Neue Exzellenzinitiative für Universitäten in der Kritik

Die neue Exzel­lenz­för­de­rung der Uni­ver­si­tä­ten ab 2017 steht aktu­ell in der Kri­tik. Woher kommt’s?

Die Exzel­lenz­för­de­rung der Uni­ver­si­tä­ten soll geän­dert wer­den. Wie von der gemein­sa­men Wis­sen­schafts­kon­fe­renz den Minis­ter­prä­si­den­ten der Bun­des­län­der Ende Okto­ber 2014 vor­ge­schla­gen wird, soll die För­de­rung der bis­he­ri­gen Uni­ver­si­tä­ten wei­ter­ge­führt wer­den. Die För­der­grün­de sol­len jedoch aus­ge­wei­tet wer­den. So sol­len ins­be­son­de­re auch die Leh­re und Fach­hoch­schu­len geför­dert wer­den kön­nen. Dies wird aktu­ell als Aus­höh­lung der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve kri­ti­siert. Nicht ech­te Spit­zen­för­de­rung wer­de mehr geför­dert, son­dern alles Mög­li­che und alle mög­li­chen Hoch­schul­ar­ten.

Die aktu­el­le Kri­tik sieht den Grund in die­sem För­de­rungs­schwenk dar­in, dass die Bil­dungs­po­li­ti­ker und Groß­ko­ali­tio­nä­re offen­bar Angst vor sich selbst bekom­men haben. Sie schei­nen die Spit­zen­for­schungs­för­de­rung nicht mehr zu wol­len, weil sie in der Öffent­lich­keit unbe­liebt ist. Statt­des­sen soll die Exzel­lenz­in­itia­ti­ve offen­bar schein­de­mo­kra­ti­siert wer­den, indem Spit­zen­for­schung nur noch eine von drei För­der­mög­lich­kei­ten sein soll. Die Aus­bil­dung fach­li­cher und stra­te­gi­scher Pro­fi­le in allen Leis­tungs­be­rei­chen, die künf­tig geför­dert wer­den soll, Koope­ra­ti­on von Hoch­schu­len mit außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen, der Wirt­schaft und ande­ren gesell­schaft­li­chen Akteu­ren in regio­na­len ver­bün­den­de­ten Netz­wer­ken und neue­ren insti­tu­tio­nel­len For­men sei letzt­lich die För­de­rung von allem nichts und habe mit in „Spit­ze“ nichts mehr zu tun, so die aktu­el­le Kri­tik. Der gesam­te Gedan­ke, mit­tels punk­tu­el­ler For­schungs­för­de­rung Spit­zen­clus­ter in der Hoch­schul­land­schaft zu bil­den, wer­de so ver­wäs­sert.

Regio­na­ler Pro­porz, Struk­tur­för­de­rung und poli­ti­sche Set­zun­gen wür­den eine viel grö­ße­re Rol­le spie­len als bis­her. Ein wis­sen­schafts­ge­lei­te­tes Ver­fah­ren sei damit so zwei­fel­haft wie nie.

Die aktu­el­le Kri­tik sieht die­se frü­her gewoll­te Dif­fe­ren­zie­rung des Hoch­schul­sys­tems nun­mehr ersetzt durch eine Ent­dif­fe­ren­zie­rung. Es wird eine Par­al­le­le gezo­gen zwi­schen inklu­si­vem Schul­sys­tem und inklu­si­ver Uni­ver­si­tät, wobei die inklu­si­ve Uni­ver­si­tät unbe­grenzt Lücken des Schul­wis­sen stop­fen soll und auch den­je­ni­gen offen steht, die kein Abitur haben. Das sei poli­tisch gewollt. Das sei aber gleich­zei­tig eine Kon­ter­ka­rie­ren der inter­na­tio­na­len Kon­kur­renz­fä­hig­keit der Uni­ver­si­tä­ten und der Wahr­neh­mung die­ser Uni­ver­si­tä­ten als Orte der Spit­zen­for­schung, ins­be­son­de­re im Aus­land. Spit­zen­for­schung stün­de damit gegen poli­ti­sche Kor­rekt­heit. Die­se beding­ten nicht nur ein Absen­ken der Inhal­te und der Aus­rich­tung der Spit­zen­for­schung. Auch die offen­bar stär­ke­re Iden­ti­fi­ka­ti­on der betref­fen­den Uni­ver­si­täts­be­schäf­tig­ten wür­de so gestört, füh­re womög­lich zum Abwan­de­run­gen von den Hoch­schu­len und könn­te auch das Nach­den­ken über die eige­ne Stra­te­gie und Zukunft der Uni­ver­si­tä­ten been­den, das gera­de mit der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve oft­mals über­haupt erst ange­fan­gen habe.

Spit­zen­for­schung wer­de so auch zur Dau­er­be­schäf­ti­gung von Antrags­stel­lun­gen degra­diert. Spit­zen­for­scher wür­den so künf­tig wie bis­her auch schon für die Leh­re aus­fal­len. Schon bis­her hät­ten Spit­zen­for­scher kein grö­ße­res Ziel gehabt als sich mit der Exzel­lenz­för­de­rung von der Leh­re frei­zu­kau­fen. Dies wür­de mit der neu­en Exzel­lenz­in­itia­ti­ve ab 2017 noch ver­stärkt. Stu­den­ten sei­en bis­her die­je­ni­gen die von der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve an wenig pro­fi­tiert hät­ten. Die Kon­ti­nui­tät und auch die Qua­li­tät der Leh­re sei so kon­ti­nu­ier­lich gesun­ken. Die Leh­re an den Uni­ver­si­tä­ten wer­de des­halb schon heu­te so sehr geprägt von über­las­te­ten Lehr­be­auf­trag­ten wie sel­ten zuvor, und dies wür­de sich mit der neu­en Exzel­lenz­in­itia­ti­ve noch ver­stär­ken.

Dar­über hin­aus stellt sich die Fra­ge, nach wel­chen Kri­te­ri­en eine gute Leh­re beur­teilt wer­den soll, denn sie soll ja von der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve künf­tig auch geför­dert wer­den kön­nen.

Nun die geplan­te Exzel­lenz­in­itia­ti­ve ab 2017 sei in der Sum­me nichts ande­res als eine Ein­eb­nung aller Unter­schie­de, auch zwi­schen Uni­ver­si­tä­ten und Fach­hoch­schu­len. Eine För­de­rung von Spit­zen wür­de ver­schwin­den.

Zum glei­chen The­ma
Ghost­wri­ter.nu: Exzel­lenz­in­itia­ti­ve wird aus­ge­wei­tet. Ghostwriter.nu-News vom 20.10.2014.