Bewerben – aber richtig!

40 % aller Per­so­na­ler inves­tie­ren fünf Minu­ten oder weni­ger ins Lesen einer Bewer­bung. 99% sehen im Lebens­lauf die wich­tigs­te Bewer­bungs­kom­po­nen­te, 87% in der über­sicht­li­chen und kla­ren Struk­tur der Bewer­bung. Und 82 % sehen mit dem Bewer­bungs­fo­to erst eine voll­stän­di­ge Bewer­bung. Wer Recht­schrei­be- und Zei­chen­set­zungs­feh­ler macht, fliegt sofort raus.

Das sind die wich­tigs­ten Bewer­bungs-Kom­po­nen­ten, die das Stau­fen­biel Insti­tut und der Per­so­nal­be­ra­ter Kien­baum Con­sul­tants Inter­na­tio­nal in ihren Job­Trends 2017 kürz­lich ver­öf­fent­lich­te. Befragt wur­den im Herbst 2016 ins­ge­samt 297 Unter­neh­men mit zusam­men mehr als 5,4 Mil­lio­nen Mit­ar­bei­ter welt­weit. Rund 736.500 Bewer­bun­gen gehen bei die­sen Unter­neh­men in einem Jahr ein. Etwa 177.000 Vor­stel­lungs­ge­sprä­che wer­den durch­ge­führt. Im Jahr 2017 bie­ten die­se Unter­neh­men rund 31.700 offe­ne Stellen.

Dabei über­neh­men zu 78% die Per­so­nal­ver­ant­wort­li­chen der Unter­neh­men selbst den ers­ten Bewer­bungs­scheck und nur zu 13% die Mit­ar­bei­ter aus der Fach­ab­tei­lung, für die gesucht wird. Hin­sicht­lich der har­ten Fak­ten sind die Abschluss­no­te mit 58% aller Nen­nun­gen und eine Mas­ter-Qua­li­fi­ka­ti­on mit 49% aller Nen­nun­gen über alle Bran­chen hin­weg wei­ter­hin am rele­van­tes­ten. Bei den Zusatz­qua­li­fi­ka­tio­nen ran­gie­ren gute Eng­lisch­kennt­nis­se und mög­lichst vie­le Prak­ti­ka an den ers­ten bei­den Stellen.

Bezo­gen auf die wei­chen Fak­to­ren wün­schen sich Arbeit­ge­ber nach wie vor Super­wo­man und Super­man: Eigen­in­itia­ti­ve und Ein­satz­be­reit­schaft, Leis­tungs­be­reit­schaft, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit, Team­fä­hig­keit, Ergeb­nis- und Leis­tungs­ori­en­tie­rung, Lern­be­reit­schaft, Offen­heit und Neu­gier, Ver­ant­wor­tungs­be­reit­schaft, Belast­bar­keit, ana­ly­ti­sche und kon­zep­tio­nel­le Fähig­kei­ten, Per­sön­lich­keits­bild und Auf­tre­ten, Begeis­te­rungs­fä­hig­keit, unter­neh­me­ri­sches Den­ken und Han­deln, Kon­flikt­lö­se­kom­pe­tenz, Kon­takt­freu­de und Durch­set­zungs­ver­mö­gen wün­schen sich 100 % bis 63 % aller Per­so­na­ler, in die­ser Reihenfolge.

Inter­es­sant hier­bei ist, dass Per­so­na­ler Bewer­ber mit Pra­xis­er­fah­rung durch mög­lichst vie­le Prak­ti­ka vor­zie­hen gegen­über einem guten Abschluss in der Regel­stu­di­en­zeit. Kon­kret bedeu­tet dies, dass Stu­den­ten, die zum Bei­spiel ein Semes­ter über der Regel­stu­di­en­zeit ihren Abschluss machen, dafür aber meh­re­re Prak­ti­ka in ihrem Stu­di­um absol­vie­ren, bes­se­re Berufs­ein­stiegs­chan­cen haben als gerad­li­nig per­fek­te Nur-Stu­den­ten ohne Prak­ti­kums­er­fah­run­gen mit einem etwas bes­se­ren Studienabschluss.

Kla­re Tod­sün­de bei der Bewer­bung ist eine feh­ler­haf­te Recht­schrei­bung. 60 % aller Per­so­na­ler sor­tie­ren feh­ler­be­haf­te­te Bewer­bungs­tex­te sofort aus. Danach fol­gen mit 54 % fal­sche Ansprech­part­ner oder die fal­sche Unter­neh­mens­be­zeich­nung, und immer­hin 46 % sehen in uner­klär­ten Lebens­lauflü­cken bis heu­te ein Knock-out-Kri­te­ri­um. Die viel dis­ku­tier­te Sor­ge nach einer fal­schen Inter­net-Ver­gan­gen­heit stellt sich über­ra­schen­der­wei­se indes als unbe­grün­det dar. Gera­de ein­mal 3 % aller Per­so­na­ler che­cken Bewer­ber immer auf Face­book, 29 % in Ein­zel­fäl­len und 68 % nie. Im Inter­net googeln nur 6 % aller Per­so­na­ler die betref­fen­den Bewer­ber immer, 49 % in Ein­zel­fäl­len und 46 % nie. Nur in 11,7 % aller Fäl­le hat ein sol­cher Bewer­ber­check dazu geführt sich gegen den Kan­di­da­ten entscheiden.

Bei der Bewer­bung müs­sen sich die Kan­di­da­ten auf ein län­ge­res Pro­ze­de­re ein­stel­len. 87 % aller Unter­neh­men ver­an­stal­ten zwei bis drei Aus­wahl­run­den in ihrem Bewer­bungs­pro­zess, 2% sogar mehr als drei Auswahlrunden.

Der Ver­such, über ein Prak­ti­kum zu einer Fest­an­stel­lung zu gelan­gen, ist nicht gut. Nur 40 % der befrag­ten Unter­neh­men bie­ten weni­ger als jedem 10. Prak­ti­kan­ten nach sei­nem Prak­ti­kum einen Arbeits­ver­trag an. Auch der Umweg über eine Trai­nee­stel­le ist zumin­dest hin­sicht­lich des Ein­stiegs­ver­diens­tes nicht opti­mal. Trai­nees ver­die­nen deut­lich weni­ger als Direkt­ein­stei­ger. Das Durch­schnitts­ge­halt von Direkt­ein­stei­gern liegt im Mit­tel bei 40.000–50.000 € pro Jahr über alle Bran­chen hinweg.

Die Fach­be­rei­che sind in etwa gleich begehrt geblie­ben. Unter­neh­men suchen in 2017 zu 79 % Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler, zu 66 % Infor­ma­ti­ker und zu 56 % Inge­nieu­re über alle Bran­chen hin­weg. Und: 45 % der befrag­ten Unter­neh­men sieht ein stei­gen­des Arbeits­an­ge­bot für das Jahr 2017.

Und übri­gens: Das Pen­dant zum Job­Trends 2017, die Recrui­ting­Trends 2017 für Per­so­na­ler, eben­falls von Stau­fen­biel und Kien­baum, bie­ten wei­te­re inter­es­san­te Aspek­te für Job­su­chen­de. An ers­ter Stel­le ist hier zu nen­nen, dass 55 % aller Unter­neh­men Bewer­bun­gen per Online­for­mu­la­re oder Kar­rie­re-Web­sites am liebs­ten sind, gefolgt von 42 % per E-Mail. Aller­dings akzep­tie­ren kurio­ser­wei­se nur 72% aller befrag­ten Unter­neh­men Online-For­mu­lar- und Kar­rie­re­web­site-Bewer­bun­gen, aber mit 84% per Email doch wei­ter­hin fast alle Unter­neh­men. Bewer­bun­gen per Post sind mit ledig­lich 3 % mitt­ler­wei­le sehr unbe­liebt gewor­den. Und Vor­sicht: Wer sich per One-Click-Bewer­bung zum Bei­spiel direkt aus Xing her­aus mit sei­nem Xing-Pro­fil bewer­ben möch­te, soll­te dies viel­leicht doch lie­ber blei­ben las­sen: Genau 0 % aller Per­so­na­ler wün­schen sol­che Bewer­bun­gen, und nur 22% aller Unter­neh­men akzep­tie­ren der­lei Bewer­bun­gen über­haupt. Dabei prä­sen­tie­ren sich 88 % aller Arbeit­ge­ber genau bei Xing. Bei Face­book sind es 72 %, bei Kununu 69 % und bei Lin­kedin 60 %. Und: Wer aktiv Arbeit sucht, soll­te sich vor allen Din­gen in Online-Anzei­ge-Por­ta­len umtun. 89 % aller Unter­neh­men schal­ten Online-Anzei­gen im Rah­men von Mit­ar­bei­ter­su­chen und nur noch 40 % in Print­me­di­en. Aller­dings: Die Bewer­bung ist heut­zu­ta­ge zwar digi­tal. Wenn es zur Sache geht, ist nichts mehr digi­tal. 98% aller Unter­neh­men nut­zen als Aus­wahl­ver­fah­ren per­sön­li­che Vor­stel­lungs­ge­sprä­che, gefolgt von Tele­fon­in­ter­views vor­ab mit bemer­kens­wer­ten 87%. Aber auch Fall­stu­di­en mit 55% oder immer noch Assess­ment Cen­ter mit 53% sind wei­ter­hin mehr­heit­lich ange­wand­te Auswahlverfahren.

Quel­len
Job­Trends 2017. Was Berufs­ein­stei­ger wis­sen müs­sen. Unter https://www.staufenbiel.de/magazin/jobsuche/jobtrends-was-berufseinsteiger-wissen-muessen.html, Stand 05.02.2017.
Recrui­ting­Trends 2017. Was HR-Ver­ant­wort­li­che wis­sen müs­sen. Unter https://www.staufenbiel.de/magazin/bewerbung/recruitingtrends-2017-so-ticken-personalabteilungen.html, Stand 05.02.2017.