Boom von ausländischen Studenten nach Deutschland ungebrochen

Letztes Jahr war es schon so – dieses Jahr ist es nicht nur genauso, sondern verstärkt sich: Immer mehr Wissenschaftler und Studenten aus dem Ausland zieht es nach Deutschland. Diese relative Entwicklung täuscht über deutlich negative Tendenzen eines scheinbaren Akademiker-Zuflusses nach Deutschland hinweg, die irritierender Weise bisher nicht thematisiert wurden.

Wissenschaftler und Studenten kommen immer lieber nach Deutschland. Dagegen sinkt die Zahl hochqualifizierter Fachkräfte und Spezialisten, die von außerhalb der EU nach Deutschland kommen. Das sind zwei wesentliche Ergebnisse des neuen Migrationsberichts der Bundesregierung, die das Bundeskabinett gestern verabschiedete.

86.000 neue Studenten aus dem Ausland gab es im Jahr 2013, die in Deutschland ein Studium aufnahmen. Die Quote ausländischer Studenten in Deutschland erhöhte sich damit um 13,5 % auf nunmehr ca. 220.000 ausländische Studenten. Wie schon ein Jahr zuvor kamen auch im Jahr 2013 10 % aller ausländischer Studienanfänger aus China. Mit der nächstgrößeren Gruppierung von jeweils 5 % vertreten waren Studenten aus Frankreich, Spanien, den USA und Indien.

Dass die Migrationsquote von hoch qualifizierten Arbeitskräften und Spezialisten von außerhalb der EU nach Deutschland gesunken ist, wird mit einer immer umfassender gewordenen Freizügigkeit innerhalb der EU begründet und damit mit einer Konkurrenz von hochqualifizierten EU- und Nicht-EU-Ausländern, die nach Deutschland kommen wollen. Die Zahl von hochqualifizierten Nicht-EU-Ausländern sank im Vergleich zum Vorjahr um 12 % auf knapp 24.000 Personen. Angeführt wird diese Gruppe von Arbeitnehmern aus den USA, Indien, China sowie Bosnien-Herzegowina.

Demgegenüber ist die Zahl von hoch qualifizierten Arbeitnehmern aus EU-Ländern merklich gestiegen. Die Zahl der Beschäftigten aus den zehn östlichen EU Staaten ist im Jahr 2013 um 90.000 auf nun nunmehr 440.000 Arbeitnehmer gestiegen. Die Zahl der Beschäftigten aus den südlichen EU-Staaten, die unter der EU-Krise besonders zu leiden haben, stieg um ca. 33.000 auf 494.000 Arbeitnehmer.

Die Notwendigkeit von Einwanderern für die deutsche Wirtschaft ist angesichts des Alterungsprozesses der Deutschen Gesellschaft weitgehend unbestritten. Über die Realisierung gibt es indes weiterhin politischen Streit. So wollen insbesondere die SPD, aber selbst auch Reihen aus der CDU/CDU, das derzeitige Aufenthaltsgesetz durch ein neues Einwanderungsgesetz ablösen. Das will die Mehrheit der CDU derzeit weiterhin nicht. Als viel zitiertes Vorbild für eine neue Einwanderungsregelung stand bisher das kanadische Punktesystem. Kanada ist von diesem Punktesystem indes mittlerweile selbst wieder teilweise abgekommen. So werden aktuell in Kanada Einwanderer nicht mehr nur nach ihrer Qualifikation für sogenannte Mängelberufe ausgewählt. Ein größeres Gewicht haben bei dieser Punktevergabe mittlerweile auch die Kriterien Herkunft, Sprachkenntnisse und Zielregionen in Kanada.

Insgesamt wanderten im Jahr 2013 1,23 Millionen Menschen nach Deutschland ein oder 13 % mehr als im Vorjahr. Bei einem gleichzeitigen Wegzug von 800.000 Menschen ergibt sich für das Jahr 2013 ein Saldo von plus ca. 430.000 Menschen oder ein Anstieg von 12 %. Dies ist der höchste Einwanderungssaldo seit 1993. Für das Jahr 214 werden sogar mit 470.000 Personen gerechnet, d.h. die Tendenz ist steigend.

Eine irritierende Größe bei diesen ganzen Berechnungen und Darstellungen ist indes, dass etwa die Hälfte aller aus dem Ausland Zugezogenen nicht länger als ein Jahr in Deutschland bleibt. Warum dies so ist, wurde bisher weder erörtert noch nach einem Grund hierfür gesucht.

Auch irritierend: Vor 20 Jahren, 1993/94, betrug der Anteil der Studenten aus dem Ausland in Deutschland noch ca. 87.000 Personen oder nicht einmal die Hälfte von heute. Vor 10 Jahren, 2003/2004, betrug dieser Anteil 180.000 Menschen oder mehr als doppelt so viel wie 1993/1994. In den letzten 10 Jahren, von 2003/2004 bis 2013/2014, flachte der Anteil ausländischer Studenten in Deutschland dann erheblich ab bis hin zu einem teilweisem Rückgang dieser Entwicklung und beträgt nach einem Zuwachs von ca. 108% in den 1990er Jahren in den letzten 10 Jahren nur noch einen Zuwachs von 22%. Woran das liegt, wurde bisher auch nicht erörtert.

Weiterführender Link zum Thema:
Ghostwriter.nu: Deutschland unter ausländischen Studenten immer beliebter. Ghostwriter.nu-News vom 07.03.2014.