Brutale Bildungspolitik

Vor 40 Jah­ren noch gab es auf dem Land die soge­nann­ten Dorf­schu­len, gebo­ren aus der mate­ri­el­len Not. Wenigs­tens zwei Klas­sen­stu­fen saßen zusam­men in einem Raum vor einem Leh­rer, der die­se bei­den Klas­sen­stu­fen und manch­mal auch mehr gleich­zei­tig zu unter­rich­ten ver­such­te. In einem sol­chen Klas­sen­raum saßen in der Regel 30 bis 40 Schüler.

Die­se Dorf­schu­le, weil kein Geld da war, hat Ber­lin zum Schul­jahr 2010/2011 erst in pseu­do­mo­der­nem Gewan­de wie­de­rer­fun­den, weil offen­sicht­lich kein Grips da ist. In der Tat sit­zen wie vor 40 oder 50 Jah­ren in Ber­li­ner Klas­sen­zim­mern jetzt meh­re­re Klas­sen­stu­fen vor einem Leh­rer in einem Raum. Das wird in blen­de­ri­scher Wei­se als „viel­fäl­tig“ und „durch­läs­sig“ ver­kauft. Die wei­ter­füh­ren­den Schul­ar­ten Ber­lins wur­den nivel­liert zu „inte­grier­ten Sekun­dar­schu­len“ und Gymnasien.

Das bis­her zweit­reichs­te Bun­des­land Baden-Würt­tem­berg über­trifft die­se sys­te­ma­ti­sche Schul­ver­dum­mungs­po­li­tik noch. Ein soge­nann­tes „2-Säu­len-Modell“ bestehend aus Gemein­schafts­schu­len und Gym­na­si­en, soll eta­bliert wer­den. Die zwei­te Säu­le, die Gym­na­si­en, sol­len hier­bei nicht „abschu­len“ dür­fen, d. h. einen Schü­ler ent­spre­chend sei­nen tat­säch­li­chen Leis­tun­gen und Fähig­kei­ten nicht auf eine ande­re, viel­leicht pra­xis­ori­en­tier­te­re Schul­form schi­cken. Auch Sit­zen­blei­ben soll es nicht mehr geben. Gleich­zei­tig soll das acht­jäh­ri­ge „Tur­bo-Abitur“ die Regel sein und das neun­jäh­ri­ge Abitur nur noch 10% der Gym­na­si­en des Bun­des­lan­des offen ste­hen, aber auch nur, wenn die Eltern zu viel Druck machen.

Gleich­zei­tig soll die Leh­rer­aus­bil­dung in Baden-Würt­tem­berg völ­lig neu struk­tu­riert wer­den, wie, ist indes noch nicht klar. Der­zeit rela­tiv klar ist nur, dass die Grund­schul­leh­rer­aus­bil­dung an den päd­ago­gi­schen Hoch­schu­len des Bun­des­lan­des offen­bar erhal­ten blei­ben soll, dann aber Leh­rer für die zwei Stu­fen Sekun­dar­stu­fe 1 und Sekun­dar­stu­fe 2 aus­ge­bil­det wer­den sol­len. Auch der Gym­na­si­al­leh­rer soll somit abge­schafft wer­den. Die Bil­dungs­plä­ne sol­len viel­mehr aus­drück­lich für alle Schul­ar­ten, also Werk­re­al­schu­le, Real­schu­le und Gym­na­si­um, glei­cher­ma­ßen gel­ten und schul­un­ab­hän­gig ent­wi­ckelt wer­den. Noch oben drauf soll die soge­nann­te „Inklu­si­on“ kom­men, das gemein­sa­me Unter­rich­ten behin­der­ter und nicht behin­der­ter Kin­der. „Selbst­ge­steu­er­tes Ler­nen“ und Leh­rer als „Lern­be­glei­ter“ sol­len Schul­all­tag wer­den, egal in wel­cher Schu­le. Ein gelei­te­ter, von Leh­rern gelei­te­ter, Unter­richt soll „out“ sein. 

Die Ziel­rich­tung der baden-würt­tem­ber­gi­schen Schul­po­li­tik ist ein­deu­tig: die Ein­heits­schu­le. Die­se nicht mehr nach­voll­zieh­ba­re Schul­ent­wick­lung des Bun­des­lan­des Baden-Würt­tem­berg resul­tiert ganz offen­sicht­lich aus ideo­lo­gisch hoch ver­blen­de­ten Men­schen, die sich noch nie mit einem geis­tig behin­der­ten Kind und des­sen rea­lem Lebens­raum beschäf­tigt haben; die noch nie ein hoch­be­gab­tes Kind auch nur einen ein­zi­gen Tag sei­nes Lebens beglei­tet haben, das ver­hal­tens­auf­fäl­lig oder viel­leicht sogar etwas „irr“ ist, d. h. es ver­zwei­felt jeden Tag wegen sys­te­ma­ti­scher Unter­for­de­rung. Die­se Schul­po­li­tik ist ganz offen­bar auch ein Resul­tat von Men­schen, die letzt­end­lich den Bäcker intel­lek­tu­ell ver­ach­ten, der jeden Mor­gen ihre Bröt­chen bäckt, den Fri­seur, der ein­mal im Monat ihre Haa­re schnei­det, oder den Bus­fah­rer, der ihre Kin­der in die Schu­le bringt, sofern der­lei Men­schen über­haupt Kin­der haben, genau­so wie die­se Men­schen, die eine sol­che Schul­po­li­tik auch nur erdenken, ganz offen­sicht­lich alle Men­schen ver­ach­ten, die ein­fach bes­ser sind als sie. Kurz: Hass, Miss­gunst und Wider­tracht sind offen­sicht­lich die Antriebs­kräf­te einer sol­chen Schul­po­li­tik, nicht Weit­sicht, Für­sor­ge oder gar Altruismus.

Sowohl Über- als auch Unter­for­de­rung sind das All­tags­ge­schäft von Ghost­wri­ter.nu. Eben aus die­sen Grün­den wen­den sich jeden Tag zahl­rei­che Men­schen an die­ses Unter­neh­men zur Unter­stüt­zung ihrer wis­sen­schaft­li­chen Auf­ga­ben. Nur ein künf­tig womög­lich erheb­li­cher Geschäfts­zu­wachs aus der­lei schul­po­li­ti­schen Grün­den ist nicht zu wünschen.

Harald Bahner