Berlin will Open Access in den Wissenschaften forcieren

Die freie Verfügbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse ist trotz entsprechender Lippenbekenntnisse bis heute praktisch nicht gegeben. Das Bundesland Berlin will diese Situation nun deutlich ändern.

(Ghostwriter.nu) Der Open-Access-Gedanke in den Wissenschaften besagt, dass Forscher ihre Ergebnisse nicht länger nur in teuren Fachzeitschriften veröffentlichen sollen, die sich nur bestimmte Leute leisten können, und diese Forschungsergebnisse sollen auch nicht in den Universitätsbibliotheken weiterhin verschimmeln. Vielmehr sollen die Ergebnisse der Forschung für alle kostenlos im Internet vorgehalten werden.

Diesen Kerngedanken von Open Access postulieren viele Hochschulen in Deutschland schon seit längerem. Tatsächlich realisiert ist von diesem Gedanken bisher indes nur sehr wenig. So verfügen die Hochschulen über zahlreiche sogenannte Repositorien, das sind Datenbanken, auf denen Publikationen im PDF Format hinterlegt werden können, um sie kostenlos zu nutzen. Auch die rechtliche Hürde, Publikationen nachträglich frei verfügbar anzubieten, nachdem sie bereits in teuren Fachzeitschriften erschienen sind, ist mittlerweile genommen. Diese Zweitverwertung wird als „grüner Weg“ des Open Access bezeichnet. Nur nimmt diese bisher schon bestehenden Möglichkeiten kaum ein Forscher wahr: Es wird aktuell davon ausgegangen, dass lediglich zwischen fünf und 10 % der Artikel, die in Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, besagtes Zweitverwertung erfahren.

Diesen misslichen Umstand will das Land Berlin jetzt mit großen Schritten beheben. 60 % aller Artikel in Fachzeitschriften, die Forscher verfasst haben, die in Einrichtungen dieser Stadt tätig sind, sollen bis zum Jahr 2020 grundsätzlich frei veröffentlicht werden. Eine Arbeitsgruppe des Berliner Senats hat hierzu ein Papier namens „Open-Access-Strategie für Berlin“ erstellt. Demnach sollen künftig nicht nur Zeitschriftenartikel, sondern auch Monographien und Sammelbände so weit wie nur irgend möglich kostenlos öffentlich verfügbar gemacht werden.

Zu dieser Realisierung soll es in Berlin einen Publikationsfonds geben. Die Mittelvergabe des Landes Berlin an seine Hochschulen könnte abhängig gemacht werden von Open Access als Indikator. Des Weiteren sollen die Hochschulen Open-Access-Beauftrage abstellen, damit dieser gesamte Prozess intern gefördert und beschleunigt werden kann.

Eine begleitende Variante des Open Access ist der sogenannte „goldene Weg“. Danach sollen Wissenschaftler aus öffentlichen Töpfen Druckkostenzuschüsse erhalten, obwohl es praktisch keine Druckkosten gibt, um ihre Forschungsergebnisse in richtigen Open Access Zeitschriften zu veröffentlichen. Hier, in diesen Zeitschriften, findet die Erstveröffentlichung kostenfrei statt. Hierzu sollen alle Fachzeitschriften mit Sitz am Berliner Hochschulen, die noch Geld kosten, mittelfristig zu kostenlosen Open Access Magazinen werden. Im Gespräch ist hierbei ein Berliner Universitätsverlag als künftiger zentraler Herausgeber dieser Magazine und Fachzeitschriften. Soeben Gesagtes gilt nicht nur für Fachzeitschriftenartikel, sondern wiederholend auch hier für Monographien und Sammelbände.

Die Autoren und Ghostwriter von Ghostwriter.nu begrüßen diese Initiative. So kann wissenschaftlich noch effizienter gearbeitet werden.

Der Open Access Gedanke entstand insbesondere aus der Forderung von Wissenschaft und selbst, um die Experimente anderer Wissenschaftler frei, jederzeit und ohne großartige Investitionen und zeitliche Verzögerung nachvollziehen und überprüfen zu können. Die Landtagsabgeordneten in Berlin diskutieren nun bis zum Ende dieses Jahres 2015 besagtes Strategiepapier.