Akademische Experten am vertrauenswürdigsten

Wiederholt sind akademische Experten die Berufsgruppe, der am meisten vertraut wird. Das war vor zwei Jahren auch schon so.

70 % aller Menschen vertrauen akademischen Experten bzw. Wissenschaftlern am meisten. Das sind lediglich 2 % weniger als der Familie und Freunden, die insgesamt für Menschen am vertrauenswürdigsten sind und 7 % mehr als dem Vertrauen, das dem durchschnittlichen Mitbürger entgegen gebracht wird (63 %).

Auf der anderen Seite der Skala sind Regierungsvertreter und Vorstandschefs, denen mit 38 % und 43 % am wenigsten vertraut wird. Überraschend ist hierbei, dass auch die Medien und selbst Nichtregierungsorganisationen mittlerweile als Teil derselben Einheit Politik und Wirtschaft wahrgenommen werden, denen nicht vertraut wird. Noch weniger wird allerdings Firmen getraut, deren Produkte man nicht kauft (30 %) und Prominenten bzw. „Celebreties“ (34%). Doch auch bekannte Blogger kommen nicht so gut weg (45% Vertrauen). Und im Branchenvergleich ist weiterhin der Bankensektor diejenige Branche, der am wenigsten getraut wird. Damit hat sich wieder eine Misstrauensintensität unter den Bürgern gegenüber genannten Profession und Branchen eingestellt, der zuletzt auf dem Höhepunkt der jüngsten Wirtschaft-und Finanzkrise gemessen wurde.

Das Bisherige ist ein Auszug der Ergebnisse des „Vertrauensbarometers“ der Kommunikationsberatung Edelmann, einer aufwendig erstellten Umfrage unter 27.000 Mensche aus der Allgemeinbevölkerung zahlreicher Länder dieser Erde plus 6.000 Menschen, die als besonders gut informiert gelten. Die Kriterien für die letztgenannte Gruppe waren Hochschulabschluss, überdurchschnittliches Einkommen und eine regelmäßige Information über das wirtschaftliche und politische Geschehen. Diese Umfrage entstand in 20-minütigen online Interviews im Oktober und November 2014. Das Marktforschung-und Beratungsunternehmen Media Tenor hat die Ergebnisse dieser Umfrage im Wesentlichen bestätigt.

Die Menschen haben große Sympathien für die Regulierung von Märkten. Eine neue Verbindung wurde analysiert: Gesellschaften, die ihren entscheidenden Personen und Institutionen nicht vertrauen, wollen umso weniger technischen Fortschritt. Eine Mehrheit der Befragten ist vielmehr der Auffassung, dass Innovationen zu schnell kommen (51 %), von Gier getrieben sind (67 %) und vom reinen Streben nach Wachstum (66 %). Insgesamt nur 24 % der Befragten glauben, dass Innovationen dazu geeignet seien, die Welt besser zu machen. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 %) fühlen sich von den Unternehmen allgemein desinformiert. Deshalb wollen die meisten, dass der Staat Forschung und Entwicklung stärker reguliert; doch nur 20 % glauben gleichzeitig, dass der Staat auch in der Lage ist, eben dies zu tun. Innovationen müssen einen deutlichen gesellschaftlichen und auch persönlichen Nutzen

bringen, sonst werden sie von der Mehrheit der Menschen abgelehnt. Hinzu kommt bei neuen Produkten, dass sie funktionieren müssen und ethisch sauber produziert sind. 63 % der Befragten, das sind zwei Drittel, weigern sich Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen zu kaufen, denen sie nicht vertrauen.

Die 27.000 Befragten stammen unter anderem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien, Indonesien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Japan, Korea, den USA oder Großbritannien. Ein wesentliches Ergebnis dieser Umfrage ist auch, dass die Schwellenmärkte sehr viel offener für Innovationen sind als entwickelte Staaten ( 65 % zu 44 %). Überraschend auch: Die befragten Menschen vertrauen in ihrer Mehrheit in der Tat trotz aller negativen Berichterstattung über Datenschutz noch immer den Entwicklungen der klassischen IT-Industrie. Auch der Lebensmittel-und Getränkebranche wird mit 67% vertraut. Demgegenüber stehen gentechnisch veränderte Lebensmittel, denen überhaupt nicht vertraut werden (32%) sowie Innovation in der Energietechnik wie zum Beispiel das Fracking, dem nur 47 % der Befragten vertrauen.

Über die Gründe dieses hohen Misstrauens dürfte in den nächsten Tagen und Wochen womöglich analysiert, diskutiert und spekuliert werden. Denn die Umfrageergebnisse sind erst heute per Pressemitteilung angekündigt worden.

Quellen dieser News:
Hockling, Yvonne: Edelmann Trust Barometer 2015. Pressemitteilung vom 20.01.2015, http://www.edelman.de/de/news-pressemitteilungen/edelman-trust-barometer-2015-die-deutschen-haben-angst-vor-innovationen-vertrauen-in-wirtschaft-ngos-und-medien-schwindet (Stand 20.01.2015), mit weiteren Informationen und Downloads.
Knop, Carsten: Wer zweimal lügt, dem glaubt man nicht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.01.2015, S. 19.
Weiter Link zum Thema:
Ghostwriter.nu: Akademikern und Experten wird am meisten vertraut . Ghostwriter.nu-News vom 22.02.2013.