Bildungsschlachten

Die unsäg­li­che Bil­dungs­po­li­tik des Bun­des­lan­des Baden-Würt­tem­berg führt zu wei­te­ren Reso­nan­zen. Die Gym­na­si­al­leh­rer Baden-Würt­tem­bergs, orga­ni­siert im Phi­lo­lo­gen­ver­band, sam­meln jetzt Unter­schrif­ten gegen die geplan­te Bil­dungs­re­for­men der Lan­des­re­gie­rung. Es geht hier­bei um den Plan der baden-würt­tem­ber­gi­schen Kul­tus­mi­nis­te­rin Gabrie­le War­min­ski-Leit­heu­ßer, einen Bil­dungs­plan zu ent­wi­ckeln, der von den Schul­ar­ten unab­hän­gig ist. Gym­na­si­as­ten könn­ten so nicht mehr an eine Stu­dier­fä­hig­keit her­an­ge­führt wer­den, so der Phi­lo­lo­gen­ver­band. Das baden-würt­tem­ber­gi­sche Kul­tus­mi­nis­te­ri­um meint natür­lich, die­ses Argu­ment sei nicht nach­voll­zieh­bar und lädt in der Tat – im Rah­men des vor­han­de­nen Bil­dungs­dik­tats – den Phi­lo­lo­gen­ver­band wie alle Ver­tre­ter aller Schul­ar­ten zur Mit­ar­beit ein.

Quel­le: „Leh­rer sam­meln Unter­schrif­ten – Beden­ken gegen ‚Ein­heits­schu­le‘. In: Stutt­gar­ter Zei­tung vom 12.11.2012, http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.lehrer-sammeln-unterschriften-bedenken-gegen-einheitsschule.9c76c238-98e6-47e3-a2af-2c6d8e7da6fe.html (am 14.11.2012)

Sie­he auch: „Bru­ta­le Bil­dungs­po­li­tik “. Ghost­wri­ter.nu-News vom 30.10. bzw. 06.11.2012.

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Der Wis­sen­schafts­rat hat vor­ges­tern in Ber­lin die Prü­fungs­no­ten an Uni­ver­si­tä­ten für das Jahr 2010 ana­ly­siert und sein dies­be­züg­li­che Ergeb­nis vor­ge­legt. Die Unter­schie­de zwi­schen den Fächern, Stu­di­en­or­ten und Abschlüs­sen sind erheb­lich. So erhal­ten bei­spiels­wei­se 98 Pro­zent aller Diplo­man­den im Fach Bio­lo­gie die Note „gut“ oder „sehr gut“. Im ers­ten juris­ti­schen Staats­ex­amen sind dies nur 7 Pro­zent. Den Psy­cho­lo­gen geht es auch so gut wie den Bio­lo­gen. Ins­ge­samt sol­len vier von fünf Bachelor­prü­fun­gen, die im Jahr 2010 ein Drit­tel aller bestan­de­nen Hoch­schul­prü­fun­gen aus­mach­ten, mit sehr guten oder guten Abschluss­no­ten bedacht wor­den sein. Grund die­ser all­ge­mein viel zu guten Beno­tung eines Groß­teils aka­de­mi­scher Stu­di­en­fä­cher ist, die­sen Ein­druck ruft der Wis­sen­schafts­rat in sei­ner dies­be­züg­li­chen Pres­se­mit­tei­lung indi­rekt her­vor, dass seit der Stu­fung der Stu­di­en­gän­ge und der noten­ab­hän­gi­gen Zulas­sung zum Mas­ter die Hoch­schu­len ihren Stu­den­ten mög­lichst in jedem Fall den Zugang zu einem Mas­ter­stu­di­en­gang ermög­li­chen wol­len (vgl. Wis­sen­schafts­rat 2012a). Der Vor­sit­zen­de des deut­schen Phi­lo­lo­gen­ver­ban­des, Heinz-Peter Mei­din­ger, kri­ti­sier­te dar­auf­hin die Noten­ge­bung der deut­schen Hoch­schu­len und Hoch­schul­leh­rer als Infla­ti­on von Best­no­ten bei Examens­ab­schlüs­sen. Fakul­tä­ten und Hoch­schul­lei­tun­gen hät­ten ver­sagt. Eine der­ge­stal­ti­ge Auf­wei­chung von Leis­tungs­kri­te­ri­en sei schon im Jahr 2001 und dann im Jahr 2005 fest­ge­stellt wor­den. Mit

einer der­ar­ti­gen Infla­ti­on von Best­no­ten wür­den die tat­säch­li­chen Leis­tun­gen der guten, leis­tungs­star­ken Absol­ven­ten unter­gra­ben und deren Leis­tungs­vor­sprung wür­de kaum mehr deut­lich. Ähn­li­ches sei bei den Abitur­no­ten schon seit Jah­ren zu verzeichnen.

Quel­le:
Wis­sen­schafts­rat (2012a): Pres­se­mit­tei­lun­gen – Num­mer 23 vom 12. Novem­ber 2012, http://www.wissenschaftsrat.de/index.php?id=1094&L (am 14.11.2012); wei­ter­füh­ren­de Quel­le: Wis­sen­schafts­rat (2012b): Prü­fungs­no­ten an Hoch­schu­len im Prü­fungs­jahr 2010. Ham­burg 09.11.2012, http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2627–12.pdf (eben­falls am 14.11.2012)

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Ghostwriter.nu schließt sich der Kri­tik an die­ser dar­ge­stell­ten Bil­dungs­ni­veau-Ero­si­on an. Wuss­ten vor zwei, drei Jah­ren noch fast alle Kun­den aus dem Hoch­schul­be­reich bei Ghostwriter.nu, was sie wol­len und vor Allem, was sie sol­len, so ist seit eini­ger Zeit, deren Beginn mit dem Start von Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­gen ver­or­tet wer­den kann und in die auch die Gut­ten­berg-Affä­re fiel, zu beob­ach­ten, dass die aktu­el­le Kun­den­kennt­nis im Hoch­schul­be­reich in stei­gen­dem Maße unter das not­wen­di­ge Min­dest-Know-how sinkt, ab dem auch aka­de­mi­sches Ghost­wri­ting nicht mehr hel­fen kann. Denn wer nicht weiß, was er will und soll, dem kön­nen auch aka­de­mi­sche Ghost­wri­ter mit Text­ent­wür­fen zur Ori­en­tie­rung nicht hel­fen. Auf­trags­ab­leh­nun­gen wegen Unbe­ar­beit­bar­keit neh­men in die­sem Tätig­keits­be­reich bei Ghostwriter.nu des­halb seit eini­ger Zeit zu.

Harald Bahner