Plagiat als Prisma eines Kulturkampfes? (4)

Die Pla­gi­ats­af­fä­re um die Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin Dr. Annet­te Scha­van ent­wi­ckelt sich zu einem Kampf um die Deu­tungs­ho­heit von „Wis­sen­schaft“ per se. Was geschieht hier tat­säch­lich? Viel­leicht hel­fen ein paar inves­ti­ga­ti­ve Fra­gen wei­ter.
– Teil 4 von 5 -

5.
Groß ist die Sache mit der Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin Frau Dr. Scha­van gewor­den. „Spit­zen­rei­ter“ der dies­be­züg­li­chen Bericht­erstat­tung ist nach Kennt­nis des Ver­fas­sers die­ses hier vor­lie­gen­den Bei­trags der „Spie­gel“ mit 49 Arti­kel i.S. Dis­ser­ta­ti­on von Frau Dr. Scha­van in fast genau neun Mona­ten, das macht durch­schnitt­lich 1,25 Arti­kel pro Woche die­ser Wochen­zeit­schrift. Die Spit­ze der „Spie­gel“-Bericht­erstat­tung dürf­te der 15.10.2012 gewe­sen sein: Sie­ben Arti­kel an einem Tag, von 12:25 Uhr bis 18:25 Uhr im Zwei­stun­den­takt. Die „Spie­gel“-Chro­no­lo­gie die­ser Bericht­erstat­tun­gen kann sich jeder Inter­es­sier­te unter spiegel.de/thema/annette_schavan/
(Stand 25.01.2013) anse­hen. Da blei­ben klei­ne­re Din­ge ger­ne ein­mal unbe­rück­sich­tigt.

Ein sol­ches „klei­ne­res Ding“ ist das angeb­li­che Pla­gi­at des SPD-Poli­ti­kers Marc Jan Eumann, sei­nes Zei­chens Staats­se­kre­tär für Medi­en­fra­gen in Nord­rhein-West­fa­len. Die TU Dort­mund prüft der­zeit, ob die Dis­ser­ta­ti­on des Herrn Eumann aus dem Jahr 2011 ein Pla­gi­at sei.

Nach dem Urteil eines Dort­mun­der Medi­en­wis­sen­schaft­lers habe Eumann sei­ne eige­ne Magis­ter­ar­beit aus dem Jahr 1991 qua­si recy­celt, also sich selbst pla­gi­iert. Dabei habe er gegen Pro­mo­ti­ons­vor­schrif­ten ver­sto­ßen.
(wz-newsline.de/home/politik/nrw/nrw-staatssekretaer-soll-plagiat-verfasst-haben-1.1201744 vom 09.01.2013, Stand 25.01.2013)

Als “Selbst­pla­gi­at” hat die­sen Sach­ver­halt nach Kennt­nis des Ver­fas­sers die­ses hier vor­lie­gen­den Bei­tra­ges erst­mals ein gemein­sa­mes Posi­ti­ons­pa­pier der All­ge­mei­ne Fakul­tä­ten­tag (AFT), der Fakul­tä­ten­ta­ge und des Deut­schen Hoch­schul­ver­ban­des (DHV) (des­sen Prä­si­dent Herr Jurist Prof. Dr. Bern­hard Kem­pen ist) Anfang Juli 2012 bezeich­net; der Ver­fas­ser die­ses hier vor­lie­gen­den Bei­trags schrieb dar­über am 10.07.2012 unter ghostwriter.nu/news/plagiat/ mit dem Schluss:

Der­lei Ent­wick­lun­gen kön­nen von allen Men­schen, die sich in den (asso­zia­ti­ven) Wis­sen­schaf­ten zu Hau­se füh­len, in kei­ner Wei­se hin­ge­nom­men wer­den.

Das war soeben kein „Selbst­pla­gi­at“, da mit der Quel­le belegt. „Auto­p­la­gi­at“ nen­nen es die Öster­rei­cher (z.B. die sechst­größ­te öster­rei­chi­sche Tages­zei­tung „Die Pres­se“ unter diepresse.com/home/science/1335747/Auch-die-Herren-Professoren-sind-vor-Betrug-nicht-gefeit?_vl_backlink=/home/science/index.do, Stand 25.01.2013) und wei­sen es gleich in zwei von drei Fäl­len nur Män­nern zu (vgl. ebd.), was so irgend­wie nicht stim­men kann, wenn der Ver­fas­ser die­ses hier vor­lie­gen­den Bei­trags nur die Poli­ti­ke­rin­nen und und Poli­ti­ker seit Gut­ten­berg zusam­men­zählt, die ihren Dok­tor­hut ver­lo­ren haben.

Alle Kory­phä­en der asso­zia­ti­ven Wis­sen­schaf­ten – hier ins­be­son­de­re Phi­lo­so­phie oder Sozio­lo­gie – sind also Pla­gia­teu­re??? Imma­nu­el Kant, des­sen Gesamt­werk bald ein gan­zes Bücher­re­gal ein­nimmt, und der tau­sen­de von Male auf sei­ne eige­nen Gedan­ken zurück griff, dar­auf auf­bau­te, sie wie­der­hol­te, ohne die erst­ma­li­ge Erwäh­nung eines eige­nen bestimm­ten Gedan­kens in einer Fuß­no­te mit Quel­l­an­ga­be und Sei­ten­zahl zu „bele­gen“? Der Sozio­lo­ge Max Weber? Karl Marx? …
(Bahner, Harald: „‘Selbst­pla­gi­at‘ ist auch Pla­gi­at?“ In: Ghost­wri­ter.nu, ghostwriter.nu/news/plagiat/ vom 10.07.2012, letz­ter Auf­ruf am 25.01.2013; das war ein „Selbst­zi­tat“)

Selt­sam ist auch, dass die­ser Begriff des „Selbst­pla­gi­ats“, das der Ver­fas­ser die­ses hier vor­lie­gen­den Bei­trags schon jetzt als Unwort des Jah­res 2013 vor­schla­gen möch­te, in bereits genann­ter „Denk­schrift“ der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/download/empfehlung_wiss_praxis_0198.pdf) aus dem Jahr 1998 mit kei­nem Wort Erwäh­nung fin­det, auch das „Auto­p­la­gi­at“ oder das „Eigen­pla­gi­at“ sucht man in die­ser „Denk­schrift“ ver­ge­bens. Und auch der Wiki­pe­dia-Arti­kel „Pla­gi­at“, hier der gut einen mit­tel­gro­ßen Bild­schirm in noma­ler Schrift aus­fül­len­de Abschnitt „Eigen- und Selbst­pla­gi­at“, führt ganz am Anfang die­ses Abschnitts kurz hin­ter­ein­an­der zwei Quel­len auf, die (schein)belegen sol­len, dass das „Selbst­pla­gi­at“ kaum jus­ti­zia­bel sei, dafür aber das Ver­trau­en in die Qua­li­tät wis­sen­schaft­li­chen Arbei­tens unter­gra­be (??) – und dann kommt die­ser Wiki­pe­dia-Abschnitt gänz­lich ohne wei­te­re Quel­len aus und erschöpft sich viel­mehr in epi­schen Aus­füh­run­gen inter­es­san­ter Wei­se über die „DFG-Richt­li­ni­en für gute wis­sen­schaft­li­che Pra­xis“, in der der zen­tra­le Gegen­stand die­ses Abschnitts mit kei­nem Begriff oder Alter­na­tiv­be­griff auch nur ein ein­zi­ges Mal erwähnt wird, auch nicht sinn­ge­mäß, ver­sus „der prag­ma­ti­schen Posi­ti­on“, und man fragt sich doch unwill­kür­lich, wer die­sen Arti­kel der frei­en Enzy­klo­pä­die „Wiki­pe­dia“, bei der jeder mit­schrei­ben darf, der glaubt etwas Klu­ges zu sagen zu haben, denn tat­säch­lich geschrie­ben hat.

Wei­te­re Fra­ge: Kei­ne.

Teil 5 von 5

Teil 1 von 5
Teil 2 von 5
Teil 3 von 5

zum Gesamt­bei­trag (Tei­le 1 bis 5)

Harald Bahner
Mas­ter of Busi­ness Con­sul­ting (FIBAA-akkre­di­tiert)
Magis­ter Arti­um Ger­ma­nis­tik, Geschich­te, Phi­lo­so­phie
Wis­sen­schaft­li­cher Ghost­wri­ter seit über 20 Jah­ren
Aka­de­mi­sche Fachbereichs-„Steckenpferde“: Sozio­lo­gie, Psy­cho­lo­gie

Anmer­kung:
Ob die Dis­ser­ta­ti­on der Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin Dr. Annet­te Scha­van zu viel Pla­gi­at ent­hält, ent­schei­den Die­je­ni­gen, die sich mit dem Text detail­liert aus­ein­an­der set­zen. Dies hat der Autor die­ses hier vor­lie­gen­den Bei­trags nur teil­wei­se getan. Die Aus­sa­gen die­ses hier vor­lie­gen­den Bei­tra­ges kön­nen damit nicht als Posi­tio­nie­rung für oder gegen den Pla­gi­ats­vor­wurf der Dis­ser­ta­ti­on von Frau Dr. Scha­van ange­se­hen wer­den – und sol­len dies aus­drück­lich auch nicht. Es geht um Ande­res – sie­he den Gesamt­zu­sam­men­hang im Gesamt­text Tei­le 1 bis 5.