Prekäre Situation von Doktoranden beenden

Vie­le Dok­to­ran­den, die gleich­zei­tig wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter an einem Lehr­stuhl sind, schaf­fen im Rah­men die­ser Qua­li­fi­zie­rungs­stel­le auf Grund hoher Arbeits­be­las­tun­gen und Stel­len­be­fris­tung ihre Dis­ser­ta­ti­on nicht. Das will die SPD künf­tig ändern.

83 Pro­zent aller haupt­be­ruf­lich beschäf­tig­ten Mit­ar­bei­ter an Hoch­schu­len befin­den sich in einem pre­kä­ren oder befris­te­ten Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis. Häu­fig liegt die Beschäf­ti­gungs­dau­er unter einem Jahr. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re auch Dok­to­ran­den, die im Rah­men ihrer Mit­ar­bei­ter­tä­tig­keit an der Hoch­schu­le ihre Dis­ser­ta­ti­on schrei­ben (wol­len). Das gelingt oft nicht, zumin­dest nicht in der Zeit die­ser Mit­ar­bei­ter­tä­tig­keit. Denn der Arbeits­auf­wand für die Leh­re und vie­le ande­re Tätig­kei­ten lässt wenig Zeit für das Schrei­ben der eigent­li­chen Dis­ser­ta­ti­on.

Die­sen Umstand stel­len vie­le Pro­mo­vie­ren­de aller­dings erst am Ende ihrer Mit­ar­bei­ter­tä­tig­keit fest. Dar­über hin­aus wird die Betreu­ungs­ver­ein­ba­rung zwi­schen Dok­to­ran­den und dem betref­fen­den Lehr­stuhl in vie­len Fäl­len nach wie vor stief­müt­ter­lich behan­delt: Eine sol­che Ver­ein­ba­rung erfolgt eben nicht zu Anfang einer Dok­to­ran­den-Qua­li­fi­zie­rungs­stel­le, son­dern bes­ten­falls am Ende, wenn nicht, wie häu­fig, gar erst nach zwei Jah­ren.

Die­se Mis­stän­de will die SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on jetzt been­den. Ges­tern hat die Bericht­erstat­te­rin für das Wis­sen­schafts­frei­heits­ge­setz, die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Aus­schus­ses für Bil­dung, For­schung Tech­nik­fol­ge­ab­schät­zung Simo­ne Raatz (SPD) die Eck­punk­te dafür vor­ge­stellt. Die Min­dest­be­schäf­ti­gungs­dau­er soll dem­nach künf­tig 24 Mona­te betra­gen. Außer­dem sol­len die Hoch­schu­len und außer­uni­ver­si­tä­ren Ein­rich­tun­gen dazu ver­pflich­tet wer­den, befris­te­te Mit­ar­bei­ter­be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se so lan­ge lau­fen zu las­sen wie die Lauf­zeit von Dritt­mit­teln ist. Bei Son­der­for­schungs­be­rei­chen wären so

Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se von bis zu 6 Jah­ren mög­lich.

Die CDU ist gegen sei­nen sol­chen Plan und will die Stel­lung­nah­me des Wis­sen­schafts­rats zu die­ser Fra­ge abwar­ten, die aktu­ell noch aus­steht. Dar­über hin­aus sol­le nicht durch sepa­ra­te Rege­lun­gen ent­schie­den wer­den, son­dern nur im Rah­men des Hoch­schul­pak­tes und des Pak­tes für For­schung und Inno­va­ti­on. Und auch der Rek­tor der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg ist mit die­sem Vor­stoß der SPD nicht glück­lich: Eine Kop­pe­lung von Mit­ar­bei­ter­dau­er mit der Lauf­zeit von Dritt­mit­tel-For­schun­gen sei kein Garant für das Gelin­gen einer Pro­mo­ti­on. Wenn ein Dok­to­rand ein paar Mona­te län­ger brau­che für sei­ne Dis­ser­ta­ti­on als das betref­fen­de Dritt­mit­tel-For­schungs­pro­jekt lau­fe, fal­le er voll­stän­dig aus dem Sys­tem her­aus.

Quel­le:
Schmoll, Hei­ke: Poli­tik mit Dau­men­schrau­be. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung von heu­te, den 01.07.2014, S. 4.