten Klas­se künf­tig ganz abge­schafft wer­den sol­len. Auch die auto­ma­ti­sche Abschu­lung nach zwei­ma­li­gem Sit­zen­blei­ben in Gym­na­si­en nach der sechs­ten Klas­se soll bald der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren; statt­des­sen soll es künf­tig einen „Ermes­sens­spiel­raum“ geben, also per­ma­nen­ten Streit zwi­schen Eltern und Schu­le und fak­tisch ein gym­na­sia­les Unter­richts­ni­veau für das schwächs­te Glied. Grund­schu­le und Gesamt­schu­le sol­len künf­tig auch in einer räum­li­chen Ein­heit zusam­men­ge­fasst wer­den; damit müs­sen Schü­ler, die auf ein Gym­na­si­um gehen wol­len, einen ech­ten Schul­wech­sel in einer frem­den Umge­bung hin­le­gen, wäh­rend Gesamt­schü­ler bis zur letz­ten Klas­se in ihrer gewohn­ten Umge­bung blei­ben können.

Und weil man eben schon dabei ist, soll zumin­dest in Nie­der­sach­sen auch das Leis­tungs­prin­zip auf brei­ter Flä­che von den Schu­len ver­bannt wer­den. Eine Not­um­ge­bung in der gesam­ten Grund­schu­le soll laut­ge­nann­tem Schul­ge­setz in Zukunft gänz­lich entfallen. 

Nach die­sem top-moder­nen rot-grü­nen Schul­ge­setz in Nie­der­sach­sen sol­len aber nicht nur die Gym­na­si­en aus­ra­diert wer­den. Auch die För­der­schu­len „Ler­nen“ und „Spra­che“ sol­len ein­fach abge­schafft wer­den. Statt­des­sen sol­len soge­nann­te „Regio­nal­stel­len für schu­li­sche Inklu­si­on“ in den ein­zel­nen Land­krei­sen ein­ge­rich­tet wer­den. Die nie­der­säch­si­sche Kul­tus­mi­nis­te­rin Hei­li­gen­stadt gab hier auch ganz unum­wun­den zu, dass die Fahr­schu­len ins­ge­samt ganz sanft aus­lau­fen würden.

Der Phi­lo­lo­gen­ver­band hat nach die­ser neu­en rot-grü­nen Bil­dungs­po­li­tik „har­ten Wider­stand“ gegen eine „Gesamt­schul-Mono­kul­tur“ ange­kün­digt.

Neue Bildungspolitik in Nordrhein-Westfalen

Dem­ge­gen­über hat sich das rot-grü­ne Nord­rhein-West­fa­len eben­falls letz­te Woche doch gegen eine Rück­kehr zum Abitur nach neun Jah­ren ent­schie­den und damit auch sei­nen Bei­trag zur Mini­mie­rung des Gym­na­si­ums und damit der künf­ti­gen Hoch­schul­bil­dung geleis­tet. Ein gro­ßer run­der Tisch von rund 60 Ver­tre­tern aus Wis­sen­schaft, Wirt­schaft, Kir­chen sowie Leh­rer-und Eltern­ver­bän­den haben die­se Ent­schei­dung in einem 10-Punk­te-Plan mona­te­lang erar­bei­tet. Die­se Run­de Tisch emp­fiehlt – und das ist eine klas­se brand­neue Per­spek­ti­ve fast schon auf Nobel­preis­ni­veau – eine Beschrän­kung der Haus­auf­ga­ben, des Lern­stoffs und des Nach­mit­tags­un­ter­richts. Der Ver­band Erzie­hung und Bil­dung (VBE) monier­te dage­gen, der „Kon­struk­ti­ons­feh­ler von G8“, die Ver­dich­tung der Sekun­dar­stu­fe auf nur fünf Jah­re, wür­de damit nicht min­der bestehen. Die Bür­ger­initia­ti­ven in die­sem Land, „G9 jetzt“ und „G-ib-8“ kri­ti­sier­ten, dass die feder­füh­ren­de Schul­mi­nis­te­rin Sil­via Löhr­mann (Grü­ne) die­sen run­den Tisch nicht ergeb­nis­of­fen mode­riert habe.