Bildung statt Bologna

So lau­tet die 100-sei­ti­ge Streit­schrift des Prä­si­den­ten der Uni­ver­si­tät Ham­burg, Prof. Dr. Die­ter Len­zen, die vor vier Wochen im Ull­stein Ver­lag erschien. Beklagt wird hier das Absen­ken des aka­de­mi­schen Aus­bil­dungs­ni­veaus um eine kom­plet­te Ausbildungsstufe.

Das G8-Abitur ist kein Abitur mehr. Die Hoch­schu­le ist die neue gym­na­sia­le Ober­stu­fe mit dem tat­säch­li­chen Abitur namens Bache­lor­ab­schluss. Und der Mas­ter­ab­schluss ist letzt­lich der ers­te tat­säch­li­che Hoch­schul­ab­schluss. So zumin­dest lau­tet das Cre­do von Prof. Dr. Die­ter Len­zen, ehe­mals Prä­si­dent der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin, heu­te Prä­si­dent der Uni­ver­si­tät Ham­burg und sei­nes Zei­chens Erziehungswissenschaftler. 

Nach Auf­fas­sung von Herr Len­zen waren die deut­schen Uni­ver­si­tä­ten getra­gen von Bil­dung durch Wis­sen­schaft, for­schen­des Ler­nen und aka­de­mi­scher Frei­heit. Mit dem zuneh­men­den Andrang von Stu­den­ten ist die Hoch­schu­le in Deutsch­land heu­te, vor allem im Zuge des Bolo­gna-Pro­zes­ses, jedoch eine Berufs­bil­dungs­ein­rich­tung, die auf den frü­he­ren päd­ago­gi­schen Wert der Per­sön­lich­keits­bil­dung ganz ver­zich­tet hat. Die Ein­heit von For­schung und Leh­re ist auf­ge­ge­ben. Beschäf­ti­gungs­fä­hig­keit, Arbeits­markt­fä­hig­keit („employa­bi­li­ty“) ist der ein­zi­ge Maß­stab. Der Bache­lor ist damit kein wis­sen­schaft­li­cher Abschluss, son­dern ein Berufs­schul­zer­ti­fi­kat, mit dem weder aka­de­mi­sche Bil­dung noch Aus­bil­dung ver­mit­telt wird. In vie­len Stu­di­en­gän­gen ist unklar, auf wel­chen Arbeits­märk­ten ein sol­ches Bachelor-„Zertifikat“ gel­ten sol­le. Der Drang auf Mas­ter­stu­di­en­gän­ge ist damit so vor­pro­gram­miert wie zwangs­läu­fig. Und an Stel­le sich mit aka­de­mi­scher Bil­dung in einem frü­her umfas­sen­den päd­ago­gi­schen Sinn zu beschäf­ti­gen, müs­sen sich Uni­ver­si­tä­ten und Hoch­schu­len heu­te mit über­bor­den­den Ver­wal­tungs-, Dritt­mit­tel­ak­qui­se-, „Eva­lua­ti­on“- und sons­ti­gen admi­nis­tra­ti­ven Tätig­kei­ten her­um­schla­gen, die über­haupt nicht zu ihren Kern­auf­ga­ben gehören.

Das ist das nahe­zu ver­nich­ten­de Urteil von Herr Prof. Dr. Diet­mar Len­zen in Sachen Bolo­gna-Pro­zess in Deutsch­land, der aus dem zwei­pha­si­gen aka­de­mi­schen Wer­de­gang Diplom/Magister/Staatsexamen und Pro­mo­ti­on weit­ge­hend einen drei­pha­si­gen aka­de­mi­schen Wer­de­gang Bache­lor, Master/Staatsexamen und Dis­ser­ta­ti­on machte.

Quel­le die­ser News:
Len­zen, Die­ter: Bil­dung statt Bolo­gna! Ull­stein Ver­lag Ber­lin (11. April 2014). 112 Seiten.