Ausländische Jugendliche in Schule und Beruf – Modernes Personalwesen

Jugendliche mit Migrationshintergrund schneiden in Schule und Berufsausbildung bis heute schlechter ab als die deutsche Gesamtbevölkerung. Das wollen die Industrie- und Handelskammern jetzt ändern. – Das betriebliche Personalwesen hat ein neues Zauberwort: „Lebensphasenorientierte Personalpolitik„.

Jugendliche mit Migrationshintergrund haben weiter das Nachsehen

Dass Menschen mit Migrationshintergrund in Bildung und Beruf in Deutschland bis heute nicht dieselben Positionen einnehmen wie Deutsche, ist allgemein bekannt. Dabei hat ein Drittel aller in Deutschland lebenden Menschen unter 15 Jahren mittlerweile einen Migrationshintergrund. Das sind 4 % mehr in dieser Altersgruppe als vor zehn Jahren. Insgesamt sind die Einwohner Deutschlands mit ausländischem Hintergrund im Durchschnitt 35 Jahre alt, Deutsche sind im Durchschnitt zehn Jahre älter. Das zumindest zeigen neue Statistiken des statistischen Bundesamts.

Trotz dieser jungen und energetisch anmutenden Bevölkerungsschicht tun sich eben diese Menschen, hier insbesondere Jugendliche, mit ausländischen Wurzeln in der Schule und in der Berufsausbildung weiterhin schwer. 15 % aller Erwachsenen mit Migrationshintergrund haben kein Schulabschluss. Selbst die hier geborenen Jungen sind zu 5,3 % Schulabbrecher, das sind doppel so viele wie in der Gesamtbevölkerung.

Bei der Frage, in welchem Ausmaß der persönliche Wunschberuf realisiert wird, sind Jugendliche mit Migrationshintergrund ebenfalls offensichtlich im Nachteil. Während 60 % aller Jugendlichen ohne ausländische Wurzeln nach einem halben Jahr diejenige Berufsausbildung machen konnten, die sie wollten, ist dies bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund nur bei 48 % der Fall. Doppelt so viele Jugendliche mit Migrationshintergrund, nämlich 9 %, waren nach einem halben Jahr gänzlich ohne Arbeit oder Ausbildung. Weiterhin werden Lehrlinge mit ausländischen Wurzeln besonders häufig in Betrieben mit ungünstigen Bedingungen ausgebildet. Unter ungünstigen Bedingungen versteht man zum Beispiel besonders viele unbezahlte Überstunden.

Der deutsche Industrie-und Handelskammertag (DIHK) will dies nach Möglichkeit nun alles ändern. Denn in Deutschland gibt es mittlerweile ca. 80.000 unbesetzte Ausbildungsplätze. Es geht den deutschen Industrie-und Handelskammern darum, die Familien mit ausländischen Wurzeln stärker in den deutschen Lebensalltag einzubinden und vom Wert einer Berufsausbildung zu überzeugen.

Dies erscheint auch ein notwendiges Ziel. So gibt es im Süden der EU Länder, in denen bis zu zwei Drittel aller Menschen nie eine berufliche Ausbildung absolvierten, weder als in Deutschland bekannte duale Ausbildung noch als Hochschulstudium. Was in Deutschland unbekannt und undenkbar wäre, ist nur ein bisschen weiter südlich wie selbstverständlicher Lebensalltag.

Modernes betriebliches Personalwesen

Lebensphasenorientierte Personalpolitik“ heißt das neue Zauberwort im betrieblichen Personalwesen. Als Königsdisziplin bezeichnet sollen sich Arbeitgeber darum bemühen, die im Laufe eines Arbeitslebens geänderten Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter wesentlich stärker zu berücksichtigen.

Dass dieses hehre Ziel nur 7 % der kleinen Unternehmen und auch nur 22 % der großen überhaupt realisieren, findet selbst das Bundeslandwirtschaftsministerium bedenklich. Zusammen mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat das Bundeswirtschaftsministerium deshalb unter www.spiegel-der-personalpolitik.de eine neue Internetseite eingerichtet, unter der jeder Arbeitgeber in einem interaktiven Test prüfen kann, wie modern er und seine Personalpolitik sind.

Es wird davon ausgegangen, dass Unternehmen mit einer modernen Personalpolitik ertragsstärker und innovativer sind und auch weniger Fehlzeiten pro Mitarbeiter haben, das heißt einen geringeren Krankheitsstand. Angesichts der zunehmend älteren Arbeitnehmer – in der Metall-und Elektroindustrie ist der Anteil der 50-jährigen vom Jahr 2000 bis heute zum Beispiel auf von 20% auf 30 % gestiegen -, erscheint eine solche neue Personalpolitik bedenkenswert.