Bachelor und Master in Jura als gute Option zum juristischen Staatsexamen

Vor etwa zehn Jah­ren droh­te der juris­ti­schen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Mann­heim die Schlie­ßung. Mann­heim galt für Jura­stu­den­ten als wenig attrak­tiv. Jura stu­dier­te man im benach­bar­ten Hei­del­berg, Tübin­gen oder Frei­burg, nicht in Mann­heim. Die Jura­hoch­schul­leh­rer an der juris­ti­schen Fakul­tät in Mann­heim zogen damals die Not­brem­se und führ­ten als ers­te in ganz Deutsch­land im Rah­men des Bolo­gna-Pro­zes­ses den Bache­lor und Mas­ter in Jura ein. Mitt­ler­wei­le kann man in etwa 20 Hoch­schu­len in Deutsch­land der­ge­stalt Jura studieren.

Alle Erst­se­mes­ter stu­die­ren an der Uni­ver­si­tät Mann­heim das Bache­lor­stu­di­um „Unter­neh­mens­ju­rist“. Die zwei Schwer­punk­te die­ses Stu­di­en­gangs sind Steu­er­recht und Human Res­sour­ces, letzt­ge­nann­ter bestehend aus Arbeits­recht, Cor­po­ra­te Gover­nan­ce, öffent­li­ches Wirt­schafts­recht sowie einem BWL-Bereich. Die Leh­re ist pra­xis­nah aus­ge­rich­tet. So leh­ren nicht nur Uni­ver­si­täts­pro­fes­so­ren, son­dern auch Rechts­an­wäl­te, Steu­er­be­ra­ter oder ande­re Prak­ti­ker. Haben die Stu­den­ten den Bache­lor in der Tasche, haben sie auch den zivil­recht­li­chen Teil des juris­ti­schen Staats­ex­amens erreicht. Mit der Bache­lor­ar­beit ist gleich­zei­tig die uni­ver­si­tä­re Schwer­punkt­prü­fung absol­viert, die mit der Reform der Juris­ten­aus­bil­dung 30 % der Staats­ex­amens­no­te ausmacht.

Danach haben die Bache­lor-Absol­ven­ten zwei Mög­lich­kei­ten: ent­we­der die Fort­füh­rung des Stu­di­ums in einem ein­jäh­ri­gen Mas­ter­stu­di­en­gang; oder die Erlan­gung des juris­ti­schen ers­ten Staats­ex­amens. Für die­ses Staats­ex­amen müs­sen sie die Examens­klau­su­ren in Straf­recht und im öffent­li­chen Recht schrei­ben, juris­ti­sche Fach­be­rei­che, die im Bache­lor-und Mas­ter­stu­di­en­gang nahe­zu voll­stän­dig aus­ge­klam­mert waren. Im Gegen­satz zu Jura­stu­den­ten, die von Anfang an auf Staats­ex­amen stu­die­ren, ste­hen die­se Bache­lor­ab­sol­ven­ten damit nicht vor dem Pro­blem den gesam­ten juris­ti­schen Prü­fungs­stoff zur glei­chen Zeit wis­sen zu müs­sen. Und schei­tern sie in ihrem Bestre­ben das Staats­ex­amen zu errei­chen, haben sie im Gegen­satz zu den­je­ni­gen Jura­stu­den­ten, die von Anfang an auf Staats­ex­amen stu­die­ren, mit ihren Bache­lor bereits einen uni­ver­si­tä­ren Abschluss in der Tasche.

Das aktu­el­le Rechts­dienst­leis­tungs­ge­setz lehnt die Gleich­stel­lung von Voll­ju­ris­ten und der­lei aus­ge­bil­de­ten Bache­lor-und Mas­ter­stu­den­ten aus­drück­lich ab. Ein Voll­ju­rist ist nur, wer die „Befä­hi­gung zum Rich­ter­amt“ erlangt, und die­se Befä­hi­gung erlangt man nur mit dem zwei­ten juris­ti­schen Staats­ex­amen. Nur mit die­ser Befä­hi­gung ist man berech­tigt, als Rechts­an­walt, Staats­an­walt oder Rich­ter tätig zu sein.

Die Arbeits­mög­lich­kei­ten juris­ti­scher Bache­lor- und Mas­ter­ab­sol­ven­ten ist den­noch groß. Wie der Stu­di­en­gang zumin­dest an der Mann­hei­mer Uni­ver­si­tät“ Unter­neh­mens­ju­rist“ schon sagt, fin­den der­lei aus­ge­bil­de­te vor allem Arbeit in Rechts­ab­tei­lun­gen von Unter­neh­men, aber auch in Per­so­nal­ab­tei­lun­gen, als Steu­er­be­ra­ter, Wirt­schafts­prü­fer, Unter­neh­mens­be­ra­ter oder in Ver­bän­den und Gewerk­schaf­ten. Der­lei aus­ge­bil­de­te juris­ti­sche Bache­lor Absol­ven­ten sind auch eher Anfang 20 und Jura­stu­den­ten mit dem ers­ten Staats­ex­amen in der Tasche eher Ende 20.

In ein Rich­ter­amt oder ein eine Groß­kanz­lei kommt man als Jura­stu­dent übri­gens nur mit zwei juris­ti­schen Prä­di­kats-Examen. Das schaf­fen gera­de ein­mal 15 % aller Jura­stu­den­ten. Die ande­ren 85 % sehen einer deut­lich unge­wis­se­ren beruf­li­chen Zukunft ent­ge­gen – wobei bis dahin, bis zum 1. Staats­ex­amen, schon jeder Drit­te sein Jura­stu­di­um abge­bro­chen hat. Es gibt kein ande­res aka­de­mi­sches Fach, in dem die Noten am Ende des Stu­di­ums eine so zen­tra­le und zukunfts­wei­send-deter­mi­nie­ren­de Rol­le spie­len wie in Jura.

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