Linguistik als zentrales Überwachungswerkzeug

Der Lin­gu­ist Joa­chim Schar­loth von der TU Dres­den zeigt auf der 30. Jubi­lä­ums­ta­gung des „Cha­os Com­pu­ter Clubs“ im Ham­burg die Macht der Lin­gu­is­tik als Über­wa­chungs­werk­zeug im Inter­net auf.

Das Fach Lin­gu­is­tik galt lan­ge als Orchi­de­en­fach. Damit ist es im Inter­net­zeit­al­ter vor­bei.

Im Rah­men der „Pro­blem­stel­lung“ Edward Snow­den und den Über­wa­chungs­prak­ti­ken diver­ser Geheim­diens­te stell­te der Lin­gu­ist Joa­chim Schar­loth von der TU Dres­den die­ser Tage im Rah­men des 30. Jubi­lä­ums­ta­gung des „Cha­os Com­pu­ter Clubs“ im Ham­burg fest, dass die NSA in ihren Ver­öf­fent­li­chun­gen ihre Lin­gu­is­ten noch vor ihren Mathe­ma­ti­kern und Com­pu­ter­ex­per­ten auf­füh­re. Mehr noch: Die NSA betrei­be eine eige­ne lin­gu­is­ti­sche For­schung und habe bereits meh­re­re lin­gu­is­ti­sche Paten­te ange­mel­det.

Hin­ter­grund die­ser erheb­li­chen Auf­wer­tung der Lin­gu­is­tik sei, so Schar­loth laut Schulz (2013) wei­ter, dass heu­te jeder über­wacht wer­den kön­ne, der Spra­che benut­ze. Und das Inter­net­zeit­al­ter habe jeg­li­che Äuße­run­gen les­bar gemacht.

Mit­tels lin­gu­is­ti­scher Ana­ly­sen könn­te die Radi­ka­li­tät eines Men­schen, des­sen Ideo­lo­gi­en, Schwarz-Weiß-Den­ken, nega­ti­ve Welt­an­schau­un­gen, Nähe zu Ver­schwö­rungs­theo­ri­en oder star­ke Emo­tio­na­li­tä­ten errech­net wer­den – nur auf Grund einer Text­ba­sis die­ses betref­fen­den Men­schen!

Eine ein­fa­che Gegen­wehr – z.B. in Form von Spam der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge mit fal­schen Signal­wör­tern – gelän­ge auf Dau­er nicht, und

es sei auch einem Men­schen auf Dau­er nicht mög­lich sich zu ver­stel­len. Und wenn dies gelän­ge, wür­de dies eher zu einem Wett­rüs­ten der Über­wa­chungs­tech­ni­ken füh­ren.

Nicht sel­ten fän­den die wesent­li­chen lin­gu­is­ti­schen For­schungs­an­stren­gun­gen im heu­ti­gen Com­pu­ter­zeit­al­ter abseits der Öffent­lich­keit statt. Lin­gu­is­ten fän­den heu­te des­halb auch weit­aus bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen jen­seits der Hoch­schu­len vor.

Ein­zi­ge Wehr sei bei die­sem The­ma kon­ti­nu­ier­li­che Auf­klä­rung.

Quel­le:
Schulz, Ste­fan: Sei wach, über­wach. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 28.12.2013, S. 34.