Osteuropawissenschaften darben

Die Exper­ti­se in Deutsch­land über Russ­land und Ost­eu­ro­pa schwin­det.

Zahl­rei­che sla­wis­ti­sche Insti­tu­te sind in den letz­ten zehn Jah­ren an den Hoch­schu­len abge­wi­ckelt wor­den. Ende letz­ter Woche ist des­halb wie­der­holt die Fra­ge auf­ge­wor­fen wor­den, ob Deutsch­land es sich leis­ten kön­ne, gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen in Ost­eu­ro­pa und ins­be­son­de­re in Russ­land nicht mehr zu ver­ste­hen.

So äußer­te die Redak­ti­on der Fach­zeit­schrift „Ost­eu­ro­pa“ in einem The­men­heft zur Lage in Russ­land nach den Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen gegen die gefälsch­ten Wah­len bereits Ende des ver­gan­ge­nen Jah­res: „Die deut­sche Exper­ti­se über aktu­el­le Fra­gen der Innen- und Außen­po­li­tik Russ­lands, der gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lung und der Wirt­schaft schrumpft. Wir sind mit einem erheb­li­chen Wis­sens­de­fi­zit kon­fron­tiert.“ Im jüngs­ten „Osteuropa“-Heft äußert der Diplo­mat Man­fred Hute­rer: „Es gibt einen pro­ble­ma­ti­schen Befund: Das Niveau der ana­ly­ti­schen Durch­drin­gung der Pro­ble­me im gesam­ten eura­si­schen Raum hat nach­ge­las­sen.“

An den sla­wis­ti­schen Insti­tu­ten wur­de inner­halb der Hoch­schu­len beson­ders gespart. Ande­re Grün­de lie­gen in den Ost­eu­ro­pa­wis­sen­schaf­ten selbst. So waren die­se jahr­zehn­te­lang poli­tisch gelei­tet. In der Zwi­schen­kriegs­zeit und im Natio­nal­so­zia­lis­mus ging es um die Erfor­schung ver­meint­li­cher künf­ti­ger neu­er deut­scher Sied­lungs­räu­me im Osten. In der Zeit des Kal­ten Krie­ges ging es dar­um, den „Feind“ bes­ser zu ken­nen. Die­se poli­ti­schen Antrie­be sind mit dem Mau­er­fall 1989 und dem Ende der Sowjet­uni­on und deren gesam­ten Macht­be­reich im Jahr 1991 ent­fal­len.

Den­noch pflich­ten die Auto­ren und Ghost­wri­ter von Ghostwirter.nu der aktua­li­sier­ten Kri­tik bei. Es erscheint kaum ver­tret­bar, dass Deutsch­land nicht sehr gute und gute Exper­ti­se in Sachen Russ­land hat.

Harald Bahner

Quel­len die­ser News:

Veser, Rein­hard: Mut­wil­li­ge Ver­nach­läs­si­gung. Deutsch­land ver­liert sei­ne wis­sen­schaft­li­che Ost­eu­ro­pa-Kom­pe­tenz. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 08.03.2013, S. 10.

ost­eu­ro­pa“, osteuropa.dgo-online.org