Probleme der wissenschaftlichen Medizin

For­schen­de Medi­zi­ner, „Cli­ni­ci­an Sci­en­tists“, gibt es zu weni­ge. Und die Ent­wick­lung kommt seit bald einem Vier­tel Jahr­hun­dert nicht vor­an. Denn die ent­spre­chen­de För­de­rung ist immer noch zu mager.

Man­cher­orts wird beklagt, die Schul­me­di­zin wer­de immer wis­sen­schaft­li­cher. Für einen prak­ti­zie­ren­den Medi­zi­ner um die Ecke dürf­te der All­tag anders als wis­sen­schaft­lich aus­se­hen. Doch auch in den meis­ten Kli­ni­ken ist die wis­sen­schaft­li­che Medi­zin deut­lich unter­be­setzt. Und dies, obwohl sich für eine deut­li­che Bezie­hungs­ver­bes­se­rung zwi­schen Wis­sen­schaft und Medi­zin die höchs­ten Wis­sen­schaft-und For­schungs­gre­mi­en zumin­dest in Deutsch­land schon seit den 1990er Jah­ren ein­set­zen.

Dabei gibt es eine Stu­di­en­kul­tur und eine Bewe­gung, die ver­sucht, viel­ver­spre­chen­de Ergeb­nis­se aus der Grund­la­gen­for­schung mög­lichst ohne Ver­zö­ge­rung an den Pati­en­ten zu brin­gen. Schlag­wor­te die­ser Stu­di­en­kul­tur und Bewe­gung sind „Vom Labor als Kli­nik­bett“ oder „Trans­la­tio­na­le For­schung“.

Seit Ende der 1990er Jah­re wis­sen der deut­sche Wirt­schafts­rat und Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) schon, dass sol­che Vor­stel­lun­gen nur mit ent­spre­chen­den Netz­wer­ken und aus­ge­bil­de­tem Per­so­nal rea­li­sier­bar sind. For­schen­de Ärz­te soll­ten Trä­ger und Rea­li­sie­rer die­ser Vor­stel­lung von wis­sen­schaft­li­cher Medi­zin in der Pra­xis wer­den. Ärzt­li­cher Blick, Empa­thie und The­ra­pie, gleich­zei­tig wis­sen­schaft­li­cher Ehr­geiz, Grund­la­gen­for­schungs­In­ter­es­se und prä­kli­ni­scher For­schungs­wil­le – das war die Vor­stel­lung eines „Cli­ni­ci­an Sci­en­tists“. Bald ein Vier­tel­jahr­hun­dert nach die­sen Vor­stel­lun­gen muss kon­sta­tiert wer­den: Der­lei Medi­zi­ner gibt es zumin­dest in Deutsch­land viel zu weni­ge.

Denn es fehlt bis heu­te an tat­säch­li­cher För­de­rung der­lei Medi­zi­ner. Gesetzt wur­de von Anfang an letzt­lich auf einen prak­ti­schen Arzt, der nach Fei­er­abend aus Idea­lis­mus frei­wil­lig und unbe­zahlt forscht. Doch die meis­ten Medi­zi­ner ent­schlos­sen sich nach ihrer Fach­arzt­aus­bil­dung als kli­ni­sche Ärz­te Kar­rie­re zu machen und nicht nach geta­ner Arbeit in For­schungs­aben­den und –näch­ten zu ver­sau­ern. Doch selbst wenn zumin­dest teil­wei­se eine Frei­stel­lung von der Kran­ken­ver­sor­gung für for­schen­de Ärz­te erfol­gen soll­te: Wer forscht, wird nicht nach dem ver­gleichs­wei­se guten Ärz­te­ta­rif bezahlt.

Des­halb sta­gniert die Ent­wick­lung hin zu mehr wis­sen­schaft­li­chen Medi­zi­ner bis heu­te, selbst an so renom­mier­ten Orten wie der Medi­zi­ni­schen Hoch­schu­le Han­no­ver oder der Ber­li­ner Cha­rité. Da machen es pri­va­te Initia­ti­ven bes­ser. So för­dert zum Bei­spiel die „Else-Krö­ner-Fre­ses­ni­us-Stif­tung“ in Bad Hom­burg medi­zi­ni­sche For­schungs­kol­le­gi­en und zeigt damit, dass durch die­se För­de­rung Cli­ni­ci­an Sci­en­tists als wis­sen­schaft­li­che Talen­te zum Woh­le aller geför­dert wer­den kön­nen. Wich­tig dabei ist, dass Medi­zi­ner tat­säch­lich von der Kran­ken­ver­sor­gung bzw. dem Kli­nik­all­tag frei­ge­stellt wer­den und eine ange­mes­se­ne finan­zi­el­le Kom­pen­sa­ti­on für ihre wis­sen­schaft­li­chen For­schun­gen erhal­ten.

Die stän­di­ge Senats­kom­mis­si­on der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft hat des­halb kürz­lich eine Emp­feh­lung für erwei­ter­te Cli­ni­ci­an-Sci­en­tist-Pro­gram­me auf­ge­legt. Jun­ge for­schungs­wil­li­ge Ärz­te sol­len dem­nach bereits spä­tes­tens nach der Hälf­te der Fach­arzt­aus­bil­dung geschütz­te Zei­ten zu ihrer For­schung genie­ßen kön­nen. In den dar­auf­fol­gen­den drei Jah­ren sol­len sie, für den Fall, dass sie im Rah­men eines Cli­ni­ci­an-Sci­en­tist-Pro­gram­mes for­schen, jeweils zur Hälf­te mit DFG-Mit­teln und aus der Kran­ken­ver­sor­gung finan­ziert wer­den. Damit sol­len jun­gen Medi­zi­nern die Mög­lich­keit eröff­net wer­den, eige­ne For­schungs­pro­jek­te wei­ter­zu­füh­ren.

Quel­len:

Else-Krö­ner-Fre­ses­ni­us-Stif­tung, http://www.ekfs.de; kon­kret z.B.: „‘Else Krö­ner For­schungs­kol­le­gi­en‘ bewäh­ren sich als wich­ti­ges und in sei­ner Art ein­zig­ar­ti­ges För­der­pro­gramm für cli­ni­ci­an sci­en­tists, http://www.ekfs.de/de/aktuell/2015–02-20_Else_Kroener_Forschungskollegien.html.

Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft (DFG): Eta­blie­rung eines inte­grier­ten For­schungs-und Wei­ter­bil­dungs-Pro­gramms für „Cli­ni­ci­an Sci­en­tists“ par­al­lel zur Fach­arzt­wei­ter­bil­dung. April 2015, http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/2015/empfehlungen_clinician_scientists_0415.pdf