Studenten bleiben zuhause

In den alten Bun­des­län­dern sind es dop­pelt so vie­le in den neu­en Bun­des­län­dern, was wohl dar­auf zurück­zu­füh­ren sein dürf­te, dass in den neu­en Bun­des­län­dern eine gerin­ge­re Hoch­schul­dich­te vor­han­den und damit der Weg zur Hoch­schu­le zu weit ist. Im Saar­land lebt jeder zwei­te Stu­dent bei den Eltern, in Meck­len­burg-Vor­pom­mern sind es nur 5 %.

Fach­hoch­schul­stu­den­ten blei­ben ten­den­zi­ell häu­fi­ger bei den Eltern als Uni­ver­si­täts­stu­den­ten. MINT- und Wirt­schafts­stu­den­ten blei­ben eher bei den Eltern als Geis­tes­wis­sen­schaft­ler und Medi­zi­ner.

Stu­den­ten, die zu Hau­se bei ihren Eltern woh­nen blei­ben, sind zufrie­de­ner mit ihrer Wohn­si­tua­ti­on als Stu­den­ten, die nicht bei ihren Eltern blei­ben.

Auch Studenten leiden unter der allgemeinen Entwicklung des Wohnungsmarkts

Ein Grund für die­se Ent­wick­lung mag der Woh­nungs­markt sein, der sich für Men­schen mit wenig Geld ins­ge­samt zu deren Unguns­ten ent­wi­ckelt hat. Die BAföG-Wohn­pau­scha­le beträgt seit dem 1. August 2016 250 €, wäh­rend die durch­schnitt­li­chen stu­den­ti­schen Wohn­kos­ten in Deutsch­land indes 340 € pro Monat betra­gen. Mit der BAföG-Pau­scha­le lässt sich damit prak­tisch nur ein Zim­mer in einem stu­den­ti­schen Wohn­heim anmie­ten, und davon gibt es in Deutsch­land seit Jahr­zehn­ten schon zu weni­ge. Inner­halb der ca. letz­ten zehn Jah­re hat sich die Anzahl der Stu­den­ten­wohn­heim­plät­ze um 8 % ver­grö­ßert, wäh­rend die Anzahl der Stu­den­ten um 44 % oder mehr als fünf Mal so schnell gewach­sen ist.

Die Apo-Zeit ist schon lange vorbei

Ein ande­rer Grund mag aber auch sein, dass jun­ge Men­schen heu­te ein ganz über­wie­gend gutes oder gar sehr gutes Ver­hält­nis zu ihren Eltern haben. Der Kind-Eltern-Kon­flikt der 1968-er Jah­re ist schon lan­ge vor­bei. Von einer klein­geis­ti­gen Enge im Eltern­haus, die die 1968-Alt­vor­de­ren einst beklag­ten, kann kei­ne Rede mehr im heu­ti­gen Eltern­haus sein. Im Gegen­teil: Der Frei­heits- und Ver­ant­wor­tungs­raum zu Hau­se ist für Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne viel grö­ßer gewor­den als frü­her, und es gibt ins­ge­samt auch bedeu­tend mehr Wohn­raum im elter­li­chen Zuhau­se als frü­her. Eltern wie­der­um pro­fi­tie­ren vom mit­hel­fen­den Dasein ihrer erwach­se­nen Kin­der.

Kritik an dieser Entwicklung: Studenten wird Selbstbehauptungsentwicklung genommen

Gegen die­se Ent­wick­lung gibt es war­nen­de Stim­men, erwach­se­ne Kin­der wür­den zu sehr ver­hät­schelt und man mute ihnen kei­ne Miss­er­fol­ge mehr zu. Star­ke emo­tio­na­le Bin­dun­gen, die nur noch Lob an ihre selbst erwach­se­nen Kin­der trans­por­tie­re, ver­hin­de­re bei die­sen Kin­dern kla­re Posi­tio­nen, Angst vor Nie­der­la­gen und eine Prio­ri­sie­rung von Noten statt von Sach­fra­gen. Dabei sei die Zeit des Stu­di­ums auch ein Rei­fungs­pro­zess, in dem man vor allen Din­gen ler­nen müs­se, sich selbst aus­zu­hal­ten. Des­halb sei es für erwach­se­ne Kin­der sehr wich­tig, dass die Eltern ihnen irgend­wann ein­mal den Stuhl vor die Tür setz­ten, sonst wür­den sie schlecht Selbst­be­haup­tung erler­nen.

Quel­le: In Anleh­nung an Lehn, Bri­git­ta vom: Bedroh­te Nest­ho­cker. FAZ vom 07.01.2017, S. C3 (F.A.Z. Cam­pus)